Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 013 - 024
Klassifikation S3

Psychosomatische Dermatologie

Anmeldedatum:

20.09.2022

Geplante Fertigstellung:

30.06.2025

Gründe für die Themenwahl:

Patient:innen mit Hauterkrankungen (z.B. Neurodermitis, Psoriasis, Urtikaria, Akne vulgaris, malignes Melanom u.a.) haben im Vergleich zu hautgesunden Menschen mehr psychische Belastungen bzw. häufiger eine psychische Erkrankung wie z.B. eine Depression, eine Angsterkrankung oder eine körperdysmorphe Störung (mind. 30% der Patient:innen). Zudem sind besonders belastende Hautsymptome wie der Juckreiz mit psychischen Belastungsfaktoren wie Stress, Depression oder erhöhter Selbstaufmerksamkeit verknüpft. Für eine effiziente Behandlung betroffener Patient:innen gilt es diese Zusammenhänge zu durchbrechen. Erprobte psychotherapeutische Interventionen reichen von achtsamkeitsbasierten Interventionen, Entspannungstrainings und Habit-Reversal-Trainings über Verhaltenstherapie und psychodynamische Therapie bis zur multimodalen stationären psychodermatologischen Behandlung und zeigen in verschiedenen Studien positive Effekte zum einen auf den Hautzustand und zum anderen auf psychische Faktoren in der Behandlung von Patient:innen mit chronischen Hauterkrankungen. Diese Erkenntnisse machen es notwendig, bei Patient:innen mit dermatologischen Erkrankungen neben der Verwendung unterschiedlicher externer und interner Pharmazeutika auch eine psychologische Diagnostik und ggf. Einleitung psychotherapeutischer Interventionen zu erwägen mit dem Ziel eine nachhaltige Krankheits-Verbesserung zu erzielen.

Zielorientierung der Leitlinie:

Ziel der Aufwertung der Leitlinie ist es, Behandler:innen von Patient:innen mit dermatologischen Erkrankungen (Allgemeinärzt:innen, Dermatolog:innen, Rehabilitationsmediziner:innen) sowie den Patient:innen selbst einen evidenzbasierten, aktuellen Überblick über die Rolle von psychosozialen Faktoren bei Hauterkrankungen zu liefern. Gemäß europäischer Multicenter-Studien liegen klinisch relevante Symptome der Angst, Depression, der körperdysmorphen Störung u.w. bei Patient:innen mit Hauterkrankungen im Vergleich zu hautgesunden Personen signifikant häufiger vor. Bei Vorliegen solcher Symptome ist mit einer deutlich schlechteren Prognose, Behandlungseffizienz, Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und langfristig sogar mit einer kürzeren Lebenserwartung zu rechnen.

Frustrierende Behandlungserlebnisse führen zudem zu hohen Kosten z.B. durch häufige Ärzt:innenwechsel oder vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. Frühzeitige fachgerechte Intervention hat hier ein hohes Potential, die Behandlung und Gesundheit positiv zu beeinflussen und Kosten durch Hauterkrankungen für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft zu senken.  

Psychosoziale Aspekte können zum einen Folge einer Hauterkrankung sein, andererseits aber auch dazu beitragen, dass sich Symptome steigern oder nicht kontrolliert werden können. Einzelne Arbeiten weisen zudem höhere Inzidenzen von insbesondere chronisch entzündlichen Hauterkrankungen unter Bedingungen hoher psychosozialer Belastung nach. Somit stellt die Durchbrechung des Teufelskreises aus negativ wirksamen psychosozialen Faktoren und unbefriedigend zu kontrollierenden Hauterkrankungen eine notwendige Bedingung dar, um dieser stark beeinträchtigten Patient:innenengruppe zu helfen und  eine gute Lebensqualität und Teilhabe langfristig zu sichern. In der aktualisierten LL soll daher dargestellt werden, wie psychische Belastungen bei Hautpatient:innen im klinischen Alltag valide und zeitgleich ökonomisch diagnostiziert und einer adäquat wirksamen Behandlung zugeführt werden können.  

Ein weiterer Schwerpunkt der Aktualisierung der Leitlinie ist die Zusammenstellung der Evidenz in Bezug auf die Wirksamkeit (efficacy) verschiedener psychotherapeutischer Interventionen bei Patient:innen mit Hauterkrankungen. Hierbei werden die Effekte von bis dato untersuchten Verfahren der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie, Verfahren der dritten Welle der Verhaltenstherapie (z.B. achtsamkeitsbasierte Interventionen) und psychodynamische Therapien in face-to-face Interaktionen sowie e-health-Interventionen gesondert betrachtet und deren Effekte sowohl auf psychosoziale als auch auf hautbezogene Outcome-Parameter dargestellt. Die Erstellung der LL liefert somit Behandler:innen wichtige Informationen für eine kompetente und evidenzbasierte Beratung von Patient:innen mit Hauterkrankungen hinsichtlich der Rolle von psychosozialen Faktoren bei ihrer Erkrankung. Sie befähigt Behandler:innen zudem, einen psychosozialen Versorgungsbedarf erkennen und ansprechen zu können, und bei Bedarf in fachspezifische Hände zu vermitteln.  

Es ist zu erwarten, dass sich durch ein frühzeitiges bedarfsgerechtes Vorgehen insbesondere chronische Hauterkrankungen besser stabilisieren lassen. Darüber hinaus ist über die Bereitstellung dieser Informationen eine Erhöhung der Arbeitszufriedenheit von Behandler:innen und eine Steigerung der Adhärenz bei den Patient:innen zu erwarten. So können Frustrationen und Kosten im Gesundheitssystem langfristig gesenkt werden,. 

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Christina Schut, Prof. Eva M. J. Peters

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie e.V. (DGMP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V. (DGRW)Visitenkarte

Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin e.V. (DKPM)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V., ADP

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Rehabilitation

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie der DKG und DDG (ADO)

Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung e.V., AGNES

Bundesverband Deutscher Dermatologen, BVDD

Psoriasis-Netz

Deutscher Psoriasis Bund e.V. (DPB)

Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB)

Bundesverband Neurodermitis e.V.

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG)

Leitliniensekretariat:

Dr. Christina Schut

Institut für Med. Psychologie
Justus-Liebig-Universität Gießen
Klinikstraße 29
35392 Gießen

e-Mail senden

Koordination:

Prof. Eva M. J. Peters

Psychoneuroimmunologie Labor
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Standort Gießen
Aulweg 123
35385 Gießen

 

Dr. Christina Schut

Adressaten:

Ärzt:innen und Psycholog:innen, die im ambulanten oder stationären Sektor Patient:innen mit dermatologischen Erkrankungen behandeln (Allgemeinmediziner:innen, Dermatolog:innen, Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärtz:innen für Psychosomatik, Psychoonkologen) sowie betroffene Patient:innen, die sich darüber informieren möchten, was eine geeignete Behandlungsmethode für das eigene Krankheitsbild ist. 

Versorgungssektor:

ambulant, stationär, teilstationär

Prävention

Diagnostik, Therapie, Rehabilitation

primärärztliche Versorgung, spezialärztliche Versorgung 

Patientenzielgruppe:

Erwachsene, Kinder/Jugendliche

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Es erfolgt zunächst eine umfassende systematische Literaturrecherche anhand vorgegebener Schlagworte in PubMed und Web of Science. Hierbei werden Studien in deutscher und englischer Sprache berücksichtigt. Die gefundenen Ergebnisse zur validen und ökonomischen Diagnostik psychischer Belastung bei Patient:innen mit Hauterkrankungen sowie Effekte psychologischer Interventionen auf den Hautzustand und psychologische Variablen werden systematisch zusammengefasst und kritisch hinsichtlich ihrer Evidenz mit Hilfe des GRADE-Systems bewertet. Empfehlungen werden anschließend unter Berücksichtigung der Qualität der durchgeführten Studien abgeleitet. Die Zusammenfassungen und Empfehlungen werden allen Leitlinienmitgliedern zur Durchsicht zur Verfügung gestellt. Anschließend findet im Rahmen einer online-durchgeführten Konsensuskonferenz eine Diskussion und Abstimmung der Empfehlungen durch die Expert:innen in einem Gruppenprozess statt. Der Konsensusfindungsprozess wird durch einen AWMF-Leitlinienberater moderiert und strukturiert. Jedes Mitglied der Expert:innenengruppe hat eine Stimme entsprechend der zu vertretenden Fachgesellschaften.

Ergänzende Informationen:

Es ist geplant, auf der Website des Arbeitskreises Psychosomatische Dermatologie der DDG über die Arbeit an der Leitlinie zu berichten:

https://www.akpsychderm.de/