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Resolution zur Resistenzgefahr durch Antibiotika als Futtermittelzusatzstoffe (September 1996)

Entgegen den Erwartungen, Infektionskrankheiten als eine der Geißeln der Menschheit besiegt zu haben, stellen diese nach wie vor eine gefährliche Bedrohung für die Gesundheit und das Leben der Menschen dar. Auch in entwickelten Industrienationen nimmt die Bedrohung der Bevölkerung unter anderem deshalb wieder zu, weil viele Erreger von Infektionskrankheiten Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben und weiterhin entwickeln.

Diese Zunahme der Antibiotikaresistenz bis hin zur kompletten Resistenz einzelner Erregerstämme gegen alle verfügbaren Antibiotika stellt eine ernsthafte, unter Umständen nicht mehr beherrschbare Gesundheitsgefahr dar. Ein Beispiel dafür sind Methicillin- bzw. Oxacillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme. Lebensgefährliche Infektionen mit diesen Erregern (Wundinfektionen, Sepsis = "Blutvergiftung") können nur noch mit Glykopeptid-Antibiotika (Vancomycin und Teicoplanin) behandelt werden. Werden solche Keime in Krankenhäuser eingeschleppt, entstehen durch die notwendige Isolierung der Patienten, zusätzliche Desinfektionsmaßnahmen und Schutzmaßnahmen für das Personal sowie für andere Patienten immense zusätzliche Kosten.

Eine ganz wesentliche Ursache für die Resistenzentwicklung ist neben dem oft ungezielten und unnötigen Einsatz von Antibiotika im humanmedizinischen Bereich auch die Verwendung von antimikrobiellen Futterzusatzstoffen in der Tierzucht und Tiermast. Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Avoparcin. Avoparcin und Vancomycin sind enge Verwandte aus der Gruppe der Glykopeptid-Antibiotika. Durch die Verfütterung von Avoparcin werden Enterokokken aus der Darmflora dieser Tiere in erheblichem Ausmaß Glykopeptid-resistent.

Die weltweit zunehmende Ausbreitung Glykopeptid-resistenter Enterokokken hat zur Folge, daß bei Infektionen mit diesen Erregern derzeit keine wirksamen Antibiotika mehr verfügbar sind. Es besteht außerdem die realistische Gefahr der Übertragung dieser Resistenzeigenschaften von Enterokokken auf schon Oxacillin-/Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme mit der Konsequenz, daß keine antibiotische Behandlung bei Infektionen mit diesen Erreger-Stämmen mehr möglich ist.

Auch im Zusammenhang mit anderen antimikrobiell wirkenden Futterzusatzstoffen können Kreuzresistenzen mit weiteren, bei Mensch und Tier therapeutisch eingesetzten Antibiotika nicht ausgeschlossen werden. Die resistent gewordenen Stämme breiten sich nicht nur unter den Nutztieren und von diesen ausgehenden Infektionsketten (z.B. über Oberflächenwasser oder über Weide/Wildtier/Mensch), sondern auch über die in der Tierhaltung Beschäftigten in der Bevölkerung aus.

Aufgrund dieser - von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigten - Gefahr muß die Verwendung von Antibiotikaklassen, die in der Humanmedizin angewandt werden und zu Kreuzresistenzen führen können, als Futtermittelzusatzstoffe in der Tierzucht und Tiermast generell verboten werden. Veterinärmedizinische Untersuchungen belegen zudem, daß Antibiotika als Leistungsförderer bei sachgemäßer Haltung der Tiere unnötig sind. Das Verbot muß aus Gründen des Gesundheitsschutzes für die Bevölkerung von der Bundesregierung in den entsprechenden Gremien der EU für das gesamte Geltungsgebiet der EU-Richtlinien durchgesetzt werden.

  • Prof. Dr. Dieter Bitter-Suermann, Deutsche Gesellschaft für Hygiene + Mikrobiologie
  • Prof. Dr. Martin Exner, Sprecher der universitären Fachvertreter Hygiene
  • Prof. Dr. Wilhelm Hartel, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
  • Prof. Dr. Helga Idel, Präsidentin der Deutsche Gesellschaft für Hygiene + Umweltmedizin
  • Prof. Dr. Johannes Köbberling, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin
  • Prof. Dr. Axel Kramer, Präsident der Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene
  • Prof. Dr. Hans D. Pohle, Präsident der Deutsche Gesellschaft für Infektiologie
  • Prof. Dr. Jürgen Probst, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
  • Prof. Dr. Günter Pschorn, Präsident der Bundestierärztekammer
  • Prof. Dr. Hans Reinauer, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
  • Dr. Hans Rudolph, Vorsitzender des Deutschsprachigen Arbeitskreises für Krankenhaushygiene, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie
  • Prof. Dr. Klaus P. Schaal, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie
  • Dr. Karlheinz Simon, Präsident des Bundesverbandes Praktischer Tierärzte
  • Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag, Schriftführer der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie
  • Prof. Dr. Uwe Ullmann, Präsident der Paul-Ehrlich-Gesellschaft

September 1996

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