Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 007 - 101
Klassifikation S2k

Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphtoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut

Anmeldedatum:

27.03.2019

Geplante Fertigstellung:

20.12.2020

Gründe für die Themenwahl:

Aphthen sind schmerzende, rundliche oder ovale Erosionen und Ulzerationen der Mundschleimhaut mit einer Präsenz von einigen Tagen bis zu 2 Wochen und narbenfreier Abheilung. Rezidivierende Aphthen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mundschleimhaut, beginnen meist im 2. und 3. Lebensjahrzent und werden bei Frauen häufiger als bei Männern (?:? = 2:1), Kindern und alten Menschen diagnostiziert. Eine familiäre Häufung rezidivierender Aphthen wird bei 30 – 40% der Patienten beobachtet. In den USA führte eine Prävalenzstudie im Altersbereich von 5-17 Jahren zu dem Ergebnis, dass Mundaphthen die häufigste Läsion der Mundschleimhaut bei Kindern und Jugendlichen repräsentieren. Die Ätiologie der rezidivierenden Aphthen ist nicht geklärt und nach gegenwärtigem Forschungsstand handelt es sich weder um eine bakterielle noch um eine virale Infektion. Die Entstehung von Aphthen und aphthoiden Läsionen wird bei verschiedenen infektiösen und nichtinfektiösen Erkrankungen beobachtet. Auslösende Faktoren sind Nahrungsmittel (Nüsse, Schokolade, Tomaten, gewürzte Nahrungsmittel, Zitrusfrüchte, Feigen, Käse, Kaffee, Alkohol), mechanische Irritationen (scharfkantige Zähne, insuffizienter Zahnersatz, Druck mit zahnärztlichen Instrumenten, Bissverletzungen), die Menstruation und verschiedene Erkrankungen. Krankheiten mit langzeitig oralen Aphthen sind der Morbus Behcet und der Morbus Crohn, die Colitis ulcerosa, Malabsorptionssyndrome, die glutensensitive Enteropathie, die HIV-Infektion, die zytophage histiozytäre Pannikulitis, Mangelzustände an Vitamin B12, Folsäure und Eisen sowie die zyklische Neutropenie. Eine Korrelation zwischen Psychosomatik und benignen Aphthosen ist ebenfalls beschrieben worden. Die Dauer einer Erkrankung mit rezidivierenden Aphthen kann sich über wenige Monate bis über 40 Jahre erstrecken. Trotz der Therapieresistenz muss in Abhängigkeit von Dauer und Ausprägung eine möglichst effektive Behandlung mit Hilfe der bekannten Therapieoptionen durchgeführt werden. Schmerzlinderung, Verkürzung der Aphthendauer, Verlängerung der symptomfreien Intervalle und im besten Fall die Verhinderung neuer Aphthen sind die Therapie- und Prophylaxevorgaben. 

Zielorientierung der Leitlinie:

Die Ziele dieser Leitlinie sind - die klinische Differenzierung zwischen Aphthe, aphthoider und ulzeröser Läsion - die Auflistung der häufigen und seltenen Differentialdiagnosen zu den enoralen Aphthen (Verwechslungsmöglichkeiten) - die Zusammenfassung von Krankheiten, die über einen längeren Zeitraum mit oralen Aphthen in Form rezidivierender Aphthen assoziiert sind - die Darstellung aktueller therapeutischer Regime: A. Generelle Empfehlungen B. Lokaltherapie bei benignen oralen Aphthosen mit den 3 klinischen Varianten vom Typus minor (Mikulicz), Typus maior (Sutton) und Typus herpetiformis (Cooke), bei prämenstruellen Aphthen, bei der Aphthosis von HIV-positiven Patienten und bei den rezidivierenden oralen Aphten des Morbus Behcet Mit der Verbreitung und Umsetzung dieser Leitlinie soll erreicht werden - die Erkennung von Aphthen und aphthoiden Läsionen der Mundschleimhaut - die Abgrenzung zu Vorläuferläsionen des oralen Plattenepithelkarzinoms - die Abgrenzung zu einem oralen Plattenepithelkarzinom - die Vermeidung einer iatrogen bedingten Verzögerung in der Diagnosestellung einer malignen Mundschleimhautveränderung und in der Folge einer zu spät eingeleiteten Therapie - die Hebung der Versorgungsqualität von Patienten mit oralen Aphthen und aphthoiden Läsionen durch anerkannte Medikationen

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Anke Weber

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Interdisziplinärer Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin, AKOPOM (mit-federführend)

Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie (AgKi)

Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.

Berufsverband Deutscher Oralchirurgen, BDO

Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, KZBV

Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG)

Leitliniensekretariat:

Dr. Anke Weber

(DGZMK, Leitlinienbeauftragte)

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Koordination:

Univ.-Prof. Dr. med. dent. Jochen Jackowski

Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie und Poliklinische Ambulanz
Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Fakultät für Gesundheit
Universität Witten/Herdecke
Alfred-Herrhausen-Strasse 45
58448 Witten

Tel.: +49-2302-926-690/691

Fax.: +49-2302-926-693

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Adressaten:

Zahnärzte, Fachzahnärzte für Oralchirurgie, Ärzte, insbesondere Fachärzte für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie,  Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin

Versorgungssektor:

 Diese Leitlinie wird primär für den ambulanten Versorgungsbereich entwickelt. Bei Krankheiten mit aphthoiden Mundläsionen ist auch der teilstationäre bzw. stationäre Versorgungsbereich betroffen, weil atypische bzw. Morbus Behcet-verdächtige Ulzerationen bei HIV-infizierten, bei therapeutisch oder immunsupprimierten Patienten und Patienten mit Arteriitiden unterschiedlicher Genese bzw. malignen Sytemerkrankungen (Leukämien, Lymphome, generalisierte zytophagische Histiozytosen) auftreten können. Daher ist neben der primärärztlichen auch eine spezialisierte Versorgung erforderlich. Rezidivierende orale Aphthen sind von den Vorläuferläsionen des oralen Plattenepithelkarzinoms in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde abzugrenzen. Die Diagnostik und Differentialdiagnostik von Aphthen und aphthoiden Läsionen leistet einen Beitrag zur Früherkennung einer malignen Transformation und zur -Vermeidung einer iatrogenen Therapieverzögerung bei einer manifesten malignen Veränderung im Bereich der Mundschleimhäute. Die Morbidität kann durch die differenzierte Diagnostik und Therapie oraler Aphthen verringert werden. Der rezidivierende Verlauf, das Erscheinungsbild (Mikulicz- und Sutton-Typ), erhöhte Temperaturen, Leistungsminderung, Augen- und Gelenksymptome gebieten eine Überprüfung der Diagnose (z.B. Morbus Behcet, rezidivierende Schübe von Herpes simplex [labialis, oralis], Virusenantheme [„Sommergrippe“, Herpangina Zahorsky, „Hand-Fuß-Mund-Exanthem“]) und Abgrenzung gegen „symptomatische“ Aphthosen bei dysmetabolischen, ischämischen oder malabsorptiven Erkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Arteriitiden, Zinkmangel). 

Patientenzielgruppe:

Patientenzielgruppe sind Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

formale Konsensfindung (voraussichtlich nominaler Gruppenprozess) in einer interdisziplinär zusammengesetzten Expertengruppe

Ergänzende Informationen:

Beim Leitlinien-Koordinator oder im Leitliniensekretariat