Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 032 - 034OL
Klassifikation S3

Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Endometriumkarzinom – als Living Guideline

Anmeldedatum:

28.05.2020

Geplante Fertigstellung:

28.02.2021

Gründe für die Themenwahl:

Seit der redaktionellen Fertigstellung der Version 1.0 dieser Leitlinie im April 2018 und dem Ende der zugrundeliegenden Literaturrecherchen (Anfang 2017) sind drei große randomisierte kontrollierte Studien zur adjuvanten Strahlen- und Chemotherapie des Endometriumkarzinoms publiziert worden. Die entsprechenden Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie, Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie) haben zu Recht schon während der Konsultationsphase verlangt, dass in 2019, wenn mit der Vollpublikation dieser Studien zu rechnen ist, eine kritische Reevaluation der diesbezüglichen Statements und Empfehlungen der Leitlinie erfolgen muss.  

Auch bezüglich der Methodik und Wertigkeit der Sentinel-Node-Biopsie bei der Behandlung des Endometriumkarzinoms sind seit dem Redaktionsschluss der Version 1.0 einige wichtige Studien publiziert worden, die dazu geführt haben, dass die Schweizer Mitglieder der Leitliniengruppe die Empfehlungen im entsprechenden Statement der Version 1.0 nicht mehr unterstützen. Hier ist es dringend erforderlich, die z.T. emotional geführte Diskussion durch eine sachliche Bewertung der Datenlage zu ersetzen, die evidenzbasierte Empfehlungen gibt.  

Bei der Bewertung des protektiven pharmakologischen Effekts des natürlichen Progesterons und seiner Derivate hinsichtlich der Entstehung des Endometriumkarzinoms sind seitens der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und der Deutschen Menopausegesellschaft Kritikpunkte an den entsprechenden Statements und Hintergrundtexten der Version 1.0 geäußert worden. Hier sollten die Statements nach erneuter Prüfung der Datenlage entweder bestätigt oder modifiziert werden.  

Das Prozedere hinsichtlich des immunhistochemischen Screenings auf das Vorliegen eines Lynch-Syndroms (evidenzbasierte Empfehlungen 10.5 und 10.6; konsensbasierte Empfehlung 10.6.1) war wegen Unklarheiten bei der Interpretation des Gendiagnostikgesetzes nur vorläufig festgelegt worden. In der jetzt geplanten Überarbeitung der Version 1.0 sollten klare Empfehlungen gegeben werden.

Weitere Desiderata, die während und auch nach der Konsultationsphase eingetroffen waren:

1. Bedarf einer Update-Literaturrecherche für den Themenbereich der early integration‘ in der Palliativversorgung, da auch hier neue Studien publiziert wurden. Zudem, aus dem gleichen Grund, für den Themenbereich der psychosozialen Betreuung.

2. Detaillierte Empfehlungen zur Omentektomie

3. Korrektur zur 8. Auflage der TNM-Klassifikation zum Nodalstatus mit der Angabe N2 bei befallenen paraaortalen Lymphknoten.

Zielorientierung der Leitlinie:

Die Zielorientierung der interdisziplinären S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Endometriumkarzinom beinhaltet die Information und Beratung von Frauen über die Diagnostik (klinisch, apparatetechnisch oder operativ), die verschiedenen Therapieoptionen (Operation, Bestrahlung, medikamentöse Behandlung) und insbesondere deren zeitliche und modulare Kombinationen in den verschiedenen Stadien der Erkrankung, d. h. Präkanzerosen, frühe Stadien, fortgeschrittene Stadien und Palliativsituation. Auch die Behandlung seltener histologischer Subtypen sowie erblicher Varianten wird thematisiert. Behandelt werden die Möglichkeiten zum Erhalt der Reproduktionsfähigkeit bei gleichzeitiger onkologischer Sicherheit.  

Behandelt werden weiterhin die Rehabilitationsmaßnahmen, die Nachsorge, die Palliativtherapie und die psychoonkologische Begleitung. Diese ist beim Endometriumkarzinom, das insbesondere nach Anwendung einer Bestrahlung das Sexualleben der Frauen im relevanten Ausmaß verändert, notwendig. Die Empfehlungen richten sich an behandelnde Ärztinnen und Ärzte, Pflegeberufe und medizinische Partner, die in die Behandlung von Patientinnen mit Endometriumkarzinom involviert sind. Durch die Aufarbeitung der Evidenzen wird die optimale Früherkennung und Diagnostik des Endometriumkarzinoms und seiner Vorstufen eruiert. Hier bestehen Potenziale zur Verbesserung der Früherkennung durch konsequente Beachtung entsprechender Symptome. Zum anderen besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit ein großes Potenzial zur Reduktion von unnötiger Beunruhigung und Kosten durch Vermeidung von nicht sinnvollen diagnostischen Maßnahmen.  

Durch eine evidenzbasierte risikoadaptierte Therapie können bei den Frauen mit Endometriumkarzinom mit geringem Risiko eine unnötige Radikalität bei der Operation und nicht sinnvolle adjuvante Strahlen- und/oder Chemotherapien vermieden werden. Dies reduziert zum einen deutlich die Therapie-induzierte Morbidität und erhöht die Lebensqualität der Patientinnen. Auf der anderen Seite werden unnötige Kosten vermieden. Für die Frauen mit einem Endometriumkarzinom mit hohem Rezidivrisiko definiert die Leitlinie die optimale operative Radikalität sowie die ggf. erforderliche adjuvante Chemotherapie und/oder adjuvante Strahlentherapie.  

Durch den evidenzbasierten optimalen Einsatz der verschiedenen Therapiemodalitäten sollten Überleben und Lebensqualität dieser Patientinnen verbessert werden. Die S3-Leitlinie zum Endometriumkarzinom ist eine Grundlage für die Arbeit der zertifizierten gynäkologischen Krebszentren. Die auf dieser Leitlinie basierenden Qualitätsindikatoren sind in den Zertifizierungsprozess dieser Zentren eingeflossen.

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Markus Follmann MPH, Msc

Berlin
i.A. des Leitlinienprogramms Onkologie der AWMF, DKG und DKH

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Humangenetik e.V. (GfH)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e. V. (DGN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)Visitenkarte

Deutsche Röntgengesellschaft e.V. (DRG)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin e.V.

Deutsche Menopause Gesellschaft e.V. (DMG)

Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie (AGE) e.V. der DGGG

Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege in der DKG (KOK)

Nord-Ostdeutsche Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie (NOGGO)

Arbeitsgemeinschaft erbliche Tumorerkrankungen (AET)

Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie der DKG, PSO

Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie der DKG, AIO

Arbeitsgemeinschaft Onkologische Pathologie der DKG, AOP

Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie (PRIO) der DKG

Arbeitsgemeinschaft für radiologische Onkologie der DKG, ARO

Arbeitsgemeinschaft für Onkologische Rehabilitation und Sozialmedizin (AGORS)

Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie in der DKG

Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der DKG, ASORS

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e.V. (ADT)

Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie der DKG, AGO

AGO Studiengruppe

Bundesarbeitsgemeinschaft leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe eV.

Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF)

Berufsverband Niedergelassener Gynäkologischer Onkologen in Deutschland e.V., BNGO

Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.

Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten e.V. (BVDST)

Bundesverband Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

Semi-Colon

Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (OEGGG, Experten ohne Stimmrecht)

Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG, Experten ohne Stimmrecht)

Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK)

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Leitliniensekretariat:

Saskia Erdogan, M.A.

Georg-August-Universität, Göttingen
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Robert-Koch-Straße 40
37075 Göttingen

Tel.: (+49)551 39 65549

Fax.: (+49)551 39 66 275

e-Mail senden

Koordination:

Prof. Dr. med. Günter Emons

(Göttingen)

Adressaten:

Die Empfehlungen der Leitlinie richten sich an alle Ärztinnen und Ärzte sowie Angehörige von Berufsgruppen, die mit der Versorgung von Patientinnen mit Endometriumkarzinom befasst sind. Dies sind vor allem Gynäkologen, Allgemeinmediziner, Radiologen, Pathologen, Radioonkologen, Hämatologen/Onkologen, Psychoonkologen, Palliativmediziner und Pflegekräfte.  

Die Leitlinie, insbesondere die Patientenversion, richtet sich ferner an alle an einem Endometriumkarzinom erkrankten Frauen sowie an deren Angehörige. Der Anwendungsbereich der Leitlinie umfasst den ambulanten und den stationären Versorgungssektor: Die Erkennung von Frühsymptomen und die Nachsorge liegt größtenteils im Arbeitsbereich der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, während die operative Behandlung im stationären Bereich stattfindet. Die Strahlentherapie und die medikamentöse Systemtherapie finden sowohl im Bereich der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen als auch in den entsprechenden Ambulanzen größerer Kliniken statt.  

Weitere Adressaten der Leitlinie sind:

·        die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbände;

·        Interessenvertretungen der Frauen (Frauengesundheitsorganisationen, Patienten- und Selbsthilfeorganisationen);

·        Qualitätssicherungseinrichtungen und Projekte auf Bundes- und Länderebene (AQUA, Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren usw.);

·        gesundheitspolitische Einrichtungen und Entscheidungsträger auf Bundes- und Länderebene;

·        Kostenträger.  

Durch die Mitarbeit von Mandatsträgern der österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe spricht die Leitlinie auch Ärzte, Patientinnen und entsprechende Einrichtungen in den deutschsprachigen Nachbarländern an.

Versorgungssektor:

 Als Versorgungsbereich für die Leitlinie gilt sowohl der ambulante als auch der stationäre Versorgungssektor. 

Patientenzielgruppe:

Die interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose,Therapie und Nachsorge des Endometriumkarzinoms (ICD-10 C54.1) umfasst Patientinnen mit Präkanzerosen (ICD-10 N85.1) und invasiven Karzinomen des Endometriums

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

 Es erfolgt die Aktualisierung im Rahmen eines Living-Guideline-Konzepts.  
Leitlinienadaptation
Ebenso wie in der Version 1.0 sollen auch im Update evidenzbasierte Leitlinien Berücksichtigung finden.
Eine neue Suche nach Leitlinien soll in den folgenden Datenbanken bzw. Suchoberflächen erfolgen:
·        http://www.g-i-n.net
·        http://www.guideline.gov/
·       http://www.awmf.org/leitlinien/leitlinien-suche.html
·        http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed
Eingeschlossen werden die Leitlinien, welche bei der Methodikbewertung (Domäne 3) einen Wert > 0,5 erhalten und den Qualitätskriterien entsprechen.  
Die Bewertung der gefundenen Leitlinien mit dem DELBI erfolgt mit Unterstützung durch das Office des Leitlinienprogramms Onkologie.  
Suche nach aggregierter Evidenz
Eine systematische Recherche nach Übersichtsarbeiten, Metaanalysen und Health Technology Assessment [HTA]-Berichten soll in folgenden Datenbanken erfolgen:
•         Cochrane Clinical Trials Database
•         PubMed  
Auswahl und Bewertung der Evidenz
Die vollständigen Ergebnisse der systematischen Recherchen sollen den Mitgliedern der Leitliniengruppe per E-Mail kommuniziert werden. Zudem werden sie online über eine Internetplattform zur Verfügung gestellt (Cloudspeicher).  
Die Literatursuche, Evidenzbewertung und Erstellung von Evidenztabellen wird zwischen Januar 2020 und Juni 2020 stattfinden. Die in den Recherchen identifizierte Literatur soll durch den Leitlinienkoordinator und die Experten einem Titel- und Abstractscreening unterzogen werden. Die ausgewählten Abstracts werden dann im Volltext angefordert und nach erneuter Sichtung und Kommentierung eingeschlossen, wenn die Volltexte als relevant und methodisch geeignet bewertet wurden. Die für Statements und Empfehlungen verwendeten Studien sollen in Evidenztabellen extrahiert werden. Die formal methodische Bewertung der Evidenz soll gemäß Oxford Centre for Evidence-based Medicine – Levels of Evidence (LoE) 2011 durch die „Clinical Guideline Services – UserGroup“ erfolgen.  
Konsensusfindung
Es soll in 2020, da die Entwicklung mehrerer Jahre zu berücksichtigen ist, eine eintägige Konsensuskonferenz durchgeführt werden. In den Folgejahren soll nach dem Konzept der Living Guideline möglichst komplett durch Telefonkonferenzen und Online-Abstimmungen entschieden werden, ob Änderungen erforderlich sind. Diese können dann auch online abgestimmt werden, nur bei Problemen ist eine Konsensuskonferenz geplant.

Ergänzende Informationen:

Living Guideline-Ansatz  

Förderung durch das Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe; weitere Informationen auch über das OL-Office (leitlinienprogramm[@]krebsgesellschaft.de)