Leitlinien-Detailansicht

Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom

Registernummer 032 - 033OL
Klassifikation S3

Stand: 10.03.2021 , gültig bis 31.10.2025

24.5.2021: redaktionell überarbeitete Langfassung, Kurzfassung und Diaversion ausgetauscht

Verfügbare Dokumente

Kurzfassung der Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom"
Langfassung der Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom"
Patientenleitlinie "Gebärmutterhalskrebs"
Leitlinienreport
Dia-Version
auch verfügbar in der OL-App

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
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  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom"
    Langfassung der Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom"
    Patientenleitlinie "Gebärmutterhalskrebs"
    Leitlinienreport
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    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Empfehlungen der Leitlinie richten sich an alle Ärzte und Angehörige von Berufs­gruppen, die mit der ambulanten und/oder stationären Versorgung sowie Rehabilitati­on von Patientinnen mit Zervixkarzinom befasst sind, vor allem an Gynäkologen, Gynä­kologische Onkologen, Radiologen, Pathologen, Radioonkologen, Psychoonkologen und Pflegekräfte.

    Die Leitlinie dient weiterhin zur Information von Allgemeinmedizinern und Hämatoonkologen.

    Weitere Adressaten sind

    - Medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften und Berufsverbände,

    - Interessenvertretungen der Frauen (Frauengesundheitsorganisationen, Pati­enten- und Selbsthilfeorganisationen),

    - Qualitätssicherungseinrichtungen und Projekte auf Bundes- und Länder­ebene (z.B. AQUA, KoQK, ADT, IQWiG, GEKID, „gesundheitsziele.de“, IQTIG),

    - Gesundheitspolitische Einrichtungen und Entscheidungsträger auf Bundes-und Länderebene,

    - Zertifizierungseinrichtungen (z.B. OnkoZert)

    - Kostenträger

    Patientenzielgruppe

    Diese S3-Leitlinie richtet sich an alle Patientinnen, die an einem Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) [inklusive mikroinvasive Läsionen/hochgradige Vorstufen, exklusive frühe Vorstufen/präinvasive Läsionen] erkrankt sind und an deren Angehörige.

    Versorgungsbereich

    Der Anwendungsbereich der Leitlinie ist von sektorübergreifender Bedeutung. Er umfasst sowohl den ambulanten als auch den stationären Versorgungssektor und Rehabilitation.
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)
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    Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. (DGN)
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    Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP)
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    Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP)
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    Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. (DGP)
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    Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO)
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    Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM)
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    Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)
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    Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)
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    Deutsche Gesellschaft für Zytologie e.V. (DGZ)
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    Deutsche Röntgengesellschaft, Gesellschaft für Medizinische Radiologie e.V. (DRG)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie, AGO (mit-federführend)
    Arbeitsgemeinschaft Bildgebung in der Onkologie (ABO) der DKG
    Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e.V. (ADT)
    Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin der DKG, APM
    Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der DKG, PSO
    Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie der DKG, AGO
    Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der OEGGG
    Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie der Schweizer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe/AGO der SGGG
    Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Radiologie (AGR) der DGGG
    Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie der DKG, AIO
    Arbeitsgemeinschaft für Onkologische Rehabilitation und Sozialmedizin (AGORS)
    Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der DKG, ASORS
    Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie (PRIO) der DKG
    Arbeitsgemeinschaft für Ultraschalldiagnostik in Gynäkologie und Geburtshilfe (ARGUS)
    Arbeitsgemeinschaft für radiologische Onkologie der DKG, ARO
    Arbeitsgemeinschaft Tumorklassifikation in der Onkologie (ATO)
    Arbeitsgemeinschaft Zervixpathologie und Kolposkopie der DGGG
    Arbeitsgemeinschaft zytologisch tätiger Ärzte in Deutschland e.V. (AZÄD)
    Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.
    Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF)
    Berufsverband Niedergelassener Gynäkologischer Onkologen in Deutschland e.V., BNGO
    Berufsverband Niedergelassener Hämatologen und Onkologen (BNHO)
    Bundesarbeitsgemeinschaft leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe eV.
    Bundesverband Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.
    European Society of Gynaecological Oncology (ESGO)
    Komplementäre Leitlinie zur Früherkennung, Zertifizierungskommission gynäkologischer Krebszentren
    Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege in der DKG (KOK)
    Nord-Ostdeutsche Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie (NOGGO)
    Studiengruppe der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO)
    Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Office Leitlinienprogramm Onkologie c/o Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
    Kuno-Fischer-Straße 8
    14057 Berlin
    www.leitlinienprogramm-onkologie.de e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. M. W. Beckmann (Erlangen) DGGG/AGO/DKG

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Tanja Fehm (Düsseldorf) DGGG
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Der Aktualisierungsbedarf der S3 Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patienten mit Zervixkarzinom“ begründet sich u.a. wie folgt:

    • Die Gültigkeitsdauer der ersten Version der S3-Leitlinie von 2014 wurde auf maximal 5 Jahre oder bis zur nächsten Aktualisierung festgelegt 
    • Die Rationale für die kontinuierliche Überarbeitung resultiert aus der regelmäßigen Verfügbarkeit neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, die sich aus dem Abschluss von Therapiestudien entwickelt, die zu einer Veränderung des Therapieverhaltens führen kann (z. B. Abschluss der GOG-240-Studie, die gerade noch in die letzte Version der Leitlinie aufgenommen werden konnte) 
    • Anpassungsbedarf z. B. aufgrund von  Änderung der WHO/TNM oder FIGO Klassifikationen 
    • Neue Studienergebnisse anhand derer die Leitlinie auf den aktuellen Stand der Publikationslage gebracht werden muss. 
    • Die Implementierung des Konzepts einer Living Guideline, die aus Sicht der Antragssteller aus einer kontinuierlichen, methodisch begleiteten Literaturrecherche und Bewertung besteht, deren Ergebnis in der Konkretisierung eines Aktualisierungsbedarfes besteht.

      Das Update ist zwingend erforderlich, um die Aktualität der Leitlinie zu erhalten und sowohl behandelnden Ärzten als auch Patienten eine Orientierungshilfe und praktische Empfehlungen zu geben.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Das Zervixkarzinom hat in den letzten 30 Jahren in seiner Inzidenz deutlich abgenommen. Dies ist v.a. bedingt durch das 1971 eingeführte gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm. Die Reduktion der Inzidenz, unter anderem auch durch Behandlung der präinvasiven Läsionen, hat aber nicht dazu geführt, dass die Mortalität und insbesondere auch die Morbidität der Patientin mit Zervixkarzinom in den letzten zehn Jahren deutlich reduziert werden konnte (s. Kapitel Epidemiologie der S3-Leitlinie). Trotz fortschreitenden technischen Fortschritts und neuen innovativen Therapieansätzen konnte daran bislang nichts geändert werden. Dennoch zeigten Umfragen zu Qualitätssicherungsmaßnahmen, dass die Therapie der Patientin mit Zervixkarzinom vor Erstellung der Vorgängerversion ausgesprochen heterogen war. Viele verschiedene Therapievariationen mit Kombinationen unterschiedlicher Ansätze wurden bei den Patientinnen durchgeführt. Fasst man diese Kombinationsansätze und die Literatur zusammen, so bestehen weiterhin mehr als 20 verschiedene Therapieoptionen in der adjuvanten Situation für die Patientin mit Zervixkarzinom. Dieses zeigt, dass die eingesetzten Therapiestandards und folglich die Therapiequalität ausgesprochen variabel Patientin und therapiebedingte Morbiditäten keine signifikanten Verbesserungen in den letzten Jahren nachweisen lassen. Hier konnte durch die Leitlinie von 2014 und die in den Erhebungsbogen der zertifizierten gynäkologischen Krebszentren aufgenommenen Qualitätsindikatoren eine deutliche Standardisierung erreicht werden (siehe Kapitel Qualitätsindikatoren der S3-Leitlinie). Ziel dieses Leitlinienupdates ist nun eine weitere Verbesserung der Versorgung unter Berücksichtigung der neuen Therapieoptionen und Datenlage.

    Die Empfehlungen basieren entweder auf der Aufarbeitung der verfügbaren Evidenz nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin, einer Adaptierung von vorhandenen evidenzbasierten nationalen und internationalen Leitlinien oder – bei Fehlen einer Evidenzgrundlage – auf dem Konsens der beteiligten Fachexperten. Alle Empfehlungen wurden durch eine multidisziplinäre Gruppe von Fachexperten und Vertretern von Patientenorganisationen bewertet und abgestimmt. Neben dem allgemeinen Ziel, die Versorgung von Patientinnen mit Zervixkarzinom durch die Optimierung der Diagnosekette und der stadiengerechten Therapie bei Ersterkrankung, Rezidiv und/oder Metastasierung zu verbessern, sollen mit der überarbeiteten S3-Leitlinie die nachfolgenden Ziele erreicht werden:
    • Vorhaltung eines „Qualitäts-Standards“ als Basis für eine individuell zugeschnittene, qualitativ hochwertige Therapie;
    • Verbesserung von Lebensqualität und mittel- bzw. langfristige Senkung von Mortalität dieser Patientinnen durch Umsetzung der Empfehlungen dieser Leitlinie;
    • Flächendeckende Umsetzung einer multidisziplinären, qualitätsgesicherten und sektorübergreifenden Versorgung des Zervixkarzinoms, dabei auch konkretes Hinwirken auf Verbesserungen hinsichtlich einer bedarfsgerechten und qualitätsgesicherten psychosozialen Betreuung und Rehabilitation;•Unterstützung von Ärzten und Patientinnen in der Entscheidungsfindung bei medizinischen Entscheidungen durch formal konsentierte Empfehlungen;
    • Unterstützung der Einbindung der Patientinnen in Therapieentscheidungen unter Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse;
    • Schaffung einer Grundlage für inhaltlich gezielte ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen mit systematischer Berücksichtigung der Leitlinienempfehlungen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung und in Qualitätsmanagementsystemen;
    • Erhebung des Status quo der medizinischen Versorgung, insbesondere bezugnehmend auf den Qualitätsindikator 6 zur adjuvanten Radio(chemo)therapie, da keine Daten existieren, wie viele Patientinnen stadiengerecht adjuvant mit einer kombinierten cisplatinhaltigen Radio(chemo)therapie behandelt werden. Langfristig werden eine Reduktion der adjuvanten Therapien zugunsten einer primären Radiochemotherapie im Risikokollektiv bzw. eine unimodale Therapie angestrebt.

    Die Zielorientierung der Leitlinie bleibt wie in der 1. Version bestehen. Die Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom" versteht sich als ein evidenz-und konsensusbasiertes Instrument zur Versorgung der Patientinnen mit Zervixkarzinom. Sie dient dazu, den Patientinnen dem jeweiligen Stand der Erkrankung angemessene, wissenschaftlich begründete, aktuelle und wirtschaftliche Verfahren in der Diagnostik, Therapie, Nachsorge und Rehabilitation anzubieten. Die aktuelle Version der Leitlinie soll die Grundlagen für handlungsrelevante ärztliche Entscheidungsprozesse liefern. Dies auch vor dem Hintergrund des Konzepts des „Shared Decision Makings“. Das „Shared Decision Making“ ist ein Modell der partnerschaftlichen Arzt-Patient-Beziehung, das gekennzeichnet ist durch einen gemeinsamen und gleichberechtigten Entscheidungsfindungsprozess. Durch die in der Leitlinie zur Verfügung gestellte Information kann dem Ziel entsprochen werden, den Wunsch des Patienten nach Beteiligung an den Entscheidungen über sein Gesundheitsproblem zu realisieren. Arzt und Patient können auf Basis der Informationen aus der Leitlinie auf einer partnerschaftlichen Ebene über die objektiven und subjektiven Aspekte einer anstehenden Entscheidung kommunizieren.

    Die Leitlinie soll dazu beitragen, eine angemessene Gesundheitsversorgung in der Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Patientinnen mit Zervixkarzinom zu garantieren und die Basis für eine individuell stadienadaptierte, den Patientinnenwunsch respektierende, qualitätsgesicherte Therapie bieten. Die überarbeitete S3-Leitlinie erlaubt - wie die Vorgängerversion - die flächendeckende Umsetzung einer interdisziplinären, qualitätsgesicherten und sektorübergreifenden Therapie. Ziel der flächendeckenden Verbreitung und Implementierung der überarbeiteten S3-Leitline ist es, die Diagnosekette und die stadiengerechte Therapie bei der Ersterkrankung als auch beim Rezidiv und in der Metastasierung zu verbessern.