Die Wissenschaft in der Medizin - Wert und öffentliche Darstellung

Die Tagung stand unter der Leitung von Johannes Köbberling, Wuppertal, und Jürgen Windeler, Heidelberg.

Einladungstext

In vielen wissenschaftlichen Disziplinen besteht ein Defizit darin, ihre Ergebnisse und Theorien Nicht-Wissenschaftlern zu vermitteln. Dies hat sowohl mit der hohen Komplexität mancher Sachverhalte zu tun, als auch damit, daß Wissenschaftler, sogar wenn sie von der Bedeutung ihrer Arbeit zutiefst überzeugt sind, häufig wenig motiviert oder in der Lage sind, diese Überzeugung für Laien verständlich zu vertreten. Daraus resultiert eine sich zunehmend vergrößernde Kluft zwischen Produzenten und Konsumenten von Wissen mit der Folge, daß der Einfluß und die Präsenz seriöser wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Gesellschaft abzunehmen scheint.

Im Bereich der Medizin hat dieser passive Rückzug teilweise besorgniserregende Formen angenommen. In einer fast grenzenlosen Beliebigkeit wird Protagonisten nie geprüfter und offensichtlich unplausibler Verfahren das Feld überlassen, häufig sogar unter Ausnutzung der begrenzten Ressourcen des Gesundheitswesens. Eine sachlich wissenschaftliche Diskussion wird zunehmend schwierig und die Vertreter der Wissenschaft werden persönlichen Anfein-dungen ausgesetzt oder als fast anachronistisch belächelt. Politische Entscheidungen und auch richterliche Urteile werden häufig vollständig ohne Kenntnisnahme der Ergebnisse aus der Wissenschaft getroffen. Die "Gemeinschaft der Wissenschaftler" muß sich den Vorwurf gefallen lassen, sich nur unzureichend um die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und viel zu wenig grundsätzlich um eine Verbreitung der wissenschaftlichen Vorgehensweise gekümmert zu haben. Bisher fehlen leider auch Institutionen, die dem Gedanken der Wissenschaft in der Medizin Gehör in der Öffentlichkeit schaffen könnten.

In dem geplanten Diskussionsforum soll versucht werden, eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Stellenwertes von Wissenschaft in der Medizin in unserer Gesellschaft zuerarbeiten. Wenn sich der Eindruck einer abnehmenden Wertschätzung von Wissenschaft in der Medizin belegen läßt, sollen innerhalb des Forums Wege erarbeitet werden, auf denen Änderungen dieser Sítuation erreicht werden können. Dabei muß auch geprüft werden, ob eine Institution zu schaffen ist, über die sich die Wissenschaft in der Medizin in Zukunft regelmäßig und in angemessener Weise Gehör verschafft.

Programm: