Leitlinien-Detailansicht

Screening, Diagnostik und Behandlung alkoholbezogener Störungen

Registernummer 076 - 001
Klassifikation S3

Stand: 01.01.2021 , gültig bis 31.12.2024

8.2.2021: redaktionell überarbeitete Lang- und Kurzfassung ausgetauscht

Verfügbare Dokumente

Kurzfassung der Leitlinie "Screening, Diagnostik und Behandlung alkoholbezogener Störungen"
Langfassung der Leitlinie "Screening, Diagnostik und Behandlung alkoholbezogener Störungen"
Leitlinienreport
Tabellenband
Interessenkonflikt-Erklärungen
Leitlinienreport von 2014

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht)
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Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Screening, Diagnostik und Behandlung alkoholbezogener Störungen"
    Langfassung der Leitlinie "Screening, Diagnostik und Behandlung alkoholbezogener Störungen"
    Leitlinienreport
    Tabellenband
    Interessenkonflikt-Erklärungen
    Leitlinienreport von 2014

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die vorliegende Leitlinie soll als Entscheidungsgrundlage bzw. Handlungshilfe für folgenden Personenkreis dienen:

    1.Erwachsene Menschen mit riskantem, schädlichen und abhängigem Alkoholkonsum, spezifische Patientengruppen mit besonderen Bedürfnissen (Kinder und Jugendliche, Frauen und Schwangere, ältere Menschen), Betroffene mit komorbiden somatischen und psychischen Begleit- und Folgeerkrankungen Störungen und deren Angehörige.

    2. Professionell Tätige (wie Psychiater, ärztliche Psychotherapeuten und Allgemeinärzte, psychologische Psychotherapeuten und andere Psychologen, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Pflegepersonal, Ergotherapeuten, Personal in anderen Einrichtungen, gesetzliche Betreuer und andere, die im Hilfesystem tätig sind).3.Andere Personen und Entscheidungsträger im Gesundheits- und Sozialsystem, die Unterstützungsleistungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen anbieten oder organisieren

    3.Andere Personen und Entscheidungsträger im Gesundheits- und Sozialsystem, die Unterstützungsleistungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen anbieten oder organisieren

    Patientenzielgruppe

    Da die Ziele der Leitlinie umfassend sind, richten sich ihre Empfehlungen an eine breite Zielgruppe. Die Leitlinie adressiert primär erwachsene Menschen (im Alter von 18 bis 65 Jahren) mit schädlichem und abhängigem Alkoholkonsum. Ergänzend wurden Empfehlungen für Patienten mit besonderen Bedürfnissen erarbeitet: Kinder- und Jugendliche (bis zum Alter von 17 Jahren), Frauen und Schwangere, ältere Menschen (ab dem Alter von 65 Jahren) sowie Betroffene mit somatischen und psychischen Begleit- oder Folgeerkrankungen. Diese Zielgruppen werden in der Versorgung oft nicht adäquat berücksichtigt.

    Versorgungsbereich

    Riskanter, schädlicher oder abhängiger Alkoholkonsum soll möglichst frühzeitig erkannt und behandelt werden. Deshalb bezieht die Leitlinie ein breites Spektrum an Settings und Versorgungsbereichen ein. Screenings, Motivierungs- und Frühinterventionsmaßnahmen können beispielsweise in der medizinischen Grundversorgung (Allgemeinarztpraxen, Allgemeinkrankenhäusern und Notfallambulanzen) sowie in den Bereichen Arbeitsplatz oder Ausbildung (Schulen, Universitäten) eingesetzt werden. Darüber hinaus existiert ein differenziertes Versorgungssystem für Menschen mit alkoholbezogenen Störungen mit einer Vielzahl von Angeboten. Die körperliche Entgiftung und die qualifizierte Entzugsbehandlung werden in ambulanten, teilstationären oder stationären Einrichtungen angeboten. Suchtspezifische Beratung, Kurzintervention und postakute Behandlung inklusive Entwöhnung werden insbesondere in ambulanten, teilstationären oder stationären Einrichtungen der Suchtpsychiatrie und im Suchthilfesystem angeboten. Darüber hinaus gibt es Schnittstellen zu vielfältigen weiteren Hilfesystemen mit anderen Schwerpunkten in der Aufgabenstellung (z.B. Jugendhilfe, Altenhilfe, Wohnungslosenhilfe, diverse Arbeitslosenhilfen, Selbsthilfe). Eine Gesamtschau der Versorgungsbereiche wird im Kapitel 4 „Schnittstellenmanagement und Versorgungsorganisation“ vorgestellt, um die Verortung dieser Leitlinie im Gesamtsystem sichtbar zu machen und den Vernetzungs- und Kooperationsbedarf aufzuzeigen.
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
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    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)
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    Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
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    Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM)
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    Deutsche Gesellschaft für Biologische Psychiatrie e. V. (DGBP)
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    Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP)
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    Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)
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    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)
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    Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG)
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    Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. (DGP)
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    Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V. (DGRW)
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    Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. (DeGPT)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin e.V. (AGG)
    Arbeitskreis der Chefärztinnen und Chefärzte von Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern in Deutschland, ACKPA
    Bayerische Akademie für Suchtfragen (BAS)
    Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP)
    Bundesärztekammer, BÄK
    Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (BAG)
    Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien
    Bundesdirektorenkonferenz Verband leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie e. V. (BDK)
    Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)
    Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe e.V. (buss)
    Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V., DGPs
    Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit in der Suchthilfe (DG SAS)
    Deutsche Gesellschaft für Suchtpsychologie e.V. (dg sps)
    Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) e.V.
    Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)
    Deutsche Rentenversicherung Bund
    Deutsche Suchtstiftung
    Deutsche Suchtmedizinische Fachgesellschaft (DSF)
    Deutscher Bundesverband der Chefärztinnen und Chefärzte der Fachkliniken für Suchtkranke (DBCS)
    Deutscher Verband der Ergotherapeuten (DVE) e.V.
    Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (DVSG)
    Fachverband Sucht e.V. (FVS)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Prof. Dr. Falk Kiefer Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin
    Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
    J 5
    68159 Mannheim Tel.: 0621 / 1703-3501 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Falk Kiefer
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 1,8 Millionen Erwachsene in Deutschland die Kriterien einer Alkoholabhängigkeit erfüllen (Pabst et al. 2013). Jährlich sind etwa 74.000 Todesfälle durch zu hohen Alkoholkonsum zu beklagen (Gärtner et al. 2013). Er ist ein bedeutsamer Risikofaktor für viele organmedizinische, psychische und soziale Begleit- und Folgeerscheinungen (Singer, Batra & Mann 2012). Anders als andere weit verbreitete und chronische psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen), wird die Alkoholabhängigkeit in der Bevölkerung oft nicht als behandlungsbedürftig angesehen. Betroffene neigen – krankheitsbedingt – dazu, ihren Alkoholkonsum zu bagatellisieren oder zu verleugnen. Die Veränderungs- und Therapiemotivation kann anfangs gering sein. Häufig konzentriert sich die ärztliche Behandlung auf vorhandene Begleit- und Folgeerkrankungen. Die ursächliche Suchterkrankung wird oft nicht erkannt, falsch diagnostiziert und in der Folge nicht adäquat behandelt. Um diese Situation zu verbessern, wurde die S3-Leitlinie zum Screening, der Diagnose und Behandlung von alkoholbezogenen Störungen entwickelt. Mit der vorliegenden Leitlinie wurde erstmals in Deutschland die höchste Entwicklungsstufe einer evidenz- und konsensbasierten Leitlinie zur Behandlung einer Suchterkrankung erreicht. Die erarbeiteten und konsentierten Empfehlungen basieren auf einer systematischen Literaturrecherche. Zur Verabschiedung der Handlungsempfehlungen wurde ein formales Konsensverfahren gewählt.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Das Ziel dieser S3-Leitlinie ist es, die Versorgung von Menschen mit schädlichem, riskantem und abhängigen Alkoholgebrauch auszuweiten, die Lebensqualität aller Beteiligten zu verbessern und letztlich Leben zu retten (Hoch, Batra & Mann, 2012). Es soll eine systematisch entwickelte Entscheidungsgrundlage für alle behandelnden und betreuenden Berufsgruppen, Betroffenen und deren Angehörige geschaffen werden. Die Leitlinie umfasst aktuelle, evidenz- und konsensbasierte basierte Empfehlungen zum Screening, der Diagnostik, der Behandlung und der Versorgungsorganisation. Die Leitlinie dient auch zur Information von Erkrankten und ihren Angehörigen. Durch die Empfehlungen soll die Qualität der Behandlung und Betreuung von Erkrankten und Angehörigen verbessert werden. Die Anwendung wirksamer und hilfreicher Verfahren soll gestärkt werden. Gleichzeitig werden bei einzelnen Verfahren bei Hinweisen auf fehlende Wirksamkeit oder negativer Kosten-Nutzen-Abwägung Empfehlungen gegen eine Anwendung gegeben. Die Leitlinie stellt jedoch keine verbindlichen Regeln im Sinne von Richtlinien auf. Die Behandlung eines Patienten ist immer ein individueller Prozess, bei dem die Behandelnden den Rahmen der Leitlinie als Grundlage nehmen, aber die Schritte in Diagnostik und Therapie an den einzelnen Betroffenen ausrichten sollen.