Leitlinien-Detailansicht

Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie

Registernummer 028 - 047
Klassifikation S3

Stand: 24.03.2021 , gültig bis 23.03.2026

13.9.2021: englische Kurzfassung und Methodenreport eingestellt; 14.05.2021: redaktionell überarbeiteten Leitlinienreport eingestellt; 05.05.2021: redaktionell überarbeitete Kurzfassung eingestellt;

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)
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Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
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Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
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Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

Aspies e.V.
Bundesverband Autismus Deutschland e.V.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (BAG)
Bundesdirektorenkonferenz Verband leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie e. V. (BDK)
Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP)
Berufsverband deutscher Psychiater (BVDP)
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
Bundesvereinigung Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter e.V. (BVKJ)
Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl)
Deutsche Gesellschaft für seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung e.V. (dgsgb)
Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) e.V.
Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie e. V.
Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft e.V. (DMtG)
Verband Sonderpädagogik (vds)
Wissenenschaftliche Gesellschaft Autismus Spektrum (WGAS)

Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes und Jugendalters & Frankfurter
Autismus-Therapie- und Forschungszentrum
Universitätsklinikum Frankfurt am Main
Goethe-Universität
Deutschordenstraße 50
60528 Frankfurt am Main e-Mail senden

Leitlinienkoordination:

Prof. Dr. Christine M. Freitag Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes und Jugendalters & Frankfurter
Autismus-Therapie- und Forschungszentrum
Universitätsklinikum Frankfurt am Main
Goethe-Universität
Deutschordenstraße 50
60528 Frankfurt am Main e-Mail senden
  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie"
    Langfassung der Leitlinie "Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie"
    Leitlinienreport
    Evidenzbericht
    short version: Autism spectrum disorders in childhood, adolescence and adulthood Part 2: Therapy
    Guidelines Report Autism spectrum disorders in childhood, adolescence and adulthood Part 2: Therapy

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Kenntnis und Anwendung dieser Leitlinien ist somit vor allem für folgende Berufsgruppen sinnvoll: 
    1. (Fach-)Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, (Fach-)Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendärzte, Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Außerdem ist die Leitlinie zur Information wichtig für Hausärzte, (Fach-)Ärzte für Neurologie und grundsätzlich auch (Fach-)Ärzte jeder Disziplin, die mögliche somatische Komorbiditäten inklusive sensorischer Störungen (v. a. Hören, Sehen) bei Personen mit ASS abklären und deshalb über das Krankheitsbild Bescheid wissen sollten. 
    2. Weitere Personen, die in die Diagnostik und/oder Therapie für Autismus-Spektrum-Störungen einbezogen sein können wie Personen mit psychologischer Beratungstätigkeit ohne Approbation, (Sozial-/Heil-/Sonder-)Pädagogen, Ergotherapeuten, Logopäden, Lerntherapeuten, Musiktherapeuten, Pflegepersonal.
    3. 3. Indirekte Anwender und Schnittstellen, für die die Leitlinie wichtig sein kann:
    • a. Ärztekammern und Psychotherapeutenkammern,
    • b. persönlich betroffene und/oder interessierte Personen (z. B. Eltern, Verwandte, Lehrer, Freunde),
    • c. Sozial- und Jugendämter, Sozialträger, Jugendhilfeträger, Versorgungsämter,
    • d. Arbeitsverwaltung und die Agentur für Arbeit,
    • e. Entscheidungsträger in der Gesundheitspolitik und bei den Krankenkassen, Ge-richte und Gutachtenverfasser.
    Die Auseinandersetzung mit den Leitlinien ist selbstverständlich nicht als Qualifikation zur Durchführung von Diagnostik oder Therapie zu betrachten. Ob und wie sehr eine Person für die Diagnostik und/oder die Therapie von Patienten geeignet ist oder ob sie diese überhaupt durchführen darf, hängt von ihrer fachlichen Ausbildung und bei schwierigen Fällen auch vom individuellen Erfahrungsgrad ab. Die vorliegenden Leitlinien können und wollen diesen lang-jährigen Prozess nicht ersetzen. Sie dienen vielmehr zur Information und bieten eine Übersicht über die aktuelle Literatur sowie evidenzbasierte Empfehlungen an. 

    Patientenzielgruppe

    Folgende Patientengruppen sind in die vorliegende Leitlinie eingeschlossen:
    1. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Verdacht auf eine Autismus-Spektrum Störung (ASS) nach DSM-III-R, DSM-IV-TR (autism, Asperger’s disorder, pervasive developmental disorder – not otherwise specified; APA, 2000; Wittchen, 1991), DSM-5 (Autism Spectrum Disorder, Falkai, Wittchen & Döpfner, 2015) oder ICD-10 (F84.0 Frühkindlicher Autismus, F84.5 Asperger Syndrom, F84.1 atypischer Autismus; Remschmidt & Schmidt, 2017).
    2. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der Diagnose einer ASS sowie allen komorbiden psychiatrischen und Entwicklungsstörungen, die bei autistischen Störungen auftreten können. Es sollen alle Schweregrade der Erkrankung sowie mögliche komorbide Erkrankungen beachtet werden.  

    Versorgungsbereich

    Die Leitlinie soll Gültigkeit haben für alle Versorgungseinrichtungen, die Personen mit (Verdacht auf) Autismus-Spektrum-Störung betreuen. Das umfasst ambulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Entwicklungsstörungen, geistiger Behinderung, speziellem Förderbedarf oder psychischen Störungen sowie Autismus-Spektrum-Störungen diagnostizieren und/oder eine Therapie für Personen mit ASS anbieten. 
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
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    Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Aspies e.V.
    Bundesverband Autismus Deutschland e.V.
    Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (BAG)
    Bundesdirektorenkonferenz Verband leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie e. V. (BDK)
    Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP)
    Berufsverband deutscher Psychiater (BVDP)
    Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
    Bundesvereinigung Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter e.V. (BVKJ)
    Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl)
    Deutsche Gesellschaft für seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung e.V. (dgsgb)
    Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) e.V.
    Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie e. V.
    Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft e.V. (DMtG)
    Verband Sonderpädagogik (vds)
    Wissenenschaftliche Gesellschaft Autismus Spektrum (WGAS)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes und Jugendalters & Frankfurter
    Autismus-Therapie- und Forschungszentrum
    Universitätsklinikum Frankfurt am Main
    Goethe-Universität
    Deutschordenstraße 50
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    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Christine M. Freitag Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes und Jugendalters & Frankfurter
    Autismus-Therapie- und Forschungszentrum
    Universitätsklinikum Frankfurt am Main
    Goethe-Universität
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  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    In Deutschland gab es bis zur Veröffentlichung des ersten Teils dieser Leitlinie (LL) zur Diagnostik keine aktuell gültigen Leitlinien zu Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) bei Kindern und Jugendlichen sowie bisher keine Leitlinien zu ASS im Erwachsenenalter. Differenzierte Kenntnisse zu Diagnostik und evidenzbasierter Therapie sind bei vielen Personen, die mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen mit ASS arbeiten und/oder deren Familien beraten, nicht ausreichend gegeben, da das Störungsbild sowohl in der Ausbildung als auch in der Versorgungslandschaft oft in nur geringem Ausmaß vertreten ist. Es gibt in Deutschland zudem kaum spezialisierte Stellen und dort wiederum sehr lange Wartezeiten, sodass sowohl Patienten als auch Professionelle gute Informationsmaterialien brauchen, um sich über den wissenschaftlichen Kenntnisstand hinsichtlich Diagnostik und Therapie informieren zu können. Die vorhandene, gut belegte Evidenz basierend auf wissenschaftlichen, oftmals im englischen Sprachraum durchgeführten Studien sind in Deutschland bislang nicht hinreichend bekannt. Dies betrifft den Bereich der Diagnostik genauso wie den Bereich der Therapie von ASS. Um die medizinische, psychiatrisch-psychotherapeutische und rehabilitative Versorgung von Personen mit ASS zu verbessern, sind daher breit konsentierte, evidenzbasierte Leitlinien (S3) für Deutschland notwendig. Um diese zu erstellen, arbeiten verschiedene deutsche Fachgesellschaften seit 2009 an der Erstellung einer S3-Leitlinie zu ASS. Der erste Teil zur Diagnostik ist bereits erschienen (AWMF, 2016)2, ihm folgt nun der zweite Teil zur Therapie.  

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Bei der Erstellung des Therapieteils der S3-Leitlinie werden die folgenden Hauptziele verfolgt:

    1. Evidenzbasierte, breit konsentierte Empfehlungen zu effektiven Therapiemethoden sowie schädlichen Verfahren, die nicht eingesetzt werden sollen, für die Therapie von ASS

    a. über die Lebensspanne (Kleinkind-/Vorschulalter, Grundschulalter, Jugendalter, Erwachsenenalter)

    b. für ASS-Patienten mit unterschiedlichen komorbiden Erkrankungen (psychische Störungen, Entwicklungsstörungen, Intelligenzminderung). Auf die evidenzbasierte Behandlung komorbider somatischer Erkrankungen wird in der S3-Leitli-nie verwiesen, sie wird nicht im Detail ausgeführt.

    2. Die vorliegende S3-Leitlinie soll eine wesentliche Grundlage zur Verbesserung der Ausbildung aller Professionen, die mit Patienten mit ASS diagnostisch und therapeutisch zu tun haben, darstellen.

    3. Langfristig soll die S3-Leitlinie zu einer Verbesserung der Diagnostik und Therapie von ASS über die Lebensspanne in Deutschland führen, die insbesondere folgende Aspekte umfasst:

    a. Frühe Diagnose der Erkrankung möglichst im Vorschulalter; bei schwer betroffenen Kleinkindern möglichst bis zum Alter von 3 Jahren, um eine frühzeitige Förderung sowie die Planung des Schulbesuchs zu ermöglichen (Teil 1: Diagnostik).

    b. Korrekte Diagnostik mit Reduktion von falsch positiven und falsch negativen Diagnosen (Teil 1: Diagnostik).

    c. Korrekte Diagnostik der komorbiden psychiatrischen und somatischen Erkrankungen (Teil 1: Diagnostik).

    d. Effektivere Behandlung der zentralen Autismus-spezifischen Symptomatik mit Verbesserung der Symptome in allen Bereichen (Teil 2: Therapie, Kapitel C.4).

    e. Effektivere Behandlung der komorbiden Entwicklungsstörungen mit Verbesserung der Symptome in allen Bereichen (Teil 2: Therapie, Kapitel C.5).

    f. Effektivere Behandlung der kognitiven sowie der alltagspraktischen und adaptiven Fertigkeiten (Teil 2: Therapie, Kapitel C.6).

    g. Effektivere Behandlung der komorbiden psychischen Störungen mit Verbesserung der Symptome in allen Bereichen (Teil 2: Therapie, Kapitel C.7).

    4. Konsensbasierte Empfehlungen zu einer effektiven psychiatrischen Krisenintervention bei Personen mit ASS über die Lebenspanne, die die Dauer der Krise reduzieren soll.

    5. Bezüglich der Versorgungsstruktur werden konsensbasierte Empfehlungen zum Setting der Therapie (ambulant, teilstationär, stationär) gemacht, die dazu führen sollen, dass Patienten häufiger ambulant sowie mit klarer Indikation teilstationär oder stationär behandelt werden.