Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 166 - 005
Klassifikation S3

Abklärung der Mikro-Hämaturie bei Kindern und jungen Erwachsenen zur Früherkennung von Nierenerkrankungen

Anmeldedatum:

06.12.2020

Geplante Fertigstellung:

31.12.2022

Gründe für die Themenwahl:

Die persistierende isolierte Mikro-Hämaturie ist eine relative häufige Erkrankung in der Pädiatrie, die je nach Literatur 0,1 bis 1% der Kinder betrifft. Sie kann bei Kindern durch eine Vielzahl von benignen, aber auch potentiell gefährlichen Ursachen bedingt sein. Dies umfasst insbesondere urologische Ursachen, Nierensteine, und glomeruläre Nierenerkrankungen. Glomeruläre Nierenerkrankungen und hier insbesondere genetische Typ IV Kollagen Erkrankungen der glomerulären Basalmembran sind bei ca. 0,1% aller Kinder mit großem Abstand die häufigste gefährliche Ursache, da diese unbehandelt schon innerhalb weniger Jahre zum Nierenversagen, Dialysepflicht und einer verkürzten Lebenserwartung führen können. Das Nierenversagen kann durch eine frühe Diagnose im Stadium der Mikro-Hämaturie um Jahrzehnte herausgezögert werden, bei der Mehrzahl der Kinder mit Typ IV Kollagen Erkrankung sogar ganz verhindert werden. Dies betrifft 800 bis 1000 Kinder pro Jahr, die durch die S3-Leitlinie früher diagnostiziert und behandelt werden könnten. 

In Deutschland erhält jedes Kind bei der U8 (4 Jahre) und der J1(12-14 Jahre) einen Urinstatus, so dass die Mikro-Hämaturie früh diagnostiziert werden kann, aber leider häufig nicht zur differential-diagnostischen Abklärung führt: die Herausforderung für den Kinderarzt bzw. idealerweise für den zu Rate gezogenen Kindernephrologen liegt darin, die Kinder mit einer fortschreitenden Nierenschädigung kosteneffektiv herauszufiltern ohne die Kinder und Eltern durch eine ausufernde Diagnostik zu verunsichern. Die bestehenden S1-Leitlinien „Nicht sichtbare Hämaturie“ der Dt. Ges. für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. und „Hämaturie bei Kindern - Bildgebende Diagnostik“ der Ges. für Pädiatrische Radiologie e.V. sind hierzu nur sehr eingeschränkt geeignet, mittlerweile gibt es aber hinreichend wissenschaftliche Daten bis hin zu klinischen Studien der höchsten Evidenzstufe, die die Grundlage für eine S3-Leitlinie legen:

9/2020 erschien hierzu in Kidney360 von Kallash&Rheault „Approach to Persistent Microscopic Hematuria in Children“ und 11/2020 in Pediatric Nephrology von Kashtan&Gross als Guideline „Clinical practice recommendations for the diagnosis and management of Alport syndrome in children, adolescents, and young adults“. Unbehandelt werden die Kinder im Mittel mit 22 Jahren dialysepflichtig und haben eine mittlere Lebenserwartung von nur 55 Jahren. Bei der U8 könnten pro Jahr 800 bis 1000 Kinder durch die S3-Leitlinie früher diagnostiziert und behandelt werden. In der gegenwärtigen Praxis (also ohne Leitlinie) werden in Deutschland rund ein Drittel dieser Kinder erst im jungen Erwachsenenalter kurz vor dem Dialysebeginn diagnostiziert (obwohl sie bei der U8 eine Mikro-Hämaturie hatten, die aber leider nicht zur differential-diagnostischen Abklärung geführt hat).

Die Frühdiagnose von fortschreitenden Nierenerkrankungen bei Kindern mittels S3-Leitlinie wäre für das deutsche Gesundheitssystem sogar wirtschaftlich sinnvoll: die (durch die frühe Therapie um Jahrzehnte verzögerbaren) hohen Dialysekosten übersteigen die Kosten für eine differentialdiagnostische Abklärung aller Kinder mit Mikro-Hämaturie um ein Vielfaches. Der Gewinn für die betroffenen Familien und Kinder an Lebensqualität lässt sich nicht mit Zahlen beziffern.   

Zielorientierung der Leitlinie:

Frühdiagnostik zur frühen Diagnose und prä-emptiven Therapie

Verbindung zu vorhandenen Leitlinien anderer Fachgesellschaften:
Anmelder bei der AWMF (Person):

Dominik Müller (für die GPN) und Oliver Gross (für die DGfN)

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie e.V. (GPN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)Visitenkarte

Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)Visitenkarte

Deutsche Röntgengesellschaft e.V. (DRG)Visitenkarte

Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie e.V. (GPR)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Alport Selbsthilfegruppe e.V.

Leitliniensekretariat:

Dipl. Biol. Angela Windisch, Prof. Dr. Oliver Gross

Universitätsmedizin Göttingen
Klinik für Nephrologie und Rheumatologie
Robert-Koch Str. 40
37075 Göttingen

Tel.: 0551 39-65309

Fax.: 0551 39-8906

e-Mail senden

Koordination:

PD Dr. Kay Latta

Clementine Kinderhospital Frankfurt

 

Prof. Dr. Oliver Gross

Universitätsmedizin Göttingen

Adressaten:

Pädiatrie, Urologie, Kinderurologie, Kinderradiologie, Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Innere Medizin, Nephrologie, Pädiatrische Nephrologie, Krankenkassen (für Anforderungen an die U8 und J1 Vorsorgeuntersuchungen), Selbsthilfegruppen (Alport Selbsthilfe e.V.)

Versorgungssektor:

ambulant

Früherkennung

Diagnostik

primärärztliche Versorgung   

Patientenzielgruppe:

Kinder/Jugendliche  
einschließlich junger Erwachsener bis ca. 30 Jahre

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

(1) Systematische Suche nach Leitlinien zum gleichen Thema (und Prüfung auf adaptierbare Empfehlungen);
(2) Eigene Literaturrecherche zu „Hämaturie“ und „Mikrohämaturie“ in Pubmed und Medline insbesondere zu anderen Leitlinien und systematischen Übersichten;
(3) Auswahl der Literatur nach den Kriterien „betrifft Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene“ durch die Leitlinienkoordinatoren;
(4) Abstimmung über die Empfehlungen innerhalb von mehreren Konsensuskonferenzen;
(5) Wahrung der Neutralität der Moderation durch die Moderation der Konsensuskonferenzen durch eine nicht an der Erstellung der Leitlinien beteiligte dritte Person.

Ergänzende Informationen:

Verbindung zu vorhandenen Leitlinien.
053-028, S1 zu „Nicht sichtbare Hämaturie“ der Dt. Ges. für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (Vermedung von Doppelungen durch Weiterführung im nephrologischen Bereich, da maligen Ursachen einer Hämaturie bei Kindern sehr unwahrscheinlich sind)
064-005, S1 zu „Hämaturie bei Kindern - Bildgebende Diagnostik“ der Ges. für Pädiatrische Radiologie e.V. (keine Doppelung oder Überschneidung zu der beantragten Leitlinie)

Für die Erstellung dieser Leitlinie wird eine Beantragung einer finanziellen Förderung durch den GBA angestrebt.