Vorbereitung der Implementierung

Erst bei Anwendung einer Leitlinie in der Klinik und Praxis entscheidet sich deren Nutzen. Implementierung bedeutet die schwierige Aufgabe, Handlungsempfehlungen in individuelles Handeln zu transferieren. Eine hohe methodische und fachliche Qualität, sowie gute Anwendbarkeit und hohe Verbreitung der Leitlinien ist eine wichtige Voraussetzung für deren Implementierung, reicht jedoch in der Regel nicht aus, eine Verhaltensänderung herbeiführen (1-4). Welche Hindernisse, selbst bei Kenntnis und Akzeptanz, sich bei der Umsetzung von Leitlinienempfehlungen ergeben, verdeutlicht das klassische Thema „Handhygiene im Krankenhaus“(5).

Im ersten Schritt sollten mögliche organisatorische, strukturelle, personelle und finanzielle Barrieren identifiziert und Lösungsvorschläge angeboten werden (6-8). Im zweiten Schritt sollte überlegt werden, welche Strategien der Implementierung von der Leitliniengruppe aktiv unterstützt werden können (9, 10). Die Ergebnisse beider Schritte sollten in der Leitlinie oder im Leitlinienreport dargelegt werden.

AWMF-Regel für das Leitlinienregister

Keine

Bezug zum AGREE II-Instrument

Domäne 5: Anwendbarkeit

Kriterium 18: Mögliche förderliche und hinderliche Faktoren für die Anwendung der Leitlinie werden beschrieben.

Kriterium 19: Die Leitlinie macht Vorschläge und / oder benennt Instrumente, die die Anwendung der Leitlinienempfehlungen unterstützen.

Kriterium 20: Die möglichen finanziellen Auswirkungen der Leitlinienempfehlungen wurden berücksichtigt.

Kriterium 21: Die Leitlinie nennt Messgrößen für die Bewertung der Prozess- und / oder Ergebnisqualität der Leitlinie.

Hilfen und Tipps

Empfehlenswerte Strategien zur Verbreitung und Implementierung sind z.B.:

  • Einholung von Rückmeldungen von Patient*innen, Pflegepersonal, Ärzt*innen
  • Bilden lokaler Gruppen zur Übernahme bzw. Anpassung der Leitlinie
  • interaktive Fortbildungen zu den Leitlinieninhalten
  • Diskussion der Leitlinie in Qualitätszirkeln

Die Implementierung kann von der Leitliniengruppe selbst bestmöglich vorbereitet werden durch „Gute Praxis der Leitlinienentwicklung“, Redaktion und Verbreitung sowie Öffentlichkeitsarbeit. Es wird empfohlen, dass die Mitglieder der Leitliniengruppe sich darüber hinaus für die Umsetzung von Implementierungsstrategien einsetzen. Unterstützt werden kann dies durch eine vorbereitende Barrierenanalyse.

Abbildung 21: Barrierenanalyse in Anlehnung an die "Force Field Analysis" (K. Lewin)

Literatur

  1. Cabana MD, Rand CS, Powe NR, Wu AW, Wilson MH, Abboud PAC, et al. Why don't physicians follow clinical practice guidelines? A framework for improvement. JAMA : the journal of the American Medical Association. 1999;282:1458-65.

  2. Margolis CZ, Cretin S. Implementing clinical practice guidelines. Chicago: AHA Press; 1999.

  3. Selbmann HK, Kopp I. Implementierung von Leitlinien in den Versorgungsalltag. Psychiatrie. 2005;2(1):33-8.

  4. Gagliardi AR, Brouwers MC, Palda VA, Lemieux-Charles L, Grimshaw JM. How can we improve guideline use? A conceptual framework of implementability. Implementation science : IS. 2011;6:26.

  5. Gross PA, Pujat D. Implementing practice guidelines for appropriate antimicrobial usage: a systematic review. Medical care. 2001;39(8 Suppl 2):Ii55-69.

  6. Lewin K. Definition des Feldes zu einer gegebenen Zeit. Feldtheorie in den Sozialwissenschaften: Verlag Hans Huber; 1963. p. 86-101.

  7. Grimshaw JM, Thomas RE, MacLennan G, Fraser C, Ramsay CR, Vale L, et al. Effectiveness and efficiency of guideline dissemination and implementation strategies. Health Technol Assess. 2004;8(6):iii-iv, 1-72.

  8. French SD, Green SE, O'Connor DA, McKenzie JE, Francis JJ, Michie S, et al. Developing theory-informed behaviour change interventions to implement evidence into practice: a systematic approach using the Theoretical Domains Framework. Implementation science : IS. 2012;7:38.

  9. Muche-Borowski C, Nothacker M, Kopp I. [Implementation of clinical practice guidelines: how can we close the evidence-practice gap?]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2015;58(1):32-7.

  10. Nothacker M, Muche-Borowski C, Kopp I, Selbmann HK, Neugebauer EA. [On the attractiveness, implementation and evaluation of guidelines]. Zeitschrift fur Evidenz, Fortbildung und Qualitat im Gesundheitswesen. 2013;107(2):164-9.

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