Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 083 - 050
Klassifikation S2k

Ideale Zeitpunkte und Maßnahmen der kieferorthopädischen Diagnostik

Anmeldedatum:

01.03.2022

Geplante Fertigstellung:

01.03.2024

Gründe für die Themenwahl:

Eine medizinische Behandlung in jeder Fachdisziplin bedarf vor ihrer Initiierung und auch während ihrer Durchführung einer kontinuierlichen und korrekten Diagnosestellung. Hierbei ist von großer Bedeutung, dass eine korrekte Diagnose präzise und mit hoher Sicherheit gestellt werden kann. Das Behandlungsspektrum der Kieferorthopädie weist durch die zahlreichen interdisziplinären Schnittstellen mit der Medizin und Zahnmedizin eine große Breite und Komplexität auf. Die adäquate Auswahl der geeigneten diagnostischen Mittel sowie die Überprüfung ihrer patientenindividuellen therapeutischen Relevanz stellen im klinischen Alltag eine Herausforderung dar. Hierbei muss festgestellt werden, dass im Rahmen der kieferorthopädischen Diagnostik neben der Erkennung von orofazialen Fehlfunktionen und dentalen Fehlstellungen auch skelettale Anomalien, Pathologien der Mundschleimhaut, des Zahnhalteapparates und des Kiefergelenkes, allgemein-medizinische bzw. medikamentöse Limitationen und Risikoprofile erkannt und bei der Therapieplanung sowie während der laufenden Therapie berücksichtigt werden müssen.  

Bislang existieren jedoch für den kieferorthopädisch tätigen Behandler keine Richtlinien, welche der allgemein in Deutschland im klinischen Alltag durchgeführten oder darüber hinaus gehenden diagnostischen Maßnahmen indikationsbezogen bzw. in Abhängigkeit des Patientenalters sinnvoll bzw. notwendig sind und zu welchen Zeitpunkten im Therapieverlauf. Hierzu gehören u.a.:  
•          Anamnese und Allgemeinbefund
•          Klinische Untersuchung und Mundhygieneevaluation
•          Intraorale Fotodokumentation
•          Funktionsbefund
•          Fotostatanalyse (extraoral, Profil und En-face)
•          Modellanalyse von Situationsmodellen
•          Orthopantomogramm und Fernröntgenseitenbild (radiologische Diagnostik)
•          Handröntgenaufnahme (radiologische Diagnostik)
•          ggfls. Zahnfilm und digitale Volumentomographie in komplexen Fällen (radiologische Diagnostik)

Ein vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten des IGES-Institutes im November 2018 untersuchte die fünf am häufigsten in Deutschland abgerechneten diagnostischen Interventionen untersucht. Dabei handelte es sich um bildgebende Untersuchungen (Fotografie, Panoramaschichtaufnahme, Fernröntgenaufnahme), deren Auswertung (Kephalometrie) sowie Modellabformungen. Diese dienen der Bestimmung des Ausmaßes der Zahnfehlstellung und sind maßgeblicher Bestandteil der Ableitung notwendiger Behandlungsmaßnahmen. Ausgewertet wurden neun Studien, die die Bedeutung der genannten Untersuchungen auf die Behandlungsplanung untersuchten. Diese Studien waren sowohl im Hinblick auf die evaluierten Methoden als auch die Studiendurchführung äußerst heterogen. Aufgrund dessen konnten im Gutachten des IGES-Institutes keine Empfehlungen für oder gegen die Anwendung einzelner diagnostischer Maßnahmen ausgesprochen werden. Jedoch weist die Großzahl der Studien darauf hin, dass die Anzahl sowie die Art der einzusetzenden diagnostischen Methoden von der Art und dem Ausmaß der Malokklusion abhängig sind. Somit erscheint es sinnvoll, in einem konsensusbasierten Leitlinienprozess zu untersuchen, bei welchen Subpopulationen welche kieferorthopädischen diagnostischen Untersuchungen notwendig sind, um eine ausreichende und zweckmäßige Behandlungsplanung durchführen zu können und unnötige Maßnahmen zu verhindern. Zu beachten ist dabei, dass sich der diagnostische Nutzen in der Regel erst dadurch manifestiert, dass die infolge der Diagnosestellung eingeleiteten therapeutischen Interventionen ihre Wirkung mit erheblicher Latenz entfalten. 

Zielorientierung der Leitlinie:

Das Ziel der Leitlinie ist es, konsensusbasiert indikationsbezogen und in Abhängigkeit des Patientenalters den idealen Umfang und die idealen Zeitpunkte für diagnostische Maßnahmen in der Kieferorthopädie zu ermitteln und zu standardisieren

Verbindung zu vorhandenen Leitlinien anderer Fachgesellschaften:
Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Anke Weber; Dr. Birgit Marré

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. (DGZMK)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO-KHC)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde e.V. (DGKiZ)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e.V. (DGI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien e.V. (DGPro)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie e.V. (DGMP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V. (DG PARO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung e.V. (DGZ)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Arbeitsgemeinschaft für Grundlagenforschung (AfG) in der DGZMK

Arbeitsgemeinschaft für Oral- und Kieferchirurgie der DGZMK (AGOKi)

Arbeitskreis Ethno- und Paläo-Zahnmedizin (EPZ) der DGZMK

Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET)

Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM)

Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Schlafmedizin, DGZS

NEUE GRUPPE - Wissenschaftliche Vereinigung von Zahnärzten

Bundesverband der Kinderzahnärzte (BUKiZ)

Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst e.V. (BZÖG)

Deutsche Gesellschaft für ästhetische Zahnmedizin (DGÄZ)

Interdisziplinärer Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin, AKOPOM

Bundeszahnärztekammer, BZÄK

Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, KZBV

Verband medizinischer Fachberufe e.V.

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG)

Arbeitskreis für die Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ)

Arbeitsgemeinschaft Zahnmedizin für Menschen mit Behinderung oder besonderem medizinischen Unterstützungsbedarf in der DGZMK (AG ZMB)

Leitliniensekretariat:

Dr. Anke Weber; Dr. Birgit Marré

Leitlinienbeauftragte der DGZMK

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Koordination:

Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck

Universitätsklinikum Regensburg

e-Mail senden

 

Univ.-Prof. Dr. Christopher J. Lux

Universitätsklinikum Heidelberg

Adressaten:

Zahnärzte, Fachzahnärzte für Kieferorthopädie

Versorgungssektor:

ambulant  
Prävention, Früherkennung
Diagnostik 
spezialärztliche Versorgung

Patientenzielgruppe:

Erwachsene, Kinder/Jugendliche

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

  • Delphi-Technik zur Einholung eines ersten Trends der Gruppeneinschätzung, Nominaler Gruppenprozesses zur Diskussion komplexer Themen und Formulierung und Graduierung von Empfehlungen sowie zur endgültigen Verabschiedung von Empfehlungen
  • Neutralität der Moderation durch Hinzuziehung eines externen, unabhängigen und in den Methoden der strukturierten Konsensfindung geschulten Moderators gewährleistet
  • zusätzlich (im Zuge einer eventuell möglichen späteren Erweiterung der Leitlinie auf S3): iterativer hierarchischer Rechercheprozess (Suche nach 1. Leitlinien, 2. Aggregierter Evidenz, 3. Primärliteratur), Literaturrecherche mit systematischer Methodik mit der Auflistung der verwendeten Suchbegriffe, Quellen (elektronische Datenbanken, Datenbanken systematischer Übersichtsarbeiten, von Hand durchsuchte Fachzeitschriften, Kongressberichte, andere Leitlinien) und Trefferzahlen (DELBI-Domäne 3, Kriterium 9), Explizite Darlegung der Auswahlkriterien für die Evidenz, insbesondere der Ausschlussgründe (DELBI-Domäne 3, Kriterium 8), Bewertung der nach a priori festgelegten Kriterien recherchierten und ausgewählten Evidenz, hinsichtlich ihrer methodischen Qualität und Zusammenfassung der Ergebnisse in Evidenztabellen, Feststellung der Stärke der Evidenz („Evidenzgrad“ oder „Level of Evidence“).

Ergänzende Informationen:

Die Liste der beteiligten Fachgesellschaften ist noch nicht abschließend und daher vorläufig.

Leitliniensekretariat DGZMK, Dr. Anke Weber; Dr. Birgit Marré