Leitlinien-Detailansicht

Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese bei Coxarthrose (EKIT-Hüfte)

Registernummer 187 - 001
Klassifikation S3

Stand: 24.03.2021 , gültig bis 23.03.2026

Verfügbare Dokumente

Kurzfassung der Leitlinie "Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese bei Coxarthrose (EKIT-Hüfte)"
Langfassung der Leitlinie "Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese bei Coxarthrose (EKIT-Hüfte)"
Leitlinienreport

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)
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  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese bei Coxarthrose (EKIT-Hüfte)"
    Langfassung der Leitlinie "Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese bei Coxarthrose (EKIT-Hüfte)"
    Leitlinienreport

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Leitlinie richtet sich an die Mitglieder der beteiligten orthopädisch-unfallchirurgischen Fachgesellschaften (DGOU, DGOOC, DGU, AE, DHG, BVOU, DGORh, AGA) und verwandter medizinischer Fachgesellschaften (DGRh, DGPRM, DEGAM, Deutsche Schmerzgesellschaft, DGPSF, DGP, DGPTW, DNVF und DGMP) sowie an die Mitglieder der Deutschen Rheuma-Liga und der Deutschen Arthrose-Hilfe, an die Krankenkassen (BARMER GEK, vdek, AOK-Bundesverband, AOK PLUS) und Patient*innen. Sie dient zur Information für alle Ärzt*innen und nicht-ärztlichen Versorger*innen im Gesundheitssystem, die Patient*innen mit einer Coxarthrose behandeln (Orthopäd*innen, Unfallchirurg*innen, Allgemeinmediziner*innen, Physiotherapeut*innen, Pflegekräfte, etc.). Weiterhin dient sie der Information betroffener Patient*innen sowie deren Angehörige. Darüber hinaus soll sie Kostenträger*innen und politischen Entscheidungsträger*innen Orientierung geben.

    Patientenzielgruppe

    Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung, wobei Hände-, Knie- und Hüftgelenke am häufigsten betroffen sind. In der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA 2014/2015-EHIS)“ des Robert Koch-Instituts lag bei 17,9 % der Befragten ab 18 Jahren eine Arthrose in den letzten 12 Monaten vor. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil von Personen mit Arthrose deutlich. Bei den Befragten ab 65 Jahren gaben knapp die Hälfte der befragten Frauen (48,1 %) und knapp ein Drittel der befragten Männer (31,2 %) eine Arthrose an. In Anbetracht der Alterung der deutschen Bevölkerung wird die Arthrose-Prävalenz und damit der Behandlungsbedarf weiter zunehmen.

    Die Coxarthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die mit dem natürlichen Alterungsprozess ca. ab dem 30. Lebensjahr einsetzt und deren Prävalenz mit steigendem Lebensalter zunimmt. Neben dem Alter gibt es weitere personengebundene Risikofaktoren (Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus oder Gicht, Adipositas, rheumatoide Arthritis etc.) sowie gelenkbezogene Risikofaktoren (lokale Erkrankungen bzw. Verletzungen und Deformitäten wie z.B. Hüftdysplasie, femoroacetabuläres Impingement, Frakturen, bakterielle Arthritis), die zum Degenerationsprozess beitragen.

    Zu Beginn der Erkrankung treten geringe Symptome und röntgenologische Veränderungen auf, so dass eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien (konservative Behandlung) zur Beschwerdelinderung angewendet wird. Alternativ kann bei Vorliegen von Deformitäten und noch begrenzten degenerativen Veränderungen auch eine gelenkerhaltende Umstellungsoperation indiziert sein. Im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium nehmen die Beschwerden zu und der operative Gelenkersatz wird bei der Behandlung zum Mittel der Wahl. Die Implantation einer Hüft-TEP ist dabei die häufigste endoprothetische Versorgung in Deutschland. Im Jahre 2018 erfolgten 239.209 Implantationen künstlicher Hüftgelenke, wobei in diese Gesamtzahl die Versorgung von Schenkelhalsfrakturen (ca. 25%) und avaskulären Hüftkopfnekrosen eingeschlossen sind. Aus den Zahlen des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD) ist ersichtlich, dass das durchschnittliche Alter für eine Primärimplantation bei 71 Jahren liegt. Frauen werden insgesamt häufiger operiert (60% im Jahr 2019), mit zunehmenden Alter sinkt der Männeranteil.Patient*innen haben unterschiedliche Ziele und Erwartungen, bevor sie sich einer Hüft-TEP-Operation unterziehen. Es ist aus größeren Studien bekannt, dass diese Erwartungen einen Einfluss auf das Outcome nach der Operation und die Zufriedenheit der Patient*innen haben, weshalb sie zum Zeitpunkt der Indikationsstellung thematisiert werden sollten.

    Versorgungsbereich

    Der Versorgungsbereich bei einer Coxarthrose umfasst den ambulanten und stationären Bereich. Die Diagnostik und erste konservative Behandlungen finden grundsätzlich im ambulanten Bereich statt. Bei Fortschreiten der Erkrankung bzw. Beschwerdepersistenz wird die Indikation einer operativen Therapie zunächst im ambulanten Bereich geprüft. Letztendlich verantworten Operateur*innen die Indikationsstellung zur Hüft-TEP, die derzeit noch überwiegend im stationären Bereich stattfindet. Die vorliegende Leitlinie bezieht sich auf die im DRG-System verschlüsselten Diagnosen für Coxarthrose (ICD-10 Code M16) und Hüftkopfnekrose (ICD-10 M87).
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh)
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    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)
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    Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.
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    Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (DNEbM)
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    Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. (DGP)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie und -forschung (DGPSF)
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    Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)
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    Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie e.V. (DGMP)
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    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC)
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    Deutsche Gesellschaft für Physikalische und Rehabilitative Medizin e.V. (DGPRM)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Sektion Rehabilitation – Physikalische Therapie der DGOU
    Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF)
    Deutsche Rheuma-Liga
    Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA)
    AOK PLUS
    Deutsche Arthrose-Hilfe e. V.
    Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie e.V. (DGORh)
    Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU)
    AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V. (DGOU)
    Deutsche Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft (DGPTW)
    Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
    AOK-Bundesverband
    BARMER
    Arbeitsgemeinschaft Evidenzbasierte Medizin der DGOU
    Deutsche Hüftgesellschaft (DHG)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Dr. rer. medic. Cornelia Lützner (OUPC, Universitätsklinikum Dresden) e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. med. Klaus-Peter Günther (OUPC, Universitätsklinikum Dresden)
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Die Implantation einer Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) ist der häufigste endoprothetische Eingriff in Deutschland. Es bestehen allerdings deutlich regionale Unterschiede in der Versorgungshäufigkeit und zudem sind trotz überwiegend sehr guter Ergebnisse auch Risiken mit diesem Eingriff verbunden. Die korrekte Indikationsstellung hat deshalb sowohl für die individuellen Patient*innen als auch gesundheitsökonomisch eine sehr hohe Relevanz für das deutsche Gesundheitssystem.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Ziel der Leitlinie ist es, Indikations- bzw. Kontraindikationskriterien zur Hüft-TEP auf der Basis von evidenz- und konsensbasierten Empfehlungen abzuleiten. Bei einer breiten Anwendung dieser Kriterien wird die Entscheidungsfindung unterstützt und eine Versorgungsgerechtigkeit ermöglicht. Bisher existieren zwar verbindliche Leitlinien zur Therapie der Coxarthrose, aber keine expliziten und verbindlichen Empfehlungen für die konkrete Indikationsstellung zur Hüft-TEP. Mit der genannten Zielstellung haben die Autor*innen der Leitlinie klinisch relevante Fragestellungen zu den folgenden Themenkomplexen beantwortet, die im Detail im Leitlinienreport aufgeführt sind (siehe Kapitel 4 und siehe Anlage 1 im Leitlinienreport):
    - Diagnosesicherung (Sicherung des objektiven Therapiebedarfs),
    - Leidensdruck der Patient*innen (Erfassung des subjektiven Therapiebedarfs),
    - Prüfung alternativer Therapiemaßnahmen (Prüfung der Zweckmäßigkeit),
    - Kontraindikationen,
    - Optimierung modifizierbarer Risikofaktoren,
    - Partizipative Entscheidungsfindung.
    Die Empfehlungen der Themenkomplexe soll Ärzt*innen bei der Einschätzung des Therapiebedarfs unterstützen, Gefahren und Risiken für die Patient*innen identifizieren, ausschließen bzw. minimieren, zu einer besseren Information von Patient*innen beitragen und zu einer partizipativen Entscheidungsfindung zwischen Ärzt*innen und Patient*innen führen. In Zusammenschau ermöglichen die genannten Punkte eine fundierte ärztliche Indikationsstellung und damit die Sicherstellung einer bedarfsgerechten und zweckmäßigen Patient*innenversorgung.