Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 028 - 048
Klassifikation S2k

Autonomieförderung und Prävention von Zwangsmaßnahmen, Unterbringungen und freiheitsentziehenden Maßnahmen in der kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Behandlung

Anmeldedatum:

28.06.2021

Geplante Fertigstellung:

31.12.2023

Gründe für die Themenwahl:

In circa 6% der stationären kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Behandlungen kommt es zur Anwendung von Zwang, einer mit Freiheitsentziehung verbundenen Unterbringung und freiheitsentziehenden Maßnahmen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Möglichkeiten einer Reduktion von Zwangsmaßnahmen sind bis dato noch nicht hinreichend in der Praxis implementiert. Die für den Erwachsenenbereich erstellte S3-Leitlinie zu dieser Thematik ist wegen fachlicher und rechtlicher Unterschiede im KJP-Bereich nicht anwendbar. Zu Beginn des Leitlinienprozesses erscheint die Datenlage aus klinischen Studien, sowohl national als auch international zu gering für die Erstellung einer S3-Leitlinie, sodass S2k angestrebt wird.

Zielorientierung der Leitlinie:

Etablierung von Leitplanken für gute (klinische) Praxis in den beschriebenen Kontexten und damit Schaffung von Anknüpfungspunkten für Maßnahmen des Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung einschließlich der Implementierung von PDCA-Zyklen und Prozessen der Innovation und des Lernens.

Hierbei muss die klinische Praxis im KJP-Bereich an die Vorgaben der Gesetzgebung (§1631b BGB) und Rechtsprechung, Patientenrechtegesetz, etc. angepasst werden.

Verbindung zu vorhandenen Leitlinien anderer Fachgesellschaften:
Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Michael Brünger

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (BAG) (mit federführend)

Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP) (mit federführend)

Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Mitarbeiter/-innen des Pflege- und Erziehungsdienstes kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken und Abteilungen e. V. (mit-federführend)

Bundesverband der Angehörigen psychische Kranker (BApK)

Leitliniensekretariat:

Janine Kickbusch

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Koordination:

Dr. Michael Brünger

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Adressaten:

 Die Leitlinie richtet sich an Interdisziplinäre Teams in der kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Versorgung sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut*innen und dient zur Information für Ärzt*innen anderer Fachrichtungen, Psycholog*innen, Pflegekräfte, Pädagog*innen, Spezialtherapeut*innen. 

Versorgungssektor:

ambulant, stationär und teilstationär; Prävention

Patientenzielgruppe:

Kinder/Jugendliche

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Konsensfindung mit folgenden Beteiligten:

Delegierte der oben genannten Fachgesellschaften  

Vertreter folgender Verbände:

  1. DGKJP: Prof. Dr. Michael Kölch, Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann
  2. BAG-KJP: Prof. Dr. Renate Schepker, Dr. Michael Brünger
  3. BKJPP: Dr. Gundolf Berg, Dr. Annegret Brauer 
  4. BAG-PED-KJP: Victoria Kloos, Nadia Basarir

Ergänzende Informationen:

  • Spezifizierung Versorgungsbereich: Stationäre, teilstationäre und ambulante kinder- und jugendpsychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung in Deutschland einschließlich Maßregelvollzug Dies umfasst auch die Bereiche des Assertive Community Treatments (ACT) und Home Treatment bzw. aufsuchende Arbeit
  • Eventuelle Beteiligung weiterer Adressaten: Betroffene, Psychiatrie-Erfahrene, sorgeberechtigte Angehörige, Verfahrensbeistände im familiengerichtlichen Verfahren.
  • Verbindung/Verknüpfung zu LL 028-020 und LL 028-031: Es erfolgt die Einbeziehung der Leitlinien 028-020 „Störung des Sozialverhaltens“ und 028-031 „Suizidalität im Kindes- und Jugendalter“ einschließlich entsprechender Querverweise.
  • Repräsentativität in Bezug auf die Anwendergruppe: Als Definition der Anwendergruppen soll gelten: Alle Personen, die im Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie mit noch nicht Volljährigen arbeiten.
  • Zur Repräsentativität: Die Leitlinie steht im Bezug zum gesamten Aufgabengebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im ambulanten, teilstationären und stationären Arbeitsfeld einschließlich des Maßregelvollzugs für Jugendliche.
  • Beteiligung weiterer Fachgesellschaften: Die Gruppe steht im engen Austausch mit den Verfassern der entsprechenden Leitlinie für das Erwachsenenalter. Eine direkte Einbeziehung erfolgt nicht wegen der grundsätzlich unterschiedlichen fachlichen und rechtlichen Voraussetzungen, insbesondere nach dem 5. Buch des BGB (Familienrecht). Spezifische psychotherapeutische Schulen werden explizit nicht eingebunden, da eine übergreifende Leitlinie entsteht und eine Vollständigkeit der Einbindung sämtlicher psychotherapeutischer Ausrichtungen nicht gewährleistet werden könnte. Da eine medizinische Leitlinie erarbeitet wird ist die Einbindung der Jugendgerichte und der Jugendgerichtshilfe entbehrlich.
  • Berücksichtigung der Patientenperspektive, Einbindung der Patientenvertretung oder Selbsthilfeorganisation: Die Organisation einer Selbsthilfegruppe, die explizit die Interessen von Kindern und Jugendlichen als Patient/-innen der Kinder- und Jugendpsychiatrie selbständig vertreten, existiert in Deutschland nicht. Wir gewährleisten die Einbindung der VerfasserInnen des „Offenen Briefes“ von 2019 als Psychiatrie-Erfahrene über den Jugendhilferechtsverein e. V. Dresden. Es handelt sich um sechs Vertreterinnen aus dem Kreis der damaligen Verfasser/-innen, die ausnahmslos Patient/-innen der Kinder- und Jugendpsychiatrie waren, inzwischen aber das Erwachsenenalter erreicht haben. In indirekter Form soll die Patientenperspektive aus Feedbackbögen von kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken in Deutschland abgebildet werden. Es handelt sich um ein von der Universität Ulm koordiniertes Benchmark-Projekt, an dem acht deutsche Kliniken über mehrere Jahre hinweg teilgenommen haben.
  • Gewährleistung neutraler Moderation des strukturierten Konsensverfahren: Eine neutrale Moderation in den Konsensus-Workshops wird durch die Auswahl einer entsprechend geschulten Person gewährleistet. Die AWMF-Empfehlungen zum strukturierten Konsensverfahren sind als Basis der Konsensus-Workshops vorgesehen.