Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 043 - 044
Klassifikation S3

Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management bakterieller, ambulant und stationär erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen

Anmeldedatum:

08.01.2021

Geplante Fertigstellung:

30.09.2023

Gründe für die Themenwahl:

Die hier zu aktualisierende Leitlinie wurde im Jahr 2010 erstellt und im April 2017 erstmalig aktualisiert. Die jetzige Leitlinien-Version sieht eine Gültigkeit bis 2021 vor. Thematisch spiegelt die im Jahr 2017 publizierte Leitlinienaktualisierung jedoch den Wissensstand bis Dezember 2015 wider (Zeitpunkt der letzten systematischen Literatursuche).

Zielorientierung der Leitlinie:

Etablierung von Standards in Diagnostik, Therapie und Prävention von Harnwegsinfektionen zum rationalen Einsatz antimikrobieller und nicht antimikrobieller Substanzen, zur Reduktion des Gebrauchs von Antibiotika bei fehlender Indikation, zur Vermeidung eines einseitigen Einsatzes bestimmter Antibiotika-Klassen und damit Vermeidung der Entwicklung von Resistenzen.

Die Antragsteller möchten neben der Aktualisierung aller bereits bestehenden Kapitel zusätzlich das Thema „Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen“ in die Leitlinie aufnehmen. Bislang wurden Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen, welche zu den komplizierte Harnwegsinfektionen zählen, nicht in dieser Leitlinie berücksichtigt. Aufgrund der hohen Relevanz in diesem Versorgungsbereich (während eines Krankenhausaufenthalts werden zwischen 15 und 25% aller Patienten katheterisiert, auf Intensivstationen sind es 18 bis 81,7 %) sollen in dieser Leitlinienaktualisierung klinische Empfehlungen für diese Patientengruppe ergänzt werden (z. B. zur Indikationsstellung, zur Liegedauer oder zum Kathetermaterial).

Bislang wurde der Aspekt der Harnwegsinfektionen bei geriatrischen Patienten in der Leitlinie nicht explizit berücksichtigt. Insbesondere für die große Gruppe der Heimbewohner gilt aber, dass symptomatische Harnwegsinfektionen hier besonders häufig auftreten. Eine zielgerichtete Diagnostik ist aufgrund der hohen Prävalenz einer asymptomatischen Bakteriurie (insbesondere bei katheterisierten Patienten) deutlich erschwert. Für diese Gruppe sind aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen zwingend erforderlich.

Mit Hilfe der beantragten Fördergelder soll erstmalig zusätzlich eine Patientenleitlinie entstehen, welche in laienverständlicher Sprache die Empfehlungen und Hintergrundinformationen zusammenfasst.

Verbindung zu vorhandenen Leitlinien anderer Fachgesellschaften:
Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Stefanie Schmidt

Wissenschaftliche Referentin von UroEvidence
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
Geschäftsstelle Berlin
Martin-Buber-Str. 10
14163 Berlin

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI)Visitenkarte

Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. (PEG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e.V. (DGKL)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V. (DGGG)Visitenkarte

Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMFVisitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker ADKA e.V.

Patientenorganisation Interstitielle Cystitis Association Deutschland (ICAD)

Leitliniensekretariat:

Dr. Stefanie Schmidt

Wissenschaftliche Referentin von UroEvidence
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
Geschäftsstelle Berlin
Martin-Buber-Str. 10
14163 Berlin

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Koordination:

Prof. Dr. med. Florian Wagenlehner

Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie
Justus-Liebig-Universität
Rudolf-Buchheim-Str. 7
35392 Gießen

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Adressaten:

Allgemeinärzte, Gynäkologen, Infektiologen, Mikrobiologen, Nephrologen, Urologen

Versorgungssektor:

ambulant, stationär

Prävention

Diagnostik, Therapie

primärärztliche Versorgung   

Patientenzielgruppe:

Erwachsene Patienten; geriatrische Patienten in Versorgungseinrichtungen

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Methodik nach AWMF-Regelwerk

Die folgenden Schritte werden dabei berücksichtigt:

1. Systematische Recherchen

Die Evidenzgenerierung erfolgt schrittweise. In einem ersten Schritt erfolgen systematische Literatursuchen nach aggregierter Evidenz (systematische Übersichtsarbeiten mit oder ohne Metaanalysen und Health Technology Assessments - HTAs). Für die Literaturdatenbanksuchen wird die Suchstrategie aus dem Methodenreport der alten Leitlinie genutzt und, wenn notwendig, um aktuelle Suchbegriffe erweitert. Die Notwendigkeit zur Erweiterung ergibt sich aus dem konstituierenden Treffen der Leitliniengruppe. Hierzu werden die Datenbanken „Cochrane Database of Systematic Reviews“ und „KSR Evidence“ durchsucht. Ebenso erfolgt eine Suche nach Nutzenbewertungen in der Datenbank des IQWIG. Zusätzlich werden Internetportale bekannter Gesundheitsinstitutionen für zusätzliche Informationen gesichtet (NICE – National Institute for Health and Care Excellence - Evidence search, AHRQ - Agency for Healthcare Research and Quality - EPC Evidence-Based Reports). Der Zeitraum der Suche schließt an das Suchdatum der letzten Leitlinienaktualisierung an (Januar 2016 bis aktuell). Es werden Publikationen in deutscher und englischer Sprache berücksichtigt. In einem zweiten Schritt erfolgen systematische Literatursuchen nach Primärstudien für all die Themenbereiche, zu denen auf Basis der aggregierten Evidenz kein ausreichendes und aktuelles Wissen zur Überprüfung und Aktualisierung der Hintergrundtexte und Empfehlungen vorliegt. Hierzu werden die Datenbanken Medline und Embase (beide via Ovid) und „Cochrane Central Register of Controlled Trials“ genutzt. Der Zeitraum der Suche schließt an das Suchdatum der letzten Leitlinienaktualisierung an oder, falls zutreffend, an das Suchdatum einer identifizierten hochwertigen systematischen Übersichtsarbeit, um den aktuellen Zeitraum noch abzudecken. Es werden Publikationen in deutscher und englischer Sprache berücksichtigt. Für therapeutische Interventionsstudien wird die systematische Suche auf randomisierte kontrollierte Studien begrenzt. Bei Fragen zur diagnostischen Genauigkeit werden Kohortenstudien berücksichtigt. In einem weiteren Schritt werden klinische Studienregister durchsucht (https://clinicaltrials.gov/ und https://apps.who.int/trialsearch/), um Kenntnisse über geplante, noch laufende oder nicht publizierte Studien zu gewinnen. Die systematischen Literatursuchen werden entsprechend dem Manual „Systematische Recherchen für Evidenzsynthesen und Leitlinien“ gestaltet.

2. Evidenzgenerierung:

Auswahl der Evidenz und kritische Bewertung Die Auswahl der Literatur wird anhand der im Kick-off Meeting definierten Ein- und Ausschlusskriterien (z. B. Personengruppe, Geschlecht, Intervention, Vergleichsgruppe, Setting, Nachbeobachtungszeit, Sprache, Studiendesign, Endpunkt) getroffen. Im Vier-Augen-Prinzip durch zwei unabhängige Personen (ein Kliniker, ein Methodiker) werden die durch die Literatursuche identifizierten Treffer gesichtet. Der Suchverlauf wird dokumentiert (gemäß PRISMA-Flowchart). Die Extraktion der Daten in Evidenztabellen erfolgt durch eine Person. Die kritische Bewertung der identifizierten Literaturzitate erfolgt checklistenbasiert nach den gängigen Risk of Bias Instrumenten; die Selektion des Instrumentes erfolgt anhand des Studiendesigns: ROBIS für systematische Übersichtsarbeiten, das Cochrane Risk of Bias Tool für randomisierte kontrollierte Studien und QUADAS-II für Diagnostikstudien. Die kritische Bewertung wird im Vier-Augen-Prinzip von zwei unabhängigen Personen vorgenommen. Die Vertrauenswürdigkeit in die Evidenz wird Endpunktspezifisch über den gesamten Evidenzkörper hinweg getroffen (mittels GRADE).

3. Formulierung und Graduierung von Empfehlungen

Die inhaltlichen Arbeiten finden in den Arbeitsgruppen statt, welche mit den erarbeiteten Evidenztabellen aus-gestattet werden. Die Gruppe prüft, inwiefern aufgrund der neuen Evidenz die Hintergrund-texte, Empfehlungen und Statements der Leitlinie geändert werden müssen und macht neue Textvorschläge. Auf Arbeitsgruppenbasis wird für das jeweilige Thema ein erster Konsens getroffen. Alle überarbeiteten Inhalte werden dann der gesamten Leitliniengruppe zur Verfü-gung gestellt. So wird die Möglichkeit gegeben, dass jedes Mitglied jeden Themenbereich kritisch kommentieren oder ergänzen kann.

4. Strukturierte Konsensfindung

Der Formulierung von Empfehlungen und Statements liegen neben den Evidenztabellen folgende Abwägungen zugrunde: • Wie substanziell sind der erwartete Nutzen und der erwartete Schaden der Intervention? • Wie sicher ist die zugrundliegende Evidenz, bzw. wie vertrauenswürdig sind die Effektschätzer? Zu welchen Endpunkten oder Teilfragestellungen fehlt Evidenz?“ • Wie wichtig sind die Endpunkte? • Wie sicher ist die Einschätzung der Ansichten und Präferenzen der betroffenen PatientInnen/BürgerInnen bzw. deren Variabilität? • Wie sehr spricht die Abwägung von Nutzen und Schaden für die Intervention? • Spricht die Kosten-Nutzen-Abwägung für die Intervention? • Wie wird die Umsetzbarkeit im Alltag / in verschiedenen Versorgungsbereichen in Bezug auf Akzeptanz und Umsetzbarkeit eingeschätzt? • Gibt es soziale, ethische und/oder rechtliche Erwägungen, die die Empfehlungsstärke beeinflussen?  

Die Formulierung und Abstimmung der Empfehlungen und Statements (in der Formulierung einer konditionellen Logik) erfolgt in zwei Schritten. Mittels einer online Vorabstimmung erhält jedes Leitliniengruppenmitglied die Möglichkeit mithilfe der zugrunde liegenden systematisch aufgearbeiteten Informationen die Empfehlungsentwürfe und Statement-Entwürfe vorabzustimmen. Erfolgt keine Zustimmung, so kann ein Alternativvorschlag formuliert werden. Die online Vorabstimmung zeigt, in anonymisierter Form, ein erstes Stimmungsbild der Gruppe und identifiziert die Diskussionspunkte. Empfehlungen und Statements mit über 95% Zustimmung ohne relevante Kommentare können in der Konsensuskonferenz als angenommen verabschiedet werden. Alle anderen Empfehlungen und Statements werden zusammen mit den identifizierten Diskussionspunkten auf der 2-tägigen Konsensuskonferenz diskutiert, solange bis ein Konsens mit über 95% Zustimmung erreicht wird. Die Diskussionen werden von einer/m AWMF-zertifizierten LeitlinienberaterIn geführt, um einen neutralen Informationsaustausch zu gewährleisten. Die Formulierungen der Empfehlungen werden dabei graduiert aus-gedrückt: soll/soll nicht (starke Empfehlung), sollte/sollte nicht (schwache Empfehlung), kann (offene Empfehlung).