AWMF-Regelwerk Leitlinien: Klarheit und Gestaltung

Die Formulierung der Empfehlungen und deren Einbettung in den Kontext der gesamten Leitlinie haben eine zentrale Bedeutung für die Akzeptanz und die Anwendbarkeit der Leitlinie. Die Empfehlungen sollten eindeutig formuliert, ansprechend präsentiert und für die Anwender der Leitlinie leicht identifizierbar sein (siehe Formulierung von Empfehlungen).

Dazu dienen unter anderem

  • eindeutige und spezifische, hervorgehobene Empfehlungen mit gut begründeten Hintergrundinformationen
  • die Angabe von Quellen, auf die eine Empfehlung unmittelbar gestützt ist (siehe Kritische Bewertung der Evidenz)
  • bei S2e- und S3-Leitlinien die Angabe von Evidenz- und/oder Empfehlungsgrad für evidenzbasierte Empfehlungen und die Kennzeichnung von Empfehlungen im Expertenkonsens (s. AWMF-Regel für das Leitlinienregister)
  • die zusätzliche Angabe der Konsensstärke bei S2k- und S3-Leitlinien
  • die Kennzeichnung von neuen Abschnitten und/oder Empfehlungen bei Aktualisierungen von Leitlinien (siehe Planung der Aktualisierung)
  • die strukturierte Präsentation als Voraussetzung für die Digitalisierung, bzw. die digitale Verfügbarkeit von Leitlinienwissen (siehe Formate und Verbreitung von Leitlinien)
  • die Orientierung am Versorgungsablauf mit Nennung der Behandlungsalternativen bzw. das Einbetten der Empfehlungen in klinische Algorithmen (1, 2)

AWMF-Regel für das Leitlinienregister:

Keine

Bezug zum AGREE ll-Instrument:

Domäne 4: Klarheit und Gestaltung

Kriterium 15: Die Empfehlungen der Leitlinie sind spezifisch und eindeutig.

Kriterium 16: Die unterschiedlichen Alternativen für die Behandlung der Erkrankung oder des Gesundheitsproblems sind eindeutig dargestellt.

Kriterium 17a: Die Schlüsselempfehlungen der Leitlinie sind einfach zu finden.

Hilfen und Tipps:

  • Nutzung eines Templates für eine strukturierte Präsentation der Leitlinie (siehe Templates der AWMF für S2e-, S2k- und S3-Leitlinien) für die Neuerstellung und Aktualisierung)
  • Präsentation von Empfehlungen in einem strukturierten Format (siehe Abb. 9-11) 

Abbildung 10: Beispiel - Präsentation von Empfehlungen in einer S3-Leitlinie mit Evidenzbewertung nach GRADE:

Quelle: Konsultationsfassung S3-Leitlinie Analkarzinom, AWMF-Registernummer 081-004OL (Stand: Juni 2020)

 

Abbildung 11: Beispiel - Vorlage für eine Empfehlung einer S3-Leitlinie mit Evidenzbewertung nach Oxford  2011
aus Template S3-Leitlinie

 

Abbildung 12: Beispiel - Vorlage für eine Empfehlung einer S2k-Leitlinie (hier Empfehlungsgrad nur mit Pfeilsymbol)

- Darstellung eines leitliniengerechten Versorgungsablaufs in Form eines klinischen Algorithmus in konsequent konditionaler Logik:
„wenn-dann“ (wenn möglich mit Angabe von Evidenz- und Empfehlungsgraden) siehe Abb. 12  als Beispiel.

Abbildung 13: Orientierung am Versorgungsablauf: Klinischer Algortithmus

  • Nutzung digitaler Werkzeuge für die strukturierte Erstellung, Verwaltung und Verbreitung von Leitlinien. Beispiele: MAGICapp (app.magicapp.org) oder GRADEpro (https://gradepro.org/). Beide basieren auf der GRADE-Methodik und eignen sich demzufolge vor allem für Leitliniengruppen, die bei der Leitlinienentwicklung GRADE nutzen. 

Literatur

  1. Margolis CZ. Uses of clinical algorithms. JAMA. 1983;249:627-632.
  2. Hadorn DC, McCormick K, Diokno A. An annotated algorithm approach to clinical guideline development. JAMA. 1992 Jun 24;267(24):3311-4.

 

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