Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 013 - 099
Klassifikation S3

Management der Urethritis bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen (Akronym: S3-MUM) - Living Guideline

Anmeldedatum:

24.12.2020

Geplante Fertigstellung:

31.12.2023

Gründe für die Themenwahl:

Die akute, symptomatische Urethritis wird in erster Linie durch sexuell übertragene bakterielle Pathogene (v.a. C. trachomatis, N. gonorrhoeae, M. genitalium) verursacht. Weltweit gehören Infektionen mit C. trachomatis und N. gonorrhoeae mit 127 bzw. 86 Mio. jährlich auftretenden Fällen zu den häufigsten behandlungsbedürftigen Infektionserkrankungen. M. genitalium ist für bis zu 30% der Urethritiden bei Männern verantwortlich und Koinfektionen, insbesondere von M. genitalium und C. trachomatis, aber auch von N. gonorrhoeae und C. trachomatis sind häufig. Daten aus einem Bevölkerungs-repräsentativen Survey des RKI (DEGS) zeigen die höchsten Prävalenzen von C. trachomatis für Frauen mit 2,3% bei 18-24-Jährigen und für Männer mit 3,5% bei 25-29-Jährigen. Ausschließlich in Sachsen besteht eine (allgemeine) Meldepflicht für den Nachweis von Chlamydien und Gonokokken – bei Gonokokken zeigt sich eine Verzehnfachung der gemeldeten Infektionen zwischen 2001 und 2018.  

2018 waren Männer mehr als doppelt so häufig mit Gonokokken infiziert wie Frauen. Studiendaten legen nahe, dass Infektionen mit den bakteriellen Erregern der Urethritis bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung gehäuft auftreten. Die zunehmend verbreitete Nutzung der hocheffektiven HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) stellt die Versorgung von bakteriellen STIs vor Herausforderungen.  

Gonokokken haben gegenüber allen ehemals als First-Line Therapie empfohlenen Antibiotika Resistenzen entwickelt. Gegenüber Azithromycin bestehen europaweit und in Deutschland mittlerweile in einem erheblichen Anteil der Gonokokken-Isolate Resistenzen, während zugleich der Anteil an Isolaten mit verminderter Suszeptibilität gegenüber Ceftriaxon zunimmt. In besonderem Maße beunruhigend sind Fälle von ‚extensively drug resistant‘ (XDR) N. gonorrhoeae-Isolaten. Auch M. genitalium weist problematische und weltweit zunehmende Resistenzen auf. In einer Studie zeigten sich bei MSM in Berlin Resistenzen gegenüber Azithromycin in nahezu 80% und gegenüber Fluorchinolonen in 13%. Die neben der Kombinations-Behandlung mit Azithromycin und Moxifloxacin verbleibende Therapieoptionen für M. genitalium besteht aus dem nur über die internationale Apotheke verfügbaren Pristinamycin.  

Die aktuell für die Gonokokkeninfektion im Regelfall empfohlene duale Therapie, nach der neben Ceftriaxon die Verordnung von Azithromycin 1,5g p.o. einmalig indiziert ist, steht unter dem Verdacht, bei Vorliegen einer Koinfektion mit Mykoplasmen deren Resistenzen gegenüber Azithromycin zu befördern. Ein analoges Problem resultiert für die kalkulierte Behandlung der nicht-gonorrhoischen Urethritis, wenn eine Doxycyclin-Unverträglichkeit besteht: in diesem Fall besteht das leitliniengerechte Regime für die Behandlung von Chlamydieninfektionen ebenfalls in der Verordnung von Azithromycin 1,5g p.o. einmalig. Es liegen Daten vor, die nahelegen, dass eine Behandlung von Chlamydien mit dem 5-Tage-Regime von Azithromycin ebenso effektiv ist, wie die einmalige Behandlung mit 1,5g p.o.,10 jedoch in geringerem Ausmaß Resistenzen bei möglicher Koinfektion mit Mykoplasmen induziert. Diese Überlegungen verdeutlichen, dass bei der Empfehlung einer sachgerechten kalkulierten Antibiotikabehandlung die Betrachtung einzelner Urethritis-Erreger die Versorgungslage nur unzureichend abbildet.  

Für die ärztlichen und nicht-ärztlichen Gesundheitsversorger*innen resultieren erhebliche Unsicherheiten, die zur Heterogenität der Versorgungslage in Deutschland beitragen. Hinsichtlich einzelner bakterieller Pathogene (v.a. M. genitalium, Ureaplasmen) bestehen je nach professionellem Kontext (z.B. Uniklinikum vs. Praxis vs. Community-nahe Versorgungszentren) sehr widersprüchliche Bewertungen der Test- und Behandlungsbedürftigkeit. Eine systematische Aufarbeitung der infektionsepidemiologischen Relevanz, eine evidenzbasierte Aufarbeitung von Nutzen und Schaden spezifischer Behandlungsstrategien und ein integrierter, symptomorientierter Ansatz können in der Lage sein, diese Diskussionen zu versachlichen und Über-, Unter- und Fehlversorgung zu vermeiden („Antibiotic Stewardship“). Das angemeldete Leitlinienprojekt intendiert als kontinuierlich und systematisch aktualisierte „Living Guideline“ unter Berücksichtigung der Antibiotikasuszeptibilität der relevanten Erreger neben einer Harmonisierung der Versorgung auch eine Kostensenkung in der Versorgung: durch einen rationalen Antibiotikaeinsatz sollen Infektionsketten effizient unterbrochen, ineffektive Mehrfachbehandlungen eingedämmt und eine Beförderung weiterer Resistenzen vermindert werden.    

Zielorientierung der Leitlinie:

Förderung eines evidenzbasierten, symptom-orientierten, integrativen Ansatzes zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der sexuell übertragenen Urethritiden:
Die sexuell übertragene Urethritis wird in erster Linie durch bakterielle Pathogene (Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae und Mycoplasma genitalium) verursacht. Je nach verursachendem Erreger kann es zu unterschiedlich ausgeprägten Manifestationen kommen, jedoch ist weder die Unterscheidung der Erreger noch der Ausschluss von Koinfektionen alleine aufgrund anamnestischer und klinischer Merkmale sicher möglich. In der klinisch-praktischen Versorgungssituation ist jedoch im Regelfall, noch vor Erhalt des mikrobiologischen oder laborchemischen Erregernachweises, die Einleitung einer kalkulierten antibiotischen Therapie indiziert. In Deutschland liegen konsensbasierte (S2k) Leitlinien zur Diagnostik und Therapie separat für verschiedene auslösende Pathogene (N. gonorrhoeae, C. trachomatis, in Erstellung: Mykoplasmen/Ureaplasmen) vor, die jedoch als Erreger-spezifische Leitlinien der klinischen-praktischen Versorgungsrealität eines symptom-orientierten integrativen Ansatzes nicht vollständig gerecht werden.

Eindämmung von Antibiotikaresistenzen bakterieller Erreger von Urethritiden durch sachgerechte und evidenzbasierte Antibiotikaverordnungen (Antibiotic Stewardship):
Epidemiologische Daten verdeutlichen die Häufigkeit der Prävalenz von Koinfektionen mit verschiedenen bakteriellen Erregern, insbesondere von M. genitalium als Koinfektion der urethralen Gonorrhoe und Chlamydieninfektion. Vor dem Hintergrund der problematischen Resistenzlage von N. gonorrhoeae und M. genitalium besteht erhebliche Unsicherheit bezüglich der Leitlinien-basierten dualen antibiotischen Therapie der Gonorrhoe und des Anwendungsschemas von Azithromycin zur Behandlung der Nicht-gonorrhoischen Urethritis (NGU) im Fall von Doxycyclin-Unverträglichkeiten. Die beantragte Leitlinie soll durch die systematische, Erreger-übergreifende, symptom-orientierte Herangehensweise der komplexen Versorgungsrealität Rechnung tragen. Dies beinhaltet die Abwägung erwünschter und unerwünschter Effekte von Versorgungsstrategien unter Berücksichtigung von Koinfektionen, Suszeptibilitäten und der Resistenzlage aller für das Geschehen relevanten bakteriellen Erreger. Einer Über-, Unter- und Fehlversorgung mit Antibiotika soll auf dieser Grundlage durch Anwendung der Leitlinie möglichst weit vorgebeugt werden („Antibiotic Stewardship“). Eine jährliche strukturierte Überprüfung des Aktualisierungsbedarfs durch die Steuergruppe in Kooperation mit dem RKI und den Konsiliarlaboren soll im Folgenden die Aktualität der Leitlinienempfehlungen gewährleisten.  

Harmonisierung der heterogenen Versorgungslage in Deutschland, insbesondere hinsichtlich Diagnostik und Therapie:
Im Rahmen der Erstellung der beantragten S3-Leitlinie soll unter Berücksichtigung systematisch erfasster Evidenz zur Erreger-Epidemiologie und Effektivität antibiotischer Therapien sowie aktueller Daten zur mikrobiellen Resistenzlage in Deutschland ein diagnostischer und therapeutischer Algorithmus erarbeitet und konsentiert werden, der eine Leitsymptom-orientierte und praktische Übersicht über ein standardisiertes Vorgehen für das Management von Patienten mit Symptomen einer Urethritis beinhaltet. Hierbei sollen Empfehlungen zu den folgenden Fragestellungen erstellt werden:
•        Durchzuführende Diagnostik in Abhängigkeit von anamnestischen Angaben und der Klinik (z.B. Erreger-spez. PCR-Diagnostik, mikrobiologische Kultur, Point-of-Care-Tests)
•        Indikationen zur Durchführung einer kalkulierten antibiotischen Therapie ohne Vorliegen eines mikrobiologischen bzw. laborchemischen Erregernachweises
•        Art der kalkulierten antibiotischen Therapie in Abhängigkeit von Anamnese, Klinik und Ergebnissen der initialen Diagnostik (z.B. Inspektion, Methylenblau-Färbung)
•        Art der antibiotischen Therapie bei Vorliegen eines mikrobiologischen bzw. laborche-mischen Erregernachweises und Ausschluss relevanter Koinfektionen.  

Reduktion der Transmission und der Inzidenz weiterer STIs: Sensibilisierung für relevante Aspekte in der ärztlichen Aufklärung und Prävention:
Darüber hinaus soll die Erstellung eines übersichtlichen und umfassenden Algorithmus Unsicherheiten im Umgang mit dem betreffenden Patientenkollektiv nehmen und für relevante Aspekte der Aufklärung, Prävention und Nachsorge zusätzlich sensibilisieren:
•        Reduktion der weiteren Transmission: Sexuelle Karenz bis zum Therapieerfolg, Notwendigkeit der Partner*innen-Benachrichtigung bzw. –Therapie, Ausschluss anderer STIs (z.B. HIV, Syphilis, virale Hepatitiden)
•        Reduktion des individuellen Risikos für weitere STIs: Aufklärung über allgemeine Maßnahmen (z.B. Kondomgebrauch), Indikationen zur Aufklärung über HIV-Präventionsmaßnahmen (z.B. HIV-Prä- und Postexpositionsprophylaxe (PrEP und PEP)), Aufklärung über Impfungen zur Prävention von STIs (z.B. Hepatitis A/B, HPV)
•        Nachsorge: Terminierung einer Kontrolluntersuchung, ggf. Anpassung der Antibiose.  

Systematische Identifikation von offenen Forschungsfragen und konsensbasierte Erarbeitung klinisch relevanter wissenschaftlicher Folgeprojekte:
Im Rahmen der systematischen Aufarbeitung der verfügbaren Evidenz und der strukturierten Erarbeitung von Empfehlungen offenbaren sich klinisch relevante Fragestellungen, die innerhalb der interdisziplinären Leitlinienkommission aufgrund unterschiedlicher Einschätzungen bei einer unzureichenden Evidenzgrundlage zu Diskussionen führen. Daher eignet sich eine evidenz- und konsensbasierten S3-Leitlinie nicht nur als Instrument der Qualitätssicherung, sondern der Prozess ihrer Entwicklung auch zur Identifikation und Bewertung klinisch relevanter Forschungsfragen. Diese können Grundlage für die Planung wissenschaftlicher Folgeprojekte und bundesweiter Forschungsnetzwerke sein. Im Rahmen des vorliegenden Projektantrags wird dieses Potenzial für die Identifikation und Bewertung von Forschungsbedarfen konsequent in die Entwicklung von Empfehlungen integriert.   

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. med. Ricardo N. Werner, Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG)Visitenkarte

Deutsche STI-Gesellschaft e.V. (DSTIG) - Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen GesundheitVisitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)Visitenkarte

Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)Visitenkarte

Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. (PEG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Andrologie e.V. (DGA)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V. (ÄGGF)

Robert Koch-Institut (RKI)

Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V., BVDD

Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e. V. (BVÖGD)

Kompetenznetz HIV/AIDS

Deutsche AIDS-Hilfe (DAH)

Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte für die Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ e.V.)

Aktivist*innengruppe „PrEP-jetzt“

Leitliniensekretariat:

Martin Dittmann

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Division of Evidence-Based Medicine (dEBM)
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin

e-Mail senden

Koordination:

Dr. med. Ricardo N. Werner

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Division of Evidence-Based Medicine (dEBM)
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin

e-Mail senden

Adressaten:

Ärztliche und nicht-ärztliche Gesundheitsdienstleister*innen, die in die (überwiegend ambulante) Versorgung des o.g. Patientenkollektivs involviert sind. Dies umfasst die Fachbereiche Allgemeinmedizin, Dermatologie/ Venerologie, Urologie, Innere Medizin, Infektiologie, HIV-Schwerpunkt, Pädiatrie, Gynäkologie (Partner*innentherapie) sowie die Versorgungsstrukturen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der STI- und HIV-Beratungsstellen in freier Trägerschaft.

Versorgungssektor:

ambulant

Diagnostik, Therapie

primärärztliche Versorgung, spezialärztliche Versorgung 

Patientenzielgruppe:

 Männliche* Jugendliche und Erwachsene mit Symptomen (Dysurie, Ausfluss) einer sexuell übertragenen Urethritis.  

*Anmerkung: der Begriff „männlich“ in der vorliegenden Leitlinienanmeldung schließt, unabhängig von deren geschlechtlicher Identität, alle Personen mit genital männlichem Phänotypen ein. 

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

De novo-Erstellung einer evidenz- und konsensbasierten S3-Leitlinie mit systematischer Aufarbeitung der vorliegenden Evidenz, repräsentativer Leitlinienkommission und strukturierter Konsensfindung nach den Vorgaben des AWMF-Regelwerks. Für den Evidenzbericht werden die Vorgaben nach Cochrane und GRADE berücksichtigt. Empfehlungen zu diagnostischen und therapeutischen Fragestellungen werden evidenzbasiert erarbeitet. Empfehlungen zur Beratung, Prävention und Nachsorge werden teils evidenzbasiert (z.B. Ausschluss weiterer STIs) und teils unter Verweis auf bestehende Leitlinien (z.B. PrEP, HPV-Impfung) erstellt. Eine regelmäßige strukturierte Prüfung der Aktualität der LL-Empfehlungen (im Sinne einer „Living Guideline“) ist geplant.  

Steuergruppe, Projektkoordination/Leitliniensekretariat und Methodengruppe: Die Steuergruppe plant vorbereitend die Leitlinieninhalte und Evidenzaufarbeitung und moderiert Konflikte in der Leitlinienkommission. Die Steuergruppe ist zudem für die jährlich geplante Prüfung der Aktualität verantwortlich. Projektkoordination und Leitliniensekretariat sind an der dEBM und DSTIG angesiedelt und umfassen u.a. die Kommunikation mit Beteiligten, Einhaltung des Zeitplans, Organisation der Konferenzen, Steuerung und Koordination der Arbeitsgruppen, Unterstützung bei der Erstellung von Entwürfen, redaktionelle Bearbeitung und Formatierung von Leitliniendokumenten, Organisation der externen Begutachtung, Publikation und Disseminierung der Leitlinie. Die Methodengruppe setzt sich aus Personen mit Erfahrung in der Durchführung systematischer Reviews, Metaanalysen und epidemiologischer Studien zusammen. Sie ist für die Planung und Durchführung methodischer Schritte der Leitlinienentwicklung sowie für die Erstellung des Evidenzberichts (u.a. Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur, Erstellung von Evidenztabellen, Zusammenfassungen, Publikationen) und Leitlinienreports zuständig.  

Repräsentative Leitlinienkommission unter Beteiligung aller Interessengruppen: Die Mitglieder der Leitlinienkommission werden unter repräsentativer Beteiligung der Interessengruppen von den beteiligten Fachgesellschaften und Organisationen nominiert. Diese umfassen federführend die DSTIG und die DDG sowie als beteiligte Fachgesellschaften die Deutsche AIDS Gesellschaft (DAIG), die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DE-GAM), die Deutsche Gesellschaft für Andrologie (DGA), die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI), die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI), die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU), die Paul Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), und die folgenden Organisationen / Institutionen: das Robert Koch-Institut (RKI), die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF), den Berufsverband der deutschen Dermatologen (BVDD), den Berufsverband des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), die Deut-sche AG niedergelassener Ärzte für die Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ), das Kompetenz-netz HIV/AIDS (KompNet). Da auch Empfehlungen zur Partner*innen-Therapie erstellt werden sollen, wird auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) um Beteiligung gebeten. Es besteht keine Patientenorganisation als spezifische Interessenvertretung für Patienten mit Urethritis, daher werden die Deutsche Aidshilfe (DAH) und die Aktivist*innengruppe „PrEP-jetzt“ angefragt, Mandatsträger*innen zu benennen.  

Erhebung und Management von Interessenkonflikten, redaktionelle Unabhängigkeit: Eine Erklärung der materiellen und immateriellen Interessen ist für alle Beteiligten zwingend erforderlich und wird mittels des von der AWMF zur Verfügung gestellten Formulars (V.2.5) erhoben. Der Umgang mit Interessenkonflikten erfolgt nach den Vorgaben der AWMF.  

Konsensuelle Festlegung der Leitlinienfragen einschließlich einer Festlegung und Priorisierung klinisch relevanter Endpunkte (therapeutische Fragestellungen):
Zur Festlegung der zu beantwortenden Leitlinienfragen wird eine Auftaktkonferenz unter neutraler Moderation durch eine*n AWMF-Leitlinienberater*in durchgeführt. Diese dient u.a. dazu, die Ein- und Ausschlusskriterien für die systematische Literaturrecherche und –auswertung in der Leitlinienkommission zu diskutieren und konsensuell festzulegen. Bei der Festlegung einzuschließender klinisch relevanter Endpunkte wird besonderes Augenmerk auf Patienten-relevante Endpunkte (z.B. Sistieren von Symptomen, unerwünschte Ereignisse) gelegt wer-den.  

Systematische Recherche, Auswahl und kritische Bewertung der Literatur: Alle im Folgenden dargestellten Schritte der systematischen Recherche, Auswahl und kritischen Bewertung der Literatur sowie die Datenextraktion aus eingeschlossenen Studien erfolgt durch zwei erfahrene und unabhängig voneinander arbeitende Wissenschaftler*innen (dEBM und RKI). Im Falle von Diskrepanzen erfolgt eine Diskussion und konsensuelle Entscheidungsfindung oder Involvierung einer weiteren Person. Nach Festlegung der evidenzbasiert zu beantwortenden Leitlinienfragen (Leitlinienkommission) erfolgen systematische Recherchen zunächst nach dem Vorliegen aggregierter Evidenz (evidenzbasierte Leitlinien, systematische Reviews). Identifizierte Leitlinien/systematische Reviews werden hinsichtlich ihrer inhaltlichen und methodischen Eignung bewertet (Leitlinien: Leitlinienbewertungsinstrument AGREE-II, Domäne 3; systematische Reviews: AMSTAR 2 tool). Je nach Vorliegen und Eignung aggregierter Evidenz erfolgen systematische Update- oder de novo-Recherchen nach Primärstudien (Pubmed, Embase und Cochrane CENTRAL sowie für therapeutische Fragestellungen in Registern klinischer Studien: clinicaltrials.gov, International Clinical Trials Registry Platform). Die Auswahl geeigneter Studien erfolgt in einem zweistufigen Verfahren (Titel-/Abstract-Screening, Volltextbewertung), die Datenextraktion anhand standardisierter Tabellen. Eine Bewertung der eingeschlossenen Studien erfolgt mit Hilfe des Risk of Bias-II tools von Cochrane für RCTs bzw. ROBINS-I von Cochrane für nicht-randomisierte Studien. Diagnostic accuracy-Studien werden mit der Checkliste QUADAS-2 und Studien zur Schätzung der Prävalenz mit der Checkliste von Hoy et al. bewertet. Zur systematischen Bewertung, Analyse und Darstellung eingeschlossener Studien und ihrer Ergebnisse wird das GRADE System verwendet. Soweit möglich und klinisch wie statistisch sinnvoll, erfolgt die Berechnung (gepoolter) Effektschätzer (Software: Review Manager, Version 5.3, Copenhagen: The Nordic Cochrane Centre, The Cochrane Collaboration, 2014; und STATA Statistical Software: Release 16. College Station, TX: StataCorp LLC). Die Bewertung des Vertrauens in die Effektschätzer73 erfolgt wie in der GRADE-Methodik vorgegeben Outcome-bezogen aufgrund der Bewertung verschiedener Faktoren (Risk of Bias, Präzision, Konsistenz, Direktheit, Publikationsbias).  

Berichte zur aktuellen regionalen / bundesweiten Resistenzlage (RKI/Konsiliarlabore): Um eine aktuelle und lokal relevante Einschätzung der Resistenzlage zu gewährleisten, werden Berichte Konsiliarlabore für Chlamydien, Gonokokken und Mykoplasmen eingeholt. Die Berichte der Konsiliarlabore werden hinsichtlich des Risikos für systematische Verzerrungen wie Daten aus Kohortenstudien bewertet (Checkliste nach Hoy et al.). Die von den Konsiliarlaboren berichteten Daten werden in die Summary-of-Findings-Tabellen sowie in die Evidence-to-Decision-Frameworks integriert (s.u.).  

GRADE Summary-of-Findings-Tabellen und Evidence-to-Decision-Frameworks: Um eine systematische und strukturierte Diskussion und Konsentierung der Empfehlungen zu gewährleisten, werden für die Darstellung der Ergebnisse der systematischen Literaturrecherchen sowie der Berichte der Konsiliarlabore GRADE Summary-of-Findings (SoF) Tabellen und Evidence-to-Decision (EtD) frameworks verwendet.  

Strukturierte Konsensfindung entlang standardisierter Empfehlungsgrade (GRADE): Die Konsentierung von Empfehlungen erfolgt im Rahmen einer strukturierten Konsensuskonferenz unter neutraler Moderation durch eine*n AWMF-Leitlinienberater*in. Stimmberechtigt sind die Mitglieder der repräsentativen Leitlinienkommission. Einschränkungen des Stimmrechts erfolgen ggf. unter Berücksichtigung vorliegender Interessenkonflikte. Im Rahmen der strukturierten Konsensfindung erfolgt zunächst eine Darlegung der Evidenzlage und der in den Arbeitsgruppen vorbereiteten Empfehlungen mit anschließender Diskussion. Empfehlungsentwürfe werden von jedem Mitglied der Leitlinienkommission kommentiert, abweichende Vorschläge notiert. Nach Reihendiskussion, Vorabstimmung und Diskussion erfolgt die endgültige Abstimmung. Für alle zu konsentierenden Empfehlungen wird ein starker Konsens (>95%) angestrebt; bei fehlendem Konsens erfolgt eine Angabe zur uneinheitlichen Entscheidungssituation. Die Graduierung der Empfehlungsstärke orientiert sich an den Vorgaben der GRADE Arbeitsgruppe. Es wird eine einheitliche Wortwahl und Symbolik zur Repräsentation der Empfehlungsstärken verwendet. Die Determinierung der Empfehlungsstärke orientiert sich am Verhältnis der zu erwartenden Nutzen und Risiken einer therapeutischen oder diagnostischen Strategie, dem Vertrauen in die aus der systematischen Evidenzaufarbeitung abgeleiteten Effekte und der Variabilität von Werten und Präferenzen auf Seiten der Patienten. Des Weiteren zu berücksichtigen sind gesundheitsökonomische Aspekte.  

Erarbeitung klinisch relevanter Forschungsfragen für wissenschaftliche Folgeprojekte: Im Rahmen der Erarbeitung von Empfehlungen offenbaren sich klinisch relevante Fragestellungen, die innerhalb der Leitlinienkommission bei einer unzureichenden Evidenzgrundlage zu Diskussionen führen. Im Rahmen der Konsensuskonferenz werden diese Diskussionen strukturiert aufgegriffen, um konsensuell klinisch relevante Forschungsfragen zu identifizieren und Vorschläge für entsprechende Forschungsdesigns zu entwickeln.

Externe Begutachtung, strukturierte Bearbeitung der Kommentare: Nach Erstellung der finalisierten Konsultationsfassung erfolgt die externe Begutachtung der Leitlinie. Hierzu werden die Leitliniendokumente allen beteiligten medizinischen Fachgesellschaften und Interessengruppen zur Kommentierung zur Verfügung gestellt (Konsultation durch Peers). Hierbei wird die Konsultationsfassung auch öffentlich zugänglich und durch alle Interessierten kommentierbar sein (öffentliche Konsultationsphase). Kommentare zur Leitlinie werden durch die Leitlinienkoordination und Steuergruppe gesichtet und anschließend je nach Relevanz in der gesamten Leitlinienkommission diskutiert.  

Publikation und Maßnahmen zur Implementierung: Die auf den Seiten der AWMF zu publizierenden Leitliniendokumente umfassen (a) eine Langfassung mit umfassenden erklärenden Hintergrundtexten, (b) eine übersichtliche Kurzfassung, die ausschließlich die wichtigsten praxisrelevanten Empfehlungen enthält und (c) einen entlang der Empfehlungen entwickelten, konsentierten diagnostischen und therapeutischen Algorithmus, der das Management von Patienten mit Urethritis übersichtlich darstellt. Maßnahmen zur Implementierung der Leitlinienempfehlungen in die Versorgungslandschaft werden durch die beteiligten Fachgesellschaften aktiv befördert.  

Strukturierte Überprüfung der Aktualität der Leitlinienempfehlungen: Die Aktualität der Leitlinienempfehlungen und Bedarf für eine Anpassung aufgrund der dynamischen Resistenzlage wird in einem jährlich geplanten strukturierten Prozess geprüft. Verantwortlich ist die Steuergruppe, die hierfür (1) die Mitglieder der Leitlinienkommission befragt, (2) externe Kommentare sammelt und bewertet, und (3) Berichte der Konsiliarlabore/des RKI einholt. Zur Diskussion des Aktualisierungsbedarfs in Zusammenschau der Ergebnisse dieses Prozesses werden die Mitglieder der Leitlinienkommission eingeladen.   

Ergänzende Informationen:

Die Finanzierung der Leitlinienerstellung wurde beim G-BA (Innovationsfonds) beantragt. Die Erstellung der hier angemeldeten Leitlinie erfolgt vorbehaltlich einer Förderzusage. Die Leitlinienerstellung erfolgt redaktionell und inhaltlich unabhängig von der Finanzierung und richtet sich nach den Vorgaben der AWMF für die Leitlinienentwicklung.