Leitlinien-Detailansicht

ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Registernummer 028 - 045
Klassifikation S3

Stand: 02.05.2017 , gültig bis 01.05.2022

Verfügbare Dokumente

Kurzfassung der Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen"
Langfassung der Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen"
Leitlinienreport

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
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Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
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  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen"
    Langfassung der Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen"
    Leitlinienreport

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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    Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

     Die Leitlinie soll in allen Bereichen der Prävention, Diagnostik und Behandlung der ADHS im Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenenalter eingesetzt werden und richtet sich an alle ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungseinrichtungen und Berufsgruppen, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit psychischen Störungen oder speziellem Förderbedarf diagnostizieren oder eine Therapie für Personen mit ADHS anbieten oder Patienten mit ADHS und ihre Familien beraten (einschließlich geleiteter Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen). Die Leitlinie richtet sich damit in erster Linie an Fachärzte1 für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin (insbesondere mit Schwerpunkt Neuropädiatrie), Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzte für Nervenheilkunde, Psychologische Psychotherapeuten und Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeuten. Die Leitlinie betrifft zudem Fachärzte für Psychosomatische Medizin, Ärzte mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie, Hausärzte, Psychologen, Neuropsychologen, Schulpsychologen, Lehrkräfte, Sonderpädagogen, Heilpädagogen, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeiter, Fachkrankenpfleger, Lerntherapeuten, Musiktherapeuten, Motopäden, Mototherapeuten, Erziehungsberatungsstellen und weitere Berufsgruppen, die an der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit ADHS beteiligt sind. Außerdem kann sie von den Betroffenen selbst und ihren Angehörigen als Informationsgrundlage verwendet werden und soll der Öffentlichkeit zur Information über gute diagnostische bzw. therapeutische Vorgehensweisen dienen. Indirekte Anwender sind Ärztekammern und Psychotherapeutenkammern, Sozialverwaltungen, Sozialträger, Jugendhilfeträger, Versorgungsämter, Agenturen für Arbeit, Entscheidungs- und Kostenträger im Gesundheitswesen, Gerichte und Gutachtenverfasser.

    Patientenzielgruppe

    Die vorliegende Leitlinie betrifft alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ((gemäß DSM-5: ADHD (314); bzw. gemäß ICD-10: Hyperkinetische Störungen (F90) oder Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (F98.8)) jeglichen Schweregrads, sowie Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die einen klinisch relevanten Schweregrad der Symptomatik aufweisen, aber die vollen diagnostischen Kriterien nicht erfüllen, unabhängig von Art und Ausmaß möglicher komorbider Erkrankungen.
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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    Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
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    Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP)
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    Deutsche Gesellschaft für Biologische Psychiatrie e. V. (DGBP)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    ADHS Deutschland e.V
    Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V. (AG ADHS)
    Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie e. V. (AMDP)
    Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP)
    Arbeitsgemeinschaft Niedergelassener Neuropädiater (AGNNP)
    Berufs- und Fachverband Heilpädagogik e. V., BHP
    Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ)
    Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten e.V. (bkj)
    Berufsverband deutscher Psychiater (BVDP)
    Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. - Sektion Schulpsychologie (BDP)
    Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP)
    Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (BAG)
    Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)
    Bundesvereinigung Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter e.V. (BVKJ)
    Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)
    Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. (bvvp)
    Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie e. V.
    Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V., DGPs
    Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT)
    Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPTV)
    Deutscher Berufsverband der MotopädInnen/MototherapeutInnen DBM e.V.
    Deutscher Verband der Ergotherapeuten (DVE) e.V.
    Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP)
    Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Deutschland e.V. (VAKJP)
    zentrales adhs-netz

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
    Kinder- und Jugendpsychiatrie
    Postfach 12 21 20
    68072 Mannheim Tel.: 0621/1703-4501 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Manfred Döpfner

    Leitlinienkoordination:

    PD Dr. Dr. Klaus-Peter Grosse
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einer Prävalenz von ungefähr 5% im Kindes- und Jugendalter und etwa 3% im Erwachsenenalter eine der häufigsten psychischen Störungen; sie ist gekennzeichnet durch die drei Kernsymptome: Aufmerksamkeitsstörung und / oder Impulsivität und Hyperaktivität. Im Kontext dieser Leitlinie umfasst der Begriff ADHS sowohl das nach DSM-5 [1] definierte Störungsbild Attention Deficit Hyperactivity Disorder (314.X) als auch die nach ICD-10 [2] klassifizierten Störungsbilder Hyperkinetische Störungen (F90) und Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (F98.8).

    Die ADHS ist oft mit weiteren psychischen Auffälligkeiten oder Störungen und mit zahlreichen funktionellen Beeinträchtigungen und einer reduzierten gesundheitsbezogenen Lebensqualität assoziiert [3, 4]. Zu den wichtigsten funktionellen Beeinträchtigungen zählen u.a. Probleme im Bereich von Schule, Ausbildung und Beruf aber auch soziale Schwierigkeiten in der Familie, im Kontakt mit Gleichaltrigen und Beziehungspartnern. Die Störung und die mit ihr verbundenen Funktionseinschränkungen persistieren in etwa 50-70% der Fälle bis in das Erwachsenenalter. Längsschnittstudien haben gezeigt, dass von ADHS betroffene Erwachsene einen niedrigeren Ausbildungsstand erreichen, ein geringeres Einkommen und einen niedrigeren sozioökonomischen Status haben, ein erhöhtes Risikoverhalten zeigen, häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt sind und häufiger Gesetzesübertretungen begehen. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen ist erniedrigt, wobei die größten Unterschiede im Bereich der schulischen und beruflichen Leistungsfähigkeit und im psychosozialen Bereich bestehen [3, 4].

    In Deutschland gibt es derzeit keine aktuell gültigen S3-Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS, wie sie mit dieser Arbeit vorgelegt werden. In Anbetracht der mit der Störung zum Teil verbundenen erheblichen funktionellen Beeinträchtigungen, deutlichen Einschränkungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Teilhabe sowie der ungünstigen Langzeitprognose und der hohen Kosten für das Gesundheitssystem, der unterschiedlichen Vorgehensweisen im Bereich der Diagnostik und der öffentlichen Diskussion über die Gefahren einer Unter- und Überdiagnostizierung der ADHS sowie den Stellenwert pharmakologischer und nicht pharmakologischer Interventionen ist die Untersuchung und Bewertung der diagnostischen Verfahrensweisen sowie der Wirksamkeit und Verträglichkeit der unterschiedlichen therapeutischen Optionen zur Reduktion der Kernsymptomatik und der mit der ADHS assoziierten funktionellen Beeinträchtigungen sowie zur Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Betroffenen und die Erstellung von evidenzbasierten S3-Leitlinien auch in Deutschland schon seit vielen Jahren überfällig.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Ziel der Leitlinie ist es, empirisch fundierte Handlungsempfehlungen für eine nach Alter, Schweregrad und assoziierten Störungen differenzierte valide Diagnostik und Differentialdiagnostik zu geben und entsprechende Algorithmen zur Therapie der ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu entwickeln, die neben der Schwere der Symptomatik auch Art und Ausmaß funktioneller Beeinträchtigungen, komorbide Störungen, Teilhabe, gesundheitsbezogene Lebensqualität und psychosoziale Rahmenbedingungen, einschließlich der Präferenzen der Patienten und ihrer Familien bezüglich der therapeutischen Optionen, berücksichtigt; Schlüsselempfehlungen zwischen allen an der Versorgung beteiligten Gruppen unter Einbeziehung von Patienten- und Angehörigenvertretern abzustimmen, darzulegen und zu implementieren. Dadurch soll die Diagnostik und Behandlung der ADHS im deutschen Gesundheitssystem verbessert werden, das Ausmaß von Fehldiagnosen reduziert, das Risiko sekundärer Komplikationen bezogen auf die Entwicklung assoziierter Störungen und funktioneller Beeinträchtigungen im schulischen, beruflichen und psychosozialen Bereich verringert und die Lebensqualität sowie die Teilhabe der Betroffenen verbessert werden. Parameter zur Quantifizierung des Nutzens der Implementierung der Leitlinie sind u.a. Reduktionen der Zahl von Fehldiagnosen sowie Veränderungen der Odds-Ratios für vorzeitige Schulabbrüche, den höchsten erreichten Ausbildungsabschluss oder sozioökonomischen Status, Delinquenz, Verkehrsunfälle, Substanzmissbrauch, Suizidversuche und Suizide, der vorzeitigen Mortalität und Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.