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Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
Working Group 'Hospital & Practice Hygiene' of AWMF

Leitlinien zur Hygiene in Klinik und Praxis


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 029/014   Entwicklungsstufe:   1 + IDA 

Hygieneanforderungen beim ambulanten Operieren

     

  • Unter "ambulantem Operieren" sind hier alle operativen Behandlungsmethoden und invasive Untersuchungen zu verstehen, bei denen der Patient die Nacht vor und die Nacht nach dem Eingriff außerhalb einer medizinischer Einrichtung verbringt.

  • Gleiche invasive Eingriffe erfordern unter stationären und ambulanten Bedingungen auch gleiche Hygienemaßnahmen.
     

Ziel der Hygienemaßnahmen ist die Prävention von nosokomialen Infektionen.

Es wird auf die Empfehlungen des RKI "Anforderungen der Hygiene bei Operationen und anderen invasiven Eingriffen - Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut" [25]
und "Prävention postoperativer Infektionen im Operationsgebiet, Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut" [28] verwiesen. Hier werden die invasiven Eingriffe unterteilt in: Neben den notwendigen baulichen und technischen Voraussetzungen für ambulantes Operieren, u.a. spielen organisatorische Maßnahmen und vor allem die persönliche Disziplin der Operateure und ihrer Mitarbeiter die entscheidende Rolle bei der Prävention nosokomialer Infektionen (Hygieneplan nach 36 Absatz 1 IfSG). Weiterhin besteht die Verpflichtung zum Führen einer Infektionsstatistik nach 23 Abs. 1 des Infektionsschutzgesetzes.

  1. Bauliche Maßnahmen
  2. Begriffsbestimmungen:

    Operationen mit unterschiedlichem Kontaminationsgrad dürfen nur dann im gleichen Raum durchgeführt werden, wenn eine Gefährdung der Patienten durch funktionell-organisatorische Maßnahmen ausgeschlossen wird. Eine räumliche Trennung in Abhängigkeit vom Kontaminationsgrad ist zweckmäßig (RKI Richtlinie Kat 1B).
    Alle Oberflächen, Einrichtungsgegenstände und Geräte müssen so beschaffen sein, dass sie sicher desinfiziert werden können. RKI Gesundheitsschutz 2004 47:51-61 Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen.

    1.1 Raumbedarf:

    Die Funktionsräume sind vom übrigen Klinik-/Praxisbereich zu trennen. Je nach Art der Eingriffe werden benötigt: Ist nur ein Operationsraum vorhanden, so erweist sich ein weiterer Raum für kleine Eingriffe (gegebenenfalls mit Röntgengerät und Gipseinrichtung) als vorteilhaft. In diesen Eingriffsräumen dürfen keine "Operationen" sondern nur "kleinere invasive Eingriffe" durchgeführt werden. Die Einteilung hierfür ist in obiger RKI Richtlinie aus dem Jahr 2003 vorgegeben.

    Die Größe des Operationsraumes richtet sich nach der erforderlichen technischen Ausstattung, die Grundfläche soll 20 m2 jedoch nicht unterschreiten. Wasch- und Reinigungsbecken sind in Operationsräumen nicht zulässig; in Räumen für kleinere Eingriffe können Handwaschbecken installiert werden. Der Operationsraum darf nicht als Lagerraum dienen.

    Vorbereitungsräume dienen der Ein- und Ausleitung der Narkose sowie der Lagerhaltung häufig benötigter Medikamente und Hilfsmittel -allerdings nur in geschlossenen Schränken-, wenn auch Plätze für die präoperative Händehygiene dort untergebracht werden.

    Der Entsorgungsraum dient dem Sortieren und der Zwischenlagerung von Wertstoffen und Abfällen, der Zwischenlagerung von Schmutzwäsche und gegebenenfalls der Unterbringung von Reinigungsutensilien.

    Die Instrumentenaufbereitung einschließlich der Sterilisation darf keinesfalls in Operations- oder Eingriffsräumen stattfinden, sondern ist nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts und den Vorschriften der Berufsgenossenschaften in einem ausschließlich dafür vorgesehenen Raum durchzuführen.
    Sofern getrennte Räume als unreiner bzw. reiner Arbeitsbereich nicht zur Verfügung stehen, ist die Einrichtung des Raumes so zu gestalten, dass eine funktionelle Trennung unreiner und reiner Arbeitsabläufe gewährleistet ist.

    Schleusen dienen der Trennung der Funktionsräume vom übrigen Klinik-/Praxisbereich, um die Einschleppung von Krankheitserregern, insbesondere durch Personal, Patienten oder Material, in den Operationsbereich soweit wie möglich zu unterbinden. Sie können mit Umkleideräumen für Patienten kombiniert werden.

    Die prä- und postoperative Versorgung der Patienten kann in einem Vorbereitungs-Ruheraum/ Aufwachraum erfolgen, der dem Operationsbereich nicht zugeordnet sein muss, es gibt keine spezifischen Hygieneanforderungen.

    1.2 Raumlufttechnische Anlagen (RLTA):

    Eine RLTA dient der Aufrechterhaltung des erforderlichen thermischen Raumklimas, der weitgehenden Herabsetzung des Gehaltes an Mikroorganismen und Staub, Narkosegasen, Geruchsstoffen u.a. in der Raumluft sowie der Abfuhr der Wärmelasten.
    Auf die gesetzlichen Bestimmungen zur Minimierung der Raumluftbelastung durch Narkosegase (TRGS 525 "Umgang mit Gefahrstoffen in Einrichtungen zur humanmedizinischen Versorgung") wird hingewiesen. Näheres siehe Leitlinie 029/020 "Raumlufttechnische Anlagen".

    1.3 Hinzuweisen ist auch auf folgende Regelwerke:

  3. Betrieblich-organisatorische Maßnahmen
  4. Für ambulant durchgeführte Operationen gelten die gleichen Leitlinien wie für stationär durchgeführte Operationen:

    2.1 Eingriffsraum:

    Bei Eingriffen, die in einem Eingriffsraum erfolgen, sind die Hygieneanforderungen an das Infektionsrisiko des Eingriffs anzupassen. Werden endoskopische Untersuchungen durchgeführt, ist zusätzlich die Leitlinie zu beachten.

    2.2 Hygieneplan:

    Nach gesetzlichen Vorschriften muss in Bereichen, in denen bestimmungsgemäß Menschen stationär oder ambulant medizinisch untersucht oder behandelt werden, ein Hygieneplan erstellt werden. (Hygieneplan nach 36 Absatz 1 IfSG bzw. Unfallverhütungsvorschrift TRBA 250, Abs. 4.1.2.3, AOP-Vertrag). Dieser enthält Angaben (Prozessbeschreibung) über erforderliche betriebliche, organisatorische und baulich-funktionelle Maßnahmen zur Hygiene, zur Reinigung, Desinfektion und Sterilisation, zur Ver- und Entsorgung, zur Händedesinfektion, Einschleusung von Mitarbeitern und Patienten, zur Haut- und Schleimhautantiseptik, zur Anlage venöser Zugänge und von Blasenkathetern sowie Angaben darüber, welche Personen mit der Durchführung und Überwachung der einzelnen Maßnahmen beauftragt sind. Ferner enthält er Angaben über die Dokumentationserfassung, über die Lenkung der Prozesse, über Gerätebuch mit Log-Buch und Wartungstabelle, über Aus- und Weiterbildungspläne, über die Lenkung der Fehlerprotokolle, innerbetriebliche Auditsystematik und Benchmarking.

    2.3 Desinfektionsmittel:

    Es müssen Desinfektionsmittel mit nachgewiesener Wirksamkeit (zB. VAH oder ÖGHMP- Zertifikat) eingesetzt werden.

    2.4 Infektionsstatistik:

    Nach 23 IfSG Abs. 1 ist eine Infektionserfassung durchzuführen und "fortlaufend in einer gesonderten Niederschrift aufzuzeichnen und zu bewerten."
    Die Infektionserfassung dient dabei sowohl einer besseren Versorgung der Patienten als auch dem Schutz der operativ tätigen Ärzte vor unberechtigten Ansprüchen und darüber hinaus dem Zweck, auf Basis epidemiologischer Daten die Infektionsprävention zu verbessern.

Literatur

  1. Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen beim ambulanten Operieren gemäß 14 des Vertrages nach 115 b Abs. 1 SGB V (1994). Dtsch Arztebl 2006; 103(40): A-2652 / B-2304 / C-2216
  2. Qualifikationsvoraussetzungen gemäß 135 Abs.2 SGB V zur Ausführung und Abrechnung arthroskopischer Leistungen (Arthroskopie Vereinbarung) vom 8. September 1994. Deutsches Ärzteblatt 91: Heft 39, A2596-2598
  3. Vertrag nach 115 b Abs. 1 SGB V - ambulantes Operieren im Krankenhaus (1993): Deutsches Ärzteblatt 90: Heft 27, A1955-1957
  4. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (1997): Unfallverhütungsvorschrift BGV C8 (bisherige VBG 103), Ausgabe Januar 1997
  5. Bundesärztekammer (1994): Richtlinien der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung ambulanter Operationen. Deutsches Ärzteblatt 91: Heft 38, A2509-2511
  6. Bundesärztekammer (1994): Richtlinien der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung endoskopischer Eingriffe. Deutsches Ärzteblatt 91: Heft 38, A2511-2512
  7. Mehrtens G (1995): Richtlinien der Berufsgenossenschaften: Arbeitssicherheit in Tageskliniken und anderen Einrichtungen für ambulantes Operieren. BGW-Extrablatt, Beilage zu den Mitteilungen 1/95 - E 7
  8. Robert Koch-Institut (2003): Anforderungen der Hygiene bei Operationen und anderen invasiven Eingriffen. Richtlinien Krankenhaushygiene Lieferung 21 (Dez.2003)
  9. Brökelmann J, Dohnke H (1995): Häufigkeit von Komplikationen bei ambulant durchgeführten gynaekologischen Operationen. Gyne 6: 144-146
  10. Clade H (1993): Ambulantes Operieren in Praxen und Kliniken. Deutsches Ärzteblatt 91: Heft 3, B 82-B 83
  11. Fritz K (1985): Ambulantes Operieren in der Chirurgie. Deutscher Ärzteverlag, Köln: 107-118
  12. Kasperczyk WJ, Tscherne H (1997): Perioperative Hygiene in der Unfallchirurgie. Chirurg BDC 36: 31-44
  13. Reydelet J (1992): Organisation und Einrichtung einer Tagesklinik. Ambulantes Operieren - Möglichkeiten, Probleme, Organisation. Deutscher Ärzteverlag 121-231
  14. Rudolph H (1992): OP-Kleidung und Patientenabdeckung. Chirurg BDC 31: 237-239
  15. Rüggeberg J-A (1993): Ambulantes Operieren. Chirurg BDC 32: Heft 9, 174-178
  16. Schreiber H-W, Schriefers K-H (1993): Möglichkeiten und Grenzen des "ambulanten" Operierens in Praxis und Klinik. 90: Heft 22, C 1086-C 1091
  17. Zastrow K-D (1992): "Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionspraevention" des BGA. - eine Standortbestimmung. Bundesgesundhbl. 35: Heft 9, 470-473
  18. Zastrow K-D, Schöneberg I (1994): Ambulante Operationen und die Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des BGA. Bundesgesundhbl. 37: Heft 5, 199-202
  19. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (1994): Anforderungen der Hygiene beim ambulanten Operieren in Krankenhaus und Praxis. Bundesgesundhbl. 37: Heft 5, 226-229
  20. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (1997): Anforderungen der Hygiene beim ambulanten Operieren in Krankenhaus und Praxis. Bundesgesundhbl. 40: Heft 9, 361-365
  21. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (2001): Anforderungen der Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 44: Heft 11, 1115-1126
  22. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (2003) Empfehlungen der zur Surveillance von postoperativen Wundinfektionen in Einrichtungen für das ambulante Operieren. BGBl 46:791-795.
  23. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) vom 20. Juli 2000, BGBl. I S. 1045, zuletzt geändert durch Art. 2a des Gesetzes vom 17. Juli 2009, BGBl. I S. 2091.
  24. Medizinproduktegesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. August 2002, BGBl. I S. 3146, zuletzt geändert durch Art. 6 des Gesetzes vom 29. Juli 2009, BGBl. I S. 2326; Medizinprodukte-Betreiberverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. August 2002, BGBl. I S. 3396, zuletzt geändert durch Art. 6 des Gesetzes vom 29. Juli 2009, BGBl. I S. 2326.
  25. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (2000): Anforderungen der Hygiene bei Operationen und anderen invasiven Eingriffen. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 43: Heft 8, 644-648
  26. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (2002): Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen Zusatzinstrumentariums. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 45: Heft 4, 395-411
  27. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (2002): Anforderungen an die baulich-funktionelle Gestaltung und apparative Ausstattung von Endoskopieeinheiten. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 45: Heft 4, 412-414
  28. RKI 2007 - Prävention postoperativer Infektionen im Operationsgebiet, Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut, BGBl (2007) 50:377 393

Verfahren zur Konsensbildung:

Interdisziplinärer Experten-Konsens im
Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
www.hygiene-klinik-praxis.de/mitglieder.htm

Sekretariat:
Bernd Gruber
Vereinig. d. Hygiene-Fachkräfte e.V.
Marienhospital, Osnabrück
e-mail: Gruber

Ersterstellung:

Letzte Überarbeitung:

06/2010

Nächste Überprüfung geplant:

06/2015



Textfassung vom: 06/2010
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