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Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 166 - 004
Klassifikation S2k

Harnwegsinfektionen im Kindesalter – Diagnostik, Therapie und Prophylaxe

Anmeldedatum:

13.05.2018

Geplante Fertigstellung:

31.08.2020

Gründe für die Themenwahl:

Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen im Säuglings- und Kindesalter. In den letzten Jahren sind erhebliche Fortschritte in Diagnostik, Therapie und Prophylaxe erreicht worden, die zu teils durchgreifenden Neuerungen und Paradigmenwechseln geführt haben. Resistenzentwicklung uropathogener Erreger, neuere Erkenntnisse zur Auswirkung antibakterieller Therapie auf das intestinale Mikrobiom und Anforderungen des „antibiotic stewardship“ machen die Erarbeitung aktueller Leitlinien dringend notwendig. In Deutschland fehlen derzeit verbindliche interdisziplinäre  Leitlinien für die Diagnostik, Therapie und Prophylaxe von Harnwegsinfektionen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter  unter Berücksichtigung der aktuellen Studienlage und aktueller Leitlinien anderer Gesellschaften (z.B. AAP, AUA, ESPU etc.).

Zielorientierung der Leitlinie:

1. Empfehlungen geeigneter, praktikabler Verfahren zur Uringewinnung bei klinischem Verdacht auf eine Harnwegsinfektion im Säuglings- und Kindesalter

2. Diagnostische Kriterien für die Definition von asymptomatischer Bakteriurie, asymptomatischer Harnwegsinfektion, Zystitis, Pyelonephritis, Urosepsis (Stellenwert von Urinstreifentests, Mikroskopie, mikrobiologischer Diagnostik, Labordiagnostik, bildgebenden Verfahren)

3. Rationale antimikrobielle sowie supportive Therapiestrategien in der ambulanten und stationären Behandlung von Säuglingen und Kindern mit akuten und rezidivierenden Harnwegsinfektionen unter Berücksichtigung aktueller Resistenzentwicklungen (kalkulierte und resistenzgerechte Therapie).

4. Konzeption einer weiterführenden Diagnostik zur Erfassung von Risikofaktoren für rezidivierende Harnwegsinfektionen und pyelonephritische Parenchymschäden (Erkennung von Nierenparenchymdefekten Harnwegsfehlbildungen, vesikoureteralem Reflux, Blasenfunktionsstörungen)

5. Ansätze zur medikamentösen und nicht-medikamentösen Prophylaxe von Harnwegsinfektionen bei Kindern mit erhöhtem Harnwegsinfektions-Risiko (z.B. bei Nieren- und Harnwegsanomalien, Blasenfunktionsstörungen).

Anmelder bei der AWMF (Person):

Priv.-Doz. Dr.med. Rolf Beetz

(Mitglied in GPN, DPGI, DGU und DGKJ)

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektologie (DGPI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hygiene und MikrobiologieVisitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Arbeitskreis Kinderurologie der Akademie der Deutschen Urologen (mit-federführend)

Arbeitsgemeinschaft Kinderurologie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ)

Leitliniensekretariat:

Priv.-Doz. Dr.med. Rolf Beetz

Sektion Pädiatrische Nephrologie
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsmedizin Mainz
Langenbeckstr.1
55131 Mainz

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Koordination:

Priv.-Doz. Dr.med. Rolf Beetz

Adressaten:

Kinder- und Jugendärzte, Urologen, Kinderchirurgen, Nephrologen, Infektiologen, Mikrobiologen und zur Information für Allgemeinmediziner, Eltern von Kindern mit Harnwegsinfektionen

Versorgungssektor:

Ambulante und stationäre Versorgung von Säuglingen und Kindern mit akuten und rezidivierenden Harnwegsinfektionen sowie von Kindern mit erhöhtem Harnwegsinfektionsrisiko bei Nieren- und Harnwegsanomalien oder/und Blasenfunktionsstörungen

Patientenzielgruppe:

Säuglinge und Kinder mit akuten bzw. rezidivierenden Harnwegsinfektionen, PatientInnen mit neurogenen und nicht-neurogenen Blasenfunktionsstörungen, PatientInnen mit konnatalen Nieren- und Harnwegsanomalien und erhöhtem Risiko für Harnwegsinfektionen

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Auf der Grundlage eines überarbeiteten, im Jahre 2007 publizierten Konsensuspapiers (erarbeitet mit GPN, DGU und PEG) wird nach systematischer Literaturrecherche unter Berücksichtigung der aktuellen Studienlage und inzwischen publizierter Leitlinien internationaler Fachgesellschaften ein formaler Konsens erarbeitet. Geplant ist ein kombinierter formaler Konsensusfindungsprozess aus nominalem Gruppen- und multidisziplinären Konsensus-Schritten unter Beteiligung der mandatierten Vertreter der Fachgesellschaften und von Patientenvertretern.

Die Konsensusfindung erfolgt gemäß dem Delphi-Verfahren durch mehrmalige prozesshafte Vorlage ausgearbeiteter und jeweils nach Rückmeldung korrigierter oder/und ergänzter Textentwürfe an alle Ko-Autoren aus den beteiligten Gesellschaften per E-Mail bzw. postalischen Versand.

Es finden mindestens zwei Konsensuskonferenzen (z.B. im Rahmen der GPN-Herbsttagung bzw. der Jahrestagung der GPN,des Arbeitskreises Kinderurologie oder am Rande der DGKJ-Jahrestagung) statt. In der abschließenden Konsensuskonferenz wird jede Empfehlung im Rahmen einer strukturierten Konsensusfindung unter neutraler Moderation diskutiert und abgestimmt, deren Ziele die Lösung noch offener Entscheidungsprobleme, eine abschließende Bewertung der Empfehlungen und die Messung der Konsensstärke sind. Anschließend erfolgt die Verabschiedung durch die Vorstände der  beteiligten Fachgesellschaften/Organisationen. Der Leitlinie wird nach Abschluss eine Beschreibung zum methodischen Vorgehen (Leitlinien-Report) hinterlegt.

Implementierung: Die Leitlinie wird online auf den Webseiten der AWMF und durch Veröffentlichungen in den Fachzeitschriften „Der Urologe“ und „Monatsschrift für Kinderheilkunde“  der Fachöffentlichkeit zur Kenntnis gebracht.

Ergänzende Informationen:

Arbeitskreis Infektiologie in der Akademie der Deutschen Urologen in der DGU und Eltern-Interessenvertretung bzw. Selbsthilfegruppe mit Zielorientierung „nierenkranke Kinder“ werden angefragt

  • Vorangegangene interdisziplinäre Konsensuspublikation:

Beetz R., Bachmann H.J., Gatermann S., Keller H.J., Kuwertz-Bröking E., Misselwitz J., Naber K.G., Rascher W., Scholz H., Thüroff J.W., Vahlensieck W., Westenfelder M. Harnwegsinfektionen im Säuglings- und Kindesalter. Consensus-Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und Prophylaxe. Chemother.J. 2006; 15: 163-171   

Beetz R., Bachmann H.J., Gatermann S., Keller H.J., Kuwertz-Bröking E., Misselwitz J., Naber K.G., Rascher W., Scholz H., Thüroff J.W., Vahlensieck W., Westenfelder M. Harnwegsinfektionen im Säuglings- und Kindesalter. Consensus-Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und Prophylaxe. Der Urologe 2007; 46: 112-123    Beetz R., Bachmann H.J., Gatermann S., Keller H.J., Kuwertz-Bröking E., Misselwitz J., Naber K.G., Rascher W., Scholz H., Thüroff J.W., Vahlensieck W., Westenfelder M. Harnwegsinfektionen im Säuglings- und Kindesalter. Consensus-Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und Prophylaxe. Monatsschr.Kinderheilkd. 2007; 155: 261-271  

  • Folgende aktuelle, bereits erschienene Leitlinien zur Thematik werden bei der Ausarbeitung und Diskussion der geplanten Leitlinie Berücksichtigung finden:  

American Academy of Pediatrics, Subcommittee on Urinary Tract Infection, Steering Committee on Quality Imrovement and Management: Urinary Tract Infection: Clinical Practice Guideline for the Diagnosis and Management of the Initial UTI in Febrile Infants and Children 2 to 24 Months. Pediatrics 2011;128:595-610.  

American Academy of Pediatrics, Committee on Quality Improvement, Subcommittee on Urinary Tract Infection,: Practice parameter: the diagnosis, treatment, and evaluation of the initial urinary tract infection in febrile infants and young children. Pediatrics 1999;103:843-52.  

Finnell SM, Carroll AE, Downs SM, and the Subcommittee on Urinary Tract Infection: Technical Report--Diagnosis and Management of an Initial UTI in Febrile Infants and Young Children. Pediatrics 2011;128:e749-e70.  

Mori R, Lakhanpaul M, Verrier-Jones K: Diagnosis and management of urinary tract infection in children: summary of NICE guidance. BMJ 2007;335:395-7.   Ammenti A, Cataldi L, Chimenz R, Fanos V, La Manna A, Marra G, et al. Febrile urinary tract infections in young children: recommendations for the diagnosis, treatment and follow-up. Acta Paediatr 2012;101(5):451-7.  

Berger C (2013) Diagnose und Behandlung von Harnwegsinfektionen beim Kind. Empfehlungen der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Pädiatrische Nephrologie. Paediatrica 24:10-13   Stein R, Dogan HS, Hoebeke P, Kocvara R, Nijman RJ, Radmayr C, Tekgul S (2014) Urinary tract infections in children: EAU/ESPU guidelines. Eur Urol 67:546-558