Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 032 - 038OL
Klassifikation S3

Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms

Anmeldedatum:

03.05.2021

Geplante Fertigstellung:

29.02.2024

Gründe für die Themenwahl:

 In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes ca. 30.000 Menschen jährlich neu an einem Harnblasentumor (Robert Koch Institut, 2019). Bei einem mittleren Erkrankungsalter von 73 bzw. 77 Jahren ist es vor dem Hintergrund der sich in Deutschland abzeichnenden Bevölkerungsdemographie offensichtlich, dass in absehbarer Zeit mit einer deutlichen Zunahme der Neuerkrankungen zu rechnen ist. Das Harnblasenkarzinom ist damit der zweithäufigste Tumor im Fachgebiet der Urologie. Trotz neu entwickelter diagnostischer und operativer Verfahren imponiert das Urothelkarzinom nach wie vor durch seine Aggressivität in Bezug auf die Rezidiv- und Progressionshäufigkeit. Oberflächliche Harnblasentumore rezidivieren in Abhängigkeit vom Tumorstadium und Differenzierungsgrad in ca. 70 % nach ausschließlicher transurethraler Resektion und bis zu 25% der Patienten erleiden einen Progress im Sinne eines höheren Tumorstadiums (Sylvester et al. 2006). Trotz radikaler chirurgischer Therapieverfahren liegt das tumor-spezifische Überleben bei Patienten mit einem aggressiven UC nach 5 Jahren nur knapp über 50% (Hautmann, de Petriconi et al. 2012). Auch der Einsatz konventioneller Chemotherapieverfahren konnte bislang an diesen schlechten Ergebnissen nichts ändern. Eine perioperative Systemtherapie (neoadjuvant oder adjuvant) führt nur zu einer marginalen Verbesserung (etwa 5-10%) des tumorspezifischen Überlebens (Gupta and Mahipal 2013). Rezidive sind dabei in aller Regel Fernmetastasen (Hautmann, de Petriconi et al. 2012). Bei Patienten mit einem metastasierten UC kann die Erkrankung nur palliativ behandelt werden. Zum Einsatz kommen dabei, wie bei der perioperativen Chemotherapie, platinbasierte Kombinations-Therapien, z.B. Gemcitabine/Cisplatin oder Methotrexat/Vinblastin/Adriamycin/Cisplatin sowie Gemcitabine/Carboplatin bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Obwohl bei solchen Systemtherapien die Tumoren bei bis zu 70% der Patienten primär ansprechen, liegt das tumorspezifische Langzeitüberleben bei weniger als 20% (Gupta and Mahipal 2013). Dies gilt auch für immun-onkologische Ansätze (Immun-Checkpoint-Inhibitoren), die kürzlich als systemische Behandlungsoptionen eingeführt wurden. Obwohl einzelne Patienten, die auf Immun-Checkpoint-Inhibitoren ansprechen, eine außergewöhnliche langfristige Reaktion zeigen, scheint die Mehrheit der Patienten (> 70%) keinen Nutzen davon zu tragen (Rosenberg, Hoffman-Censits et al. 2016, Bellmunt, de Wit et al. 2017, Sharma, Retz et al. 2017, Powles, Duran et al. 2018). Sowohl im palliativen als auch im perioperativen Setting ist daher die Frage wichtig, wie die onkologische Ergebnisqualität in der Systemtherapie urothelialer Karzinome verbessert werden kann. Zur Verbesserung der onkologischen Ergebnisqualität wurde im Jahr 2016 erstmalig eine deutsche S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Harnblasenkarzinoms veröffentlicht, die auch Grundlage aktueller Zertifizierungsprozesse ist. Das allerdings in jüngster Vergangenheit eine Reihe eine Vielzahl Phase III Studien, insbesondere zur Systemtherapie, aber auch in anderen Bereichen (z.B. lokale Therapien des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms, Tumorklassifikation) veröffentlicht wurden sowie aktuell durchgeführt werden, sind die Empfehlungen dieser S3-Leitlinie trotz eines Updates im Jahr 2019 nicht mehr auf dem neusten Stand bzw. stehen hier kurzfristige Änderungen an. Daher ist eine Aktualisierung der S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom dringend geboten. Durch diese soll auch die Grundlage geschaffen werden um nach einer vollständigen Überarbeitung zukünft im Sinne einer „living guideline“ flexibler auf Neuerungen in der klinischen Versorgung reagieren zu können. 

Zielorientierung der Leitlinie:

Ziel dieser interdisziplinären Leitlinie ist die Förderung und Weiterentwicklung von Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Prognostik, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms.

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Markus Follmann MPH, MSc

i.A. des Leitlinienprogramms Onkologie der AWMF, DKG und DKH
Berlin

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. (DGN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP)Visitenkarte

Deutsche Röntgengesellschaft, Gesellschaft für Medizinische Radiologie e.V. (DRG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V. (DGRW)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Interdisziplinäre Arbeitsgruppe BlasenCarcinom (IABC) der DKG (mit-federführend)

Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie der DKG, AIO

Arbeitsgemeinschaft Onkologische Pathologie der DKG, AOP

Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin der DKG, APM

Arbeitsgemeinschaft für radiologische Onkologie der DKG, ARO

Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der DKG, ASORS

Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie e.V. (AUO) der DKG

Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.

Berufsverband Deutscher Urologen e.V.

Berufsverband der niedergelassenen Hämatologen und internistischen Onkologen in Deutschland e.V. (BNHO)

Deutscher Forschungsverbund Blasenkarzinom e.V.

Fachverband Stoma und Inkontinenz e.V

Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege der DKG, KOK

Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der DKG, PSO

Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.

Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie (PRIO) der DKG

Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK)

Arbeitsgemeinschaft Bildgebung in der Onkologie (ABO) der DKG

Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten e.V. (BVDST)

Deutscher Verband der Ergotherapeuten (DVE) e.V.

Arbeitsgemeinschaft erbliche Tumorerkrankungen (AET)

Arbeitskreis onkologische Rehabilitation der DGHO e. V. (AKOR)

Leitliniensekretariat:

Heidrun Rexer

MeckEvidence
Leitliniensekretariat S3-Blasenkarzinom
Seestr. 11
17252 Schwarz

Tel.: 039827/79 677

e-Mail senden

Koordination:

Univ.-Prof. Dr. med. Jürgen E. Gschwend

Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der
Technischen Universität München
Ismaninger Strasse 22
81675 München

 

Prof. Dr. med. Margitta Retz

Bereichsleitung Urologische Onkologie
Klinikum rechts der Isar der
Technischen Universität München
Ismaninger Strasse 22
81675 München

 

Univ.-Prof. Dr. Günter Niegisch

Klinik für Urologie
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf

Adressaten:

Ärzte in der ambulanten und stationären Versorgung sowie Rehabilitations- und Palliativeinrichtungen; Pflegekräfte in der ambulanten und stationären Versorgung sowie Rehabilitations- und Palliativeinrichtungen und dient zur Information von Nichtärztlichem medizinischem Personal (Medizinisch-technische Assistenten, Radiologisch-technische Assistenten, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten und Stomatherapeuten, Medizinische Dokumentare) in der ambulanten und stationären Versorgung sowie Rehabilitations- und Palliativeinrichtungen; Altenpflegekräfte in geriatrischen Einrichtungen, da diese Erkrankung mit den entsprechenden Harnableitungen häufig in hohem Alter auftritt; Mitarbeiter in Onkologischen Krebsberatungsstellen Selbsthilfegruppen; Mitarbeiter im Gesundheitswesen für das Tumorregister, Gesundheitsämter und statistische Ämter; Mitarbeiter in Versicherungen und Krankenkassen 

Versorgungssektor:

Versorgungssektoren: ambulant, stationär und teilstationär
Versorgungsabschnitte: Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Prognose, Therapie und Nachsorge
Versorgungsebenen: Ärzte-, Pflege- und Patientenebene

Patientenzielgruppe:

Erwachsene
Alle Stadien des Urothelkarzinoms der Harnblase 

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Die Methodik der Leitlinienerstellung folgt den Vorgaben des Regelwerks der AWMF. Zu Beginn des Erstellungsprozesses werden die zentralen Fragestellungen der Leitlinien von der Leitliniengruppe festgelegt und der primäre Modus zur Bearbeitung (systematische Recherche nach Primärstudien, primär Leitlinienadaptation, Expertenkonsens) der einzelnen Fragestellungen definiert. Für die Leitlinienadaptation werden zunächst Leitlinien systematisch recherchiert. Die thematisch relevanten Leitlinien werden anschließend hinsichtlich ihrer methodischen Qualität unter Verwendung der Domäne 3 des Deutschen Leitlinien-Bewertungs-Instruments (DELBI) bewertet. Leitlinien, die einen Domänenmittelwert > 0,5 erreichen, werden als potentiell adaptierbar angesehen und die Empfehlungen in einer Synopse extrahiert. Kann eine Schlüsselfrage nicht hinreichend durch Leitlinienadaptation bearbeitet werden, erfolgt eine ergänzende systematische Suche nach anderen Quellen aggregierter Evidenz (HTA-Berichte, Metaanalysen, systematische Reviews) in den Datenbanken der Cochrane Library und Medline (über die Pubmed-Suchoberfläche). Ergänzende systematische Recherchen nach Primärstudien erfolgen wiederum wenn weder durch die Leitlinienadaptation noch durch die anderen Quellen aggregierter Evidenz die Schlüsselfragen beantwortet werden können. In Abstimmung mit den Fachexperten werden relevante Publikationen in Evidenztabellen extrahiert und ihre Qualität formal methodisch nach den Kriterien der GRADE (Grading Recommendations Assesment, Development and Evaluation) Working Group bewertet. Folgende Bereiche werden bei GRADE für die Beurteilung der Qualität der Evidenz berücksichtigt: Biasrisiko, Konsistenz der Ergebnisse, Direktheit, Präzision der Ergebnisse, Publikationsbias, Größe der Effekte, Dosis-Wirkungsbeziehung und Auswirkung von möglichen Störfaktoren. Die Verabschiedung und Graduierung der Empfehlungen erfolgt im Rahmen eines formalen Konsensusverfahren, beispielsweise mit der Technik des Nominalen Gruppenprozesses oder ergänzend als formalisiertes schriftliches Abstimmungsverfahren (modifiziertes Delphiverfahren). 

Ergänzende Informationen:

Förderung durch das Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, DKG und DKH
(www.leitlinienprogramm-onkologie.de)