Leitlinien-Detailansicht

Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien

Registernummer 083 - 038
Klassifikation S3

Stand: 17.12.2021 , gültig bis 16.12.2026

4.1.2022: redaktionell überarbeitete Langfassung ausgetauscht

Verfügbare Dokumente

Kurzfassung der Leitlinie "Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien"
Langfassung der Leitlinie "Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien"
Patientenleitlinie "Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien"
Leitlinienreport
Evidenztabellen - Hauptrecherche Teil 1
Evidenztabellen - Hauptrecherche Teil 2
Evidenztabellen - Hauptrecherche Teil 3
Evidenztabellen - Assoziationsstudien

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. (DGZMK)
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Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO)
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  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien"
    Langfassung der Leitlinie "Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien"
    Patientenleitlinie "Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien"
    Leitlinienreport
    Evidenztabellen - Hauptrecherche Teil 1
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    Evidenztabellen - Assoziationsstudien

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. (DGZMK)
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    Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Leitlinie richtet sich an

    • Zahnärzte

    • Kinderzahnärzte

    • Fachzahnärzte für Kieferorthopädie

    • Fachzahnärzte für Oralchirurgie

    • Fachärzte für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie

    • Fachärzte für Pädiatrie

    • Fachärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

    • Fachärzte für Psychiatrie und

    • klinische Psychologen

    d.h. an alle Disziplinen, die in der interdisziplinären Behandlung von Malokklusionen und Dysgnathien sowie funktionellen Störungen des stomatognathen Systems beteiligt sind.

    Patientenzielgruppe

    Die Patientenzielgruppe sind alle Patienten aller Altersstufen mit kieferorthopädischem Behandlungsbedarf bzw. zusätzlichem Behandlungswunsch in der ambulant durchgeführten kieferorthopädischen Versorgung. Explizit werden keine Einschluss- bzw. Ausschlusskriterien definiert, um eine generelle Anwendbarkeit der Leitlinie zu ermöglichen.

    Versorgungsbereich

    Ambulante Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie in der zahnärztlichen und spezialisierten kieferorthopädischen Versorgung sowie stationäre Diagnostik und Therapie in der kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Kombinationsversorgung.
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. (DGZMK)
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    Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO-KHC)
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    Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde e.V. (DGKiZ)
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    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
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    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)
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    Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG)
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    Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie und Psychopathometrie (DGMPP)
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    Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V. (DG PARO)
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    Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung e.V. (DGZ)
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    Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien e.V. (DGPro)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Arbeitsgemeinschaft für Grundlagenforschung (AfG) in der DGZMK
    Arbeitsgemeinschaft für Oral- und Kieferchirurgie der DGZMK (AGOKi)
    Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen und - initiativen (BAGP)
    Bundesverband der Kinderzahnärzte (BUKiZ)
    Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst e.V. (BZÖG)
    Deutsche Gesellschaft für ästhetische Zahnmedizin (DGÄZ)
    Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM)
    Interdisziplinärer Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin, AKOPOM
    Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, KZBV
    Verband medizinischer Fachberufe e.V.

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Dr. Anke Weber Leitlinienbeauftragte der DGZMK e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Christopher J. Lux Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie
    Universitätsklinikum Heidelberg | Im Neuenheimer Feld 400 | 69120 Heidelberg e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck Stellvertretender Direktor und Ltd. Oberarzt der Poliklinik für Kieferorthopädie
    Universitätsklinikum Regensburg | Franz-Josef-Strauß-Allee 11 | 93053 Regensburg e-Mail senden
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Malokklusionen sind weltweit und in Deutschland sehr verbreitet. In der Altersklasse zwischen 7-9 Jahren weisen mehr als 41 % der Kinder Zahnfehlstellungen auf, die nach den kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) eine Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach sich ziehen. Dabei treten Malokklusionen der Klasse II und der Klasse III in der deutschen Bevölkerung in den relevanten Altersklassen mit Prävalenzen von ca. 20 %, bzw. ca. 5 % auf; Fragen der kieferorthopädischen Indikationsstellung und des optimalen kieferorthopädischen Behandlungszeitpunktes besitzen daher eine hohe klinische und versorgungspolitische Relevanz in der Bevölkerung. Malokklusionen der Angle-Klassen II und III sind signifikant mit verschiedenen zahnmedizinischen und medizinischen Krankheitsbildern assoziiert. Die Entstehung und die Konsequenzen von Karies und Parodontitis können durch die Korrektur von Zahnfehlstellungen teilweise präventiv beeinflusst werden. Die Korrektur von ausgeprägten Engständen von Zähnen wird positiv diskutiert im Hinblick auf die Vermeidung von Schmutznischen mit erhöhter Plaqueakkumulation, die zu Karies, Gingivitiden, parodontalen Taschen (Parodontitis) und gingivalen Rezessionen führen kann. Weiterhin ist das Risiko eines dentalen Traumas bei einer Malokklusion der Klasse II/1, einer vergrößerten sagittalen Frontzahnstufe mit zurückliegendem Unterkiefer, um das 2-3-fache erhöht, wie auch in der AWMF-S2k-Leitlinie zur Thema „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne“ (AWMF-Register-Nummer 083-004) festgehalten ist. Eine aktuelle systematische Übersicht der Cochrane-Library aus dem Jahre 2018 fasst Daten von 1251 Studienteilnehmern aus insgesamt 27 randomisierten kontrollierten klinischen Studien zusammen und kommt zum Schluss, dass eine frühzeitige kieferorthopädische Behandlung die Inzidenz eines Frontzahntraumas signifikant reduzieren kann. Einschränkungen im nasopharyngealen Raum, die zu Schlafapnoe führen, kann mit funktionskieferorthopädischen Therapien entgegengewirkt werden. Die aktuelle S2k-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft für Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde e.V. stellt dar, dass intraorale kieferorthopädische Apparaturen, welche eine Vorverlagerung des Unterkiefers während des Schlafes bewirken, effektiv in der Therapie der obstruktiven Schlafapnoe sind. Die S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf / Schlafstörungen“ (2017) stellt die allgemeinmedizinische Bedeutung von Unterkieferprotrusionsschienen bei Patienten mit leicht bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe und als „second-line“-Therapie dar. Malokklusionen bedingen zudem eine verringerte Kauleistung, die signifikant mit gastrointestinalen Störungen assoziiert ist. Weitere signifikante Assoziationen sind für Bluthochdruck, chronischen Kopfschmerz sowie funktionelle Störungen der Mundhöhle gezeigt worden. Gerade in der heutigen, durch soziale Netzwerke geprägten Zeit werden Kinder und Jugendliche wegen fehlpositionierter Zähne und ihrem oralen Erscheinungsbild gehänselt und schikaniert; dies hat negative Auswirkungen auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen im Umgang mit anderen Menschen sowie die eigene emotionale Entwicklung, das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität. Eine frühzeitige Korrektur von Malokklusionen durch eine interzeptive bzw. kieferorthopädische Behandlung hat in diesen Fällen signifikante präventive als auch kurative positive Effekte und verbessert die Lebensqualität. Die Kieferorthopädie ist daher auf verschiedenen Ebenen, darunter die Überwachung und Korrektur von Störungen der Gebissentwicklung, die Wiederherstellung der Kaueffizienz, die Korrektur von überzähligen bzw. fehlenden Zähnen sowie interdisziplinäre Therapieverfahren, beispielsweise in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie der präprothetischen und parodontologischen Versorgung, ein unverzichtbarer Bestandteil der dentofazialen Diagnostik und Therapie. Variationen in den Behandlungsverfahren werden bei der Behandlung von Klasse-II/1-Malokklusionen besonders kontrovers diskutiert. Dabei unterscheiden sich die beiden Strategien insbesondere hinsichtlich des Behandlungsbeginns und der entsprechend geeigneten Behandlungsapparaturen. Der Behandlungsbeginn kann i.d.R. entweder im frühen/späten Wechselgebiss oder erst mit der permanenten Dentition (später Behandlungsbeginn) stattfinden. Beim frühen Behandlungsbeginn wird in der Regel eine zweiphasige Behandlungsstrategie gewählt, welche zunächst die Behandlung mit funktionell-kieferorthopädischen Geräten zur dento-alveolären/skelettalen Korrektur vorsieht und die Behandlung mit einer festsitzenden Apparatur abschließt. Beim späten Behandlungsbeginn erfolgt die Korrektur der Zahnfehlstellung ausschließlich durch eine festsitzende Apparatur, ggf. unter Zuhilfenahme sog. Fixed Functionals (z.B. Herbst-Apparatur). In der letzten Zeit wurde in den Medien auf der Basis von Interviews bzw. Darstellungen von Behörden (z.B. Bundesrechnungshof) teilweise auch der generelle Nutzen einer kieferorthopädischen (Früh-)Behandlung einschließlich der Timings in Frage gestellt – insofern muss die beantragte Leitlinie auch andere (sagittale) Malokklusionen, z.B. Klasse-III-Anomalien, hinsichtlich des optimalen Zeitpunktes für die kieferorthopädische Behandlung einschließen. Auch bei Dysgnahien des progenen Formenkreises (Klasse III) wird der optimale Behandlungszeitpunkt kontrovers diskutiert, da gerade bei „echten“ Prognathien des Unterkiefers Uneinigkeit bezüglich der relativen Effizienz, Belastung und Behandlungsaufwand einer (Früh)Behandlung mit orthopädischen Maßnahmen im Vergleich zu einer (chirurgisch unterstützten) Spätbehandlung besteht. Weiterhin soll geprüft werden, ob eine Erweiterung der Fragestellung auf andere kieferorthopädisch relevante Befunde, z.B. vertikale und transversale Zahn- bzw. Kieferabweichungen sinnvoll ist. In einem Leitlinienprozess ist es notwendig, spezifische Behandlungssituationen zu berücksichtigen, beispielsweise bei Gefahr einer Wachstumsbehinderung oder der Möglichkeit einer deutlichen Verstärkung der Anomalie, welche die Behandlungsbelastung erhöhen und die Prognose verschlechtern können. Im Fall von Klasse-II-Anomalien kann dies die Elongation antagonistenloser Frontzähne mit der Gefahr eines Einbisses, sowie das erhöhte Risiko eines Frontzahntraumas sein, wie auch durch eine Cochrane-Meta-Analyse bestätigt wird. Zudem soll untersucht werden, ob sich neben klassischen kieferorthopädischen Outcome-Parametern bei einphasiger versus zweiphasiger kieferorthopädischer Therapie Unterschiede der durch die Therapie verursachten potentiellen Nebenwirkungen (Wurzelresorptionen, Demineralisationen etc.) zeigen. Die Auswahl der Behandlungsstrategien ist derzeit vielfältig und könnte durch die angestrebte Leitlinie zumindest bzgl. des Behandlungszeitpunktes weiter vereinheitlicht werden. Ebenso ist unklar, ob die Therapie durchgehend erfolgen muss, oder ob bis zum Start der zweiten Phase des Wechselgebisses eine Behandlungsunterbrechung, auch zur Reduzierung der Patientenbelastung, erfolgen kann. 

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Identifikation und Standardisierung des optimalen Behandlungszeitpunkts bei sagittalen Bisslage-Anomalien der Angle-Klassen II und III im Spannungsfeld zwischen optimalem Behandlungsergebnis bzw. Minimierung des Behandlungsrisikos, der Gesamtbelastung und der Gesamttherapiedauer für den Patienten