Vorbereitung der Evaluierung
Leitlinien dienen der Verbesserung der Wissensvermittlung und der Versorgungsqualität. Relevant und sinnvoll ist eine Leitlinie erst dann, wenn sie akzeptiert und angewandt wird, aber auch nachgewiesener Maßen Nutzen stiftet. Eine die Implementierung begleitende, an den spezifischen Zielen der Leitlinie ausgerichtete Evaluierung ist daher zu empfehlen, insbesondere mit Erfassung der Relevanz für die betroffenen Patient*innen/Bürger*innen bzw. von Personen mit gelebter Erfahrung („persons with lived experience“) und ggf. deren Angehörigen (1).
Zielorientierung der Leitlinie
Die Evaluierung kann verankert werden in Projekten der Versorgungsforschung, des internen Qualitätsmanagements einer Einrichtung, in freiwilligen Qualitätsinitiativen (z.B. peer review Verfahren) und/oder im Rahmen der externen, vergleichenden Qualitätssicherung.
Vorbereitung der Implementierung
Die Umsetzung und die Auswirkungen der Leitlinie auf die Versorgung können dabei mit Hilfe von klinischen Messgrößen und Qualitätsindikatoren überprüft werden, die aus den Leitlinienempfehlungen, die spezifische Ziele adressieren, abgeleitet werden (2-6).
Unter dem Gebot der Datensparsamkeit und zur Vermeidung von Fehlsteuerungen müssen an die Methodik zur Identifizierung, Auswahl und Bewertung von klinischen Messgrößen und Qualitätsindikatoren ebenso hohe Anforderungen gestellt werden wie an die der Leitlinien selbst. Die mögliche Nutzung bestehender Indikatoren sollte aktiv exploriert werden.
Für das konkrete methodische Vorgehen liegen Manuale für das Leitlinienprogramm Onkologie und das NVL-Programm vor, sowie ein Berichtsstandard der Arbeitsgruppe des G-I-N (7, 8). Unter einer breiten Beteiligung von Stakeholdern inklusive Vertreter*innen von Patient*innenorganisationen wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts ein nationaler methodischer Standard formuliert (9). Eine Beratung, z.B. durch eine/n Leitlinienberater/in der AWMF mit Expertise in Ableitung von Qualitätsindikatoren ist zu empfehlen.
Idealerweise dienen die Ergebnisse der Evaluierung der Verbesserung der Leitlinie bzw. führen bei Bedarf zu neuer Forschung. Zur Nutzung ist ein digitaler Datenaustausch unabdingbar.
AWMF-Regel für das Leitlinienregister
Keine
Bezug zum AGREE-II Instrument
Domäne 5: Anwendbarkeit
Kriterium 18: Mögliche förderliche und hinderliche Faktoren für die Anwendung der Leitlinie werden beschrieben.
Kriterium 19: Die Leitlinie macht Vorschläge und / oder benennt Instrumente, die die Anwendung der Leitlinienempfehlungen unterstützen.
Kriterium 20: Die möglichen finanziellen Auswirkungen der Leitlinienempfehlungen wurden berücksichtigt.
Kriterium 21: Die Leitlinie nennt Messgrößen für die Bewertung der Prozess- und / oder Ergebnisqualität.
Hilfen und Tipps
Überlegen Sie, anhand welcher Eckpunkte Sie die Umsetzung und die Auswirkungen der Leitlinie auf die Versorgung evaluieren können. Im Vorfeld der Formulierung klinischer Messgrößen und Qualitätsindikatoren sollten folgende Fragen beantwortet werden:
- Was ist das gesundheitliche Ziel?
- Wie gut ist die Leitlinienempfehlung, die dieses Ziel abbildet, untermauert (Stärke der Empfehlung, Konsensusstärke)?
- Ist die Umsetzung dieser Empfehlung messbar?
- Gibt es deutliche Hinweise für ein bestehendes Verbesserungspotential?
- Welche Versorgungsdaten können zur Evaluation herangezogen werden?
Literatur
McMaster University. G-I-N McMaster Guideline Development Checklist - 17. Evaluation and Use 07.01.2025]. https://macgrade.mcmaster.ca/resources/gin-mcmaster-guideline-development-checklist/gin-mcmaster-guideline-development-checklist/#Evaluationtable [Zugriff: 31.03.2025].
Kopp I, Geraedts M, J„äckel W, Altenhofen L, Thomeczek C, Ollenschläger G. Nationale VersorgungsLeitlinien - Evaluation durch Qualitätsindikatoren. Med Klin. 2007;102(8):678-82.
Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien von BÄK KBV und AWMF. Qualitätsindikatoren – Manual für Autoren – äzq Schriftenreihe,. 2009;36.
Reiter A, Fischer B, Kötting J, Geraedts M, Jäckel WH, Döbler K. QUALIFY-a tool for assessing quality indicators. Z Arztl Fortbild Qualitatssich. 2007;101(10):683-8.
Nothacker M, Muche-Borowski C, Kopp IB. [Measuring quality in the German Guideline Programme in Oncology (GGPO)-methodology and implementation]. Zeitschrift fur Evidenz, Fortbildung und Qualitat im Gesundheitswesen. 2014;108(8-9):470-80.
Follmann M, Eigentler T, Adam H, Wenzel G, Langer T, Wesselmann S. Quality assurance in melanoma care: guideline‐based quality indicators for melanoma – implementation, evaluation and update process. JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. 2020;18.
Nothacker MJ, Langer T, Weinbrenner S. [Quality indicators for National Disease Management Guidelines using the example of the National Disease Management Guideline for "Chronic Heart Failure"]. Zeitschrift fur Evidenz, Fortbildung und Qualitat im Gesundheitswesen. 2011;105(1):27-37.
Leitlinienprogramm Onkologie, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF. Entwicklung von Leitlinien basierten Qualitätsindikatoren. Methodenpapier für das Leitlinienprogramm Onkologie 2021, Version 3.0. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Methodik/QIEP_OL_2021_Version_3.0_.pdf[Zugriff: 01.04.2025]
Nothacker M, Stokes T, Shaw B, Lindsay P, Sipila R, Follmann M, et al. Reporting standards for guideline-based performance measures. Implementation science : IS. 2016;11:6.
Deckert S, Et al. Methodischer Standard für die Entwicklung von Qualitätsindikatoren im Rahmen von 4 S3-Leitlinien – Ergebnisse einer strukturierten Konsensfindung. ZEFQ - Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen. in press.