Leitlinien-Detailansicht

Multimorbidität

Registernummer 053 - 047
Klassifikation S3

Stand: 28.02.2017 , gültig bis 27.02.2022

24.01.2018: redaktionell überarbeitete Langfassung ausgetauscht

Verfügbare Dokumente

Kurzfassung der Leitlinie "Multimorbidität"
Langfassung der Leitlinie "Multimorbidität"
Patientenleitlinie "Multimorbidität"
Leitlinienreport
Bericht zum Praxistest des Leitlinenentwurfs "Multimorbidität"
english version: Development of a meta-algorithm for guiding primary care encounters for patients with multimorbidity using evidence-based and case-based guideline development methodology

Verbindung zu themenverwandten Leitlinien

  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Multimorbidität"
    Langfassung der Leitlinie "Multimorbidität"
    Patientenleitlinie "Multimorbidität"
    Leitlinienreport
    Bericht zum Praxistest des Leitlinenentwurfs "Multimorbidität"
    english version: Development of a meta-algorithm for guiding primary care encounters for patients with multimorbidity using evidence-based and case-based guideline development methodology

    Verbindung zu themenverwandten Leitlinien

  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Adressaten der Leitlinie sind ambulant tätige Ärzte, in erster Linie Hausärzte, aber u.a. auch Internisten, Geriater.

    Patientenzielgruppe

    Multimorbide Patientinnen und Patienten (mindestens 3 chronische Erkrankungen) mit oder ohne akute Beratungsanlässe und ggfs. komplexen psychosozialen Problemlagen.

    Versorgungsbereich

    Der Versorgungsbereich ist die primärärztliche Versorgung (ambulant ggf. stationär/teilstationär).
  • Herausgeber & Autoren

    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e. V.(DGGG)
    Visitenkarte

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Dr. Anne Barzel DEGAM-Geschäftsstelle Leitlinien
    c/o Institut für Allgemeinmedizin
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    Martinistr. 52
    20246 Hamburg e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. med. Martin Scherer Institut für Allgemeinmedizin
    Universtitätsklinikum Hamburg
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Bereits im Jahr 2005 machte die US-amerikanische Geriaterin Cynthia Boyd und ihre Kollegen in einer Schlüsselpublikation im JAMA auf die Problematik von auf Einzelerkrankungen fokussierende medizinische Leitlinien aufmerksam. Am Fall einer 79-jährigen Patientin mit arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz, koronare Herzerkrankung, Vorhofflimmern, Arthrose, Osteoporose, Diabetes und COPD demonstrierten sie in eindrucksvoller Weise: wenn man diese Patientin leitliniengerecht behandeln würde, erhielte sie entsprechend der Leitlinienempfehlungen 12 verschiedene Medikamente und müsste ein kompliziertes, nichtmedikamentöses Therapieprogramm bestehend aus 24 täglich zu befolgenden verhaltensbezogenen Therapieregeln einhalten. Die Kosten für diese Medikation wurden mit 13$ am Tag bzw. 4877$ im Jahr beziffert. Die Illustration dieses Falles zeigt, dass die Kumulation von Einzelerkrankungsleitlinien problematisch sein kann. Dies insbesondere, als eine solche Verkettung von monomorbid ausgerichteten Leitlinienempfehlungen, die sich inhaltlich nicht auf einander beziehen, das Potential hat- Polypharmazie und

    - unüberschaubare Interaktionen sowie unerwünschte Wirkungen

    - widersprüchliche Behandlungsstrategien zu verursachen.

    Seither rückte die Problematik, dass Leitlinien in aller Regel keine Handlungsempfehlungen für multimorbide Patienten enthalten, zunehmend in den Fokus der wissenschaftlichen Diskussion. Prinzipiell besteht ein breiter Konsens, dass Leitlinien explizit darauf eingehen sollten, inwieweit die einzelnen Empfehlungen bei Multimorbidität Gültigkeit besitzen. Hinzu kommt die z. B. von Tinetti et al. 2012 im JAMA formulierte Forderung, Versorgung an den Prioritäten und Ziele der Patienten auszurichten – auf einer Evidenzgrundlage, die systematisch an Individuen mit multiplen Erkrankungen erhoben wurde. Allerdings mangelte es bislang an konkreten Ansätzen zur konzeptionellen und methodischen Umsetzung.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Dass es eine Leitlinie „Multimorbidität“ je geben könne, ist bislang umstritten. Das Kriterium „Multimorbidität“ trifft auf eine große, heterogene Population zu. Es ist eine Herausforderung, für diese heterogene Zielgruppe einheitliche Behandlungsempfehlungen zu formulieren. Zudem existieren nur wenige klinische Studien mit dem Fokus auf Multimorbidität. Zielgruppenspezifische Evidenz ist somit nur wenig vorhanden.

    Wir wollen dennoch den Versuch wagen, eine S3-Leitlinie „Multimorbidität“ zu erstellen, indem wir neue Wege beschreiten und Bottom-Up- sowie Top-Down-Ansätze miteinander verbinden.

    Das Vorgehen ist zweistufig:

    (1) Systematische Recherche nach klinischen Empfehlungen für Multimorbidität.

    (2) Danach wollen wir einen innovativen Ansatz wählen, nämlich das neue, bislang unpublizierte Konzept der N-of-one-Guidelines. In Anlehnung an N-of-one-Trials (Einzelpersonen-RCTs) stellen fallbezogene N-of-one-Guidelines Algorithmen für einen einzigen multimorbiden Patienten mit einer speziellen Problemlage dar. Durch die Synthese mehrerer Einzelalgorithmen möchten wir basierend auf einem inhaltsanalytischen Verfahren einen Meta-Algorithmus „Multimorbidität“ entwickeln.