Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 084 - 003
Klassifikation S3

Umfassendes Geriatrisches Assessment (Comprehensive Geriatric Assessment CGA) bei hospitalisierten Patienten

Anmeldedatum:

11.10.2021

Geplante Fertigstellung:

30.06.2023

Gründe für die Themenwahl:

Durch den demographischen Wandel ist in den nächsten Jahrzehnten mit einem deutlichen Anstieg des Anteils älterer Menschen zu rechnen. Allein die Zahl der Über-70-Jährigen wird zwischen 2015 und 2050 um rund 46 Prozent zunehmen[1]. Dies hat großen Einfluss auf unser Gesundheitssystem. In Zukunft werden wir im Krankenhaus immer mehr älteren, multimorbiden Patienten begegnen. Im Zeitraum zwischen 2006 bis 2015 stieg deren Zahl bereits um 80% von 1,1 auf 2 Millionen.[1]

Eine fachspezifische Versorgung geriatrischer Patienten wird daher immer wichtiger, da im klinischen Alltag geriatrische Syndrome häufig unterdiagnostiziert und inadäquat therapiert bleiben. Es wurde bereits gezeigt, dass die Durchführung eines geriatrischen Assessments helfen kann, körperliche und geistige Funktionseinschränkungen zu detektieren und zu adressieren. Auch ist eine Reduktion der Institutionalisierung beschrieben.[2]

[1] Barmer Krankenhausreport 2017

[2] Ellis G, Gardner M, Tsiachristas A, Langhorne P, Burke O, Harwood RH, Conroy SP, Kircher T, Somme D, Saltvedt I, Wald H, O'Neill D, Robinson D, Shepperd S. Comprehensive geriatric assessment for older adults admitted to hospital. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Sep 12  

Zielorientierung der Leitlinie:

Ziel der Leitlinie sind die Beurteilung und systematische Aufarbeitung der Evidenz, der Wirksamkeit und Art der Anwendung eines umfassenden geriatrischen Assessments (Comprehensive Geriatric Assessment, CGA) unter stationären Bedingungen und unter Betrachtung verschiedener Settings (bei Krankenhauseinweisung, in der Notfallambulanz, auf Station) und Populationen. Durch die Aufarbeitung in der Leitlinie soll die optimale Indikation zur Durchführung eines CGA ausgearbeitet werden, um im Alltag individuelle Therapieansätze zu ermöglichen. Dadurch soll die Qualität der Versorgung älterer Menschen in klinischen Einrichtungen verbessert werden.

Anmelder bei der AWMF (Person):

Prof. Dr. Michael Denkinger

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V. (DGGG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Schweizerische Fachgesellschaft für Geriatrie (SFGG)

Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG)

Deutsche Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft (DGPTW)

Deutsche Gesellschaft für Ergotherapiewissenschaft e.V. (DGEW)

Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V., DGPs

Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)

Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg (ZGGF)

Leitliniensekretariat:

Barbara Schwarz

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistenzärztin Innere Medizin
Agaplesion Bethesda Klinik Ulm
Zollernring 26
89073 Ulm

e-Mail senden

Koordination:

Prof. Dr. Michael Denkinger

Chefarzt und Ärztlicher Direktor
Agaplesion Bethesda Klinik Ulm
Zollernring 26
89073 Ulm

e-Mail senden

Adressaten:

 Ärzt*innen, sowie Angehörige nichtärztlicher Berufsgruppen, die an der Versorgung dieser Menschen in allen Sektoren beteiligt sind entsprechend der beteiligten Fachgesellschaften und Organisationen. 

Versorgungssektor:

stationär, teilstationär    

Diagnostik, Therapie, Rehabilitation  

spezialärztliche Versorgung

Patientenzielgruppe:

Erwachsene (hospitalisierte Patienten > 65 Jahre) 

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Literaturrecherche:
Die systematische Literatur-Recherche orientiert sich an verschiedenen PICO-Leitfragen. Eingeschlossen werden randomisierte, kontrollierte Studien sowie systematische Reviews und Metaanalysen.
Mit Hilfe des „GRADE“-Systems (Grades of Recommendation, Assessment, Development and Evaluation) wird die Qualität der Evidenz bestimmt. 

Konsensustechniken:
Strukturierte Konsensuskonferenz unter externer, neutraler Moderation (AWMF-Leitlinienberater*in) und ggf. Delphi per E-Mail-Umlaufverfahren

Ergänzende Informationen:

In der 2019 erschienenen S1-Leitlinie „Geriatrisches Assessment der Stufe 2“ wurden bereits zu den einzelnen Dimensionen des geriatrischen Assessments Empfehlungen für konkrete Instrumente formuliert. Die geplante S3-Leitlinie zielt hingegen auf die Wirksamkeit des umfassenden geriatrischen Assessments in der Gesamtheit aller Dimensionen in unterschiedlichen Settings ab. Unabhängig davon bleibt die S1-Leitlinie bestehen, um Empfehlungen für einzelne Instrumente der Stufe 2 geben zu können. Eine Umwandlung in eine „Living Guideline“ wird aktuell vorgenommen.

Geriatrisches Assessment in der Hausarztpraxis (053-015)   Auch wenn das dort formulierte geriatrische Assessment (MAGIC) sich primär auf ambulante Patienten bezieht, ergeben sich mit der Idee einer sektorenübergreifenden Versorgung Gemeinsamkeiten.

Aktuell gibt es nach unserem Wissen keine deutschsprachige Leitlinie, die sich ausschließlich mit dem Comprehensive Geriatric Asssessment befasst hat, obgleich es bereits einige Studien (inklusive des o.g. Cochrane Reviews) gibt und die klinische Relevanz auf der Hand liegt. Aspekte des CGA haben bereits andere Leitlinien für andere Bereiche aufgenommen, siehe u.a. die o.g. hausärztliche Leitlinie für ambulante Patienten, die S3-LL Mammakarzinom oder Diabetes mellitus Typ 2.

Das Leitlinien-Projekt wird gefördert von der DGG e.V., dem Institut für Geriatrische Forschung der Universität Ulm und dem Geriatrischen Zentrum Ulm