Leitlinien-Detailansicht

Opioide, Langzeitanwendung zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen

Registernummer 145 - 003
Klassifikation S3

Stand: 29.09.2014 , gültig bis 01.10.2019

13.01.2015: redaktionell überarbeitete Langfassung ausgetauscht

Verfügbare Dokumente

Kurzfassung der Leitlinie "Opioide, Langzeitanwendung zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen"
Langfassung der Leitlinie "Opioide, Langzeitanwendung zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen"
Patientenleitlinie "Opioide, Langzeitanwendung zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen"
Patientenleitlinie "Langzeitanwendung von Opioiden zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen: Das Wichtigste in Kürze"
Leitlinienreport
Evidenzbericht
Shortversion "Long-Term Opioid-Use in Non-Cancer Pain"
Methodology report
Evidence report

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.
Visitenkarte
  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Opioide, Langzeitanwendung zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen"
    Langfassung der Leitlinie "Opioide, Langzeitanwendung zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen"
    Patientenleitlinie "Opioide, Langzeitanwendung zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen"
    Patientenleitlinie "Langzeitanwendung von Opioiden zur Behandlung bei nicht tumorbedingten Schmerzen: Das Wichtigste in Kürze"
    Leitlinienreport
    Evidenzbericht
    Shortversion "Long-Term Opioid-Use in Non-Cancer Pain"
    Methodology report
    Evidence report

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Empfehlungen der Leitlinie richten sich an:

    ·        alle medizinischen Berufsgruppen, die mit der Erkennung, Diagnostik und Behandlung von Patientinnen/Patienten mit CNTS befasst sind:

    o   hausärztlicher Bereich (Gebiete Innere Medizin und Allgemeinmedizin oder Innere Medizin ohne Schwerpunktbezeichnung, Ärztinnen/Ärzte ohne Gebietsbezeichnung)

    o   fachärztlicher Bereich (alle Gebiete der Medizin mit Patientenbezug),

    ·         behandlungsergänzende Fachberufsgruppen (z. B. Ergotherapie, Physiotherapie, psychologische Psychotherapie, Sozialarbeit/Sozialpädagogik/Soziotherapie);

    ·         Angehörige von Menschen mit CNTS;

    ·         Entscheidungsträgerinnen/Entscheidungsträger im Gesundheitswesen

    ·         die Öffentlichkeit zur Information über gute diagnostische/therapeutische Vorgehensweisen.

    ·         die Vertragsverantwortlichen von „Strukturierten Behandlungsprogrammen“ und „Integrierten Versorgungsverträgen“ ·         die medizinischen wissenschaftlichen Fachgesellschaften und andere Herausgeber von nationalen und internationalen Leitlinien  

    Patientenzielgruppe

    Die Leitlinie wendet sich an alle Betroffene (Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Männer, Frauen) mit CNTS. 

    Versorgungsbereich

    Die Leitlinie ist für alle Versorgungsbereiche (Primär,- Sekundär- und Tertiärversorgung; ambulant und (teil-) stationär, Akut- und Rehabilitationsbereich) gültig. 
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
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    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
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    Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
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    Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM)
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    Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH)
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    Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP)
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    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
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    Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.
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    Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)
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    Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG)
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    Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie e.V. (DGNC)
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    Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC)
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    Deutsche Gesellschaft für Osteologie e. V. (DGO)
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    Deutsche Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (DGPMR)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM)
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    Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO)
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    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh)
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    Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht)
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    Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)
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    Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU)
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    Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)
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    Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e. V. (DOG)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie und -forschung (DGPSF)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Interdisziplinäre Gesellschaft für orthopädische und unfallchirurgische Schmerztherapie (IGOST)
    Deutsche Rheuma-Liga
    SchmerzLOS e.V.

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. Bundesgeschäftsstelle
    c/o Christina Grams
    Alt-Moabit 101 b
    10559 Berlin Tel.: 030-39409689-0 Fax.: 030-39409689-0 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    PD Dr. med. Winfried Häuser (Saarbrücken)
  • Inhalte
    Versorgungsbereich:

    ambulante, teilstationäre, stationäre, rehabilitative Versorgung

    Gründe für die Themenwahl:

    Krankenkassendaten weisen auf einen Anstieg von Einzel- und Langzeitverordnungen von opioidhaltigen Analgetika bei Patienten mit chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen (CNTS) in Deutschland in den letzten Jahren hin. Die Anzahl der Verordnungen von schwachen und starken opioidhaltigen Analgetika > 1 Quartal stieg von 1.9 % im Jahr 2006 auf 2.1%  im Jahr 2009 bei Versicherten der BEK mit nichtkarzinom-Diagnosen (39). In Analysen der Daten der AOK und KV Hessen erhielten im Jahr 2000 5.3 % der Versicherten ohne Karzinomdiagnose mindestens eine Verordnung eines opioidhaltigen Analgetikums. Im Jahr 2010 erhielten 6.9% der Versicherten ohne Karzinomdiagnose mindestens eine Verordnung eines opioidhaltigen Analgetikums. Der Anteil der Langzeitbehandlungen (> 90 Tage bei Zulassung von Therapielücken bis zu 30 Tagen) bei den Versicherten mit mindestens einer Opioidverordnung  lag  2001 bei 4,3 %, 2009 bei 7,5 % (32). Der Einsatz von opioidhaltigen Analgetika in der längerfristigen Therapie von CNTS umstritten. In US Amerikanischen Übersichtsarbeiten und Leitartikeln wurden die längerfristige Wirksamkeit als auch die Sicherheit von opioidhaltigen Analgetika in Frage gestellt (18,35). Die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie hat einige Empfehlungen der ersten Version dieser Leitlinie, welche sich kritisch zur längerfristigen Therapie mit opioidhaltigen Analgetika äußerte, als Ausdruck einer „Opioidphobie“, welche Patienten und Ärzten schaden könne, kritisiert (25,37). Weiterhin gibt es Hinweise für eine Fehlversorgung mit opioidhaltigen Analgetika in Deutschland  bei Untergruppen von Patienten/Patientinnen mit CNTS. 11% der Versicherten mit der Diagnose Fibromyalgie (M 79.7) (FMS)  der BEK lösten in mindestens 1 Quartal Betäubungsmittelrezepte für starke Opioide im Zeitraum 2008-2009 ein (19), obwohl die deutsche Leitlinie zum FMS von einer Therapie mit starken Opioiden abrät (33). 23% der Versicherten der BEK/GEK mit der Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung (F 45.4x) erhielten im Jahr 2009 mindestens eine Verordnung von starken Opioiden (13), obwohl die deutsche Leitlinie zu funktionellen/somatoformen Störungen eine Therapie mit opiodhaltigen Analgetika nicht empfiehlt (30). Nach einer Studie der Krankenkasse BARMER GEK lag die Verordnung von Opioiden der WHO-Stufe II bei der Diagnose Kopfschmerz in den Jahren 2006 bis 2010 bei 15,9?% aller Opioidverordnungen der BARMER-Versicherten, bei Stufe III-Verordnungen bei 7,5?% (39). Die Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zur Migräne rät vom Einsatz opioidhaltiger Analgetika zur Akutschmerztherapie als auch Rezidivprophylaxe der Migräne ab (7,8). Umgekehrt ist es möglich, dass Patienten/Patientinnen mit Untergruppen von CNTS, welche prinzipiell opioidsensitiv sind, z. B. neuropathische Schmerzen, mit opioidhaltigen Analgetika unterversorgt sind.

    Seit der ersten Version dieser Leitlinie sind neue randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) sowie Meta-analysen zu opioidhaltigen Analgetika bei CNTS erschienen (Chaparro, McNicol). Weiterhin wurden Standards für systematische Übersichtsarbeiten zu RCTs bei chronischen Schmerzen publiziert (24), die bei der Aktualisierung dieser Leitlinie berücksichtigt werden.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Die Leitlinie gibt Behandlern und Patientinnen/Patienten mit CNTS Orientierungshilfen über den möglichen Nutzen und Schaden von opioidhaltigen Analgetika. Ärzte halten konkrete Handlungsvorschläge für die Durchführung und Beendigung einer Therapie mit opioidhaltigen Analgetika. Unter Berücksichtigung der Kriterien der evidenzbasierten Medizin entsprechen die Empfehlungen dem besten Stand der Erkenntnisse aus Wissenschaft (beste aktuell verfügbare Evidenz) und den Erfahrungen der klinischen Praxis. Diese Leitlinie strebt folgende krankheitsspezifische Ziele an: 

    Strukturqualität: Durch die Empfehlungen zu Kontraindikationen, möglichen Indikationen, Durchführung und Beendigung einer Therapie mit opioidhaltigen Analgetika sollen Schnittstellenprobleme bei der Überleitung von Patienten zwischen ambulantem, stationärem und rehabilitativem Sektor und zwischen hausärztlichem und fachärztlichem Bereich reduziert werden.

    Prozessqualität

    1. Die Leitlinie soll Maßnahmen zur angemessenen Information von Patienten/Patientinnen mit CNTS zur Durchführung einer Therapie mit opioidhaltigen Analgetika nennen.

    2. Die Leitlinie soll Praxiswerkzeuge für die Durchführung und Dokumentation einer Therapie mit opioidhaltigen Analgetika zur Verfügung stellen.

    3. Die Leitlinie soll konkrete Handlungsanweisungen für Ärzte bei Problemen der Therapie mit opioidhaltigen Analgetika beim CNTS geben.

    Ergebnisqualität

    1. Die Leitlinie soll realistische Therapieziele und angemessenes Verhalten (z.B. beim Autofahren) von Menschen, die mit opioidhaltigen Analgetika behandelt werden, fördern.

    2. Die Fehlversorgung von Patienten mit FMS und somatoformen Schmerzstörungen mit starken opioidhaltigen Analgetika reduziert werden.

    3. Die Anzahl der Patienten mit missbräuchlicher Verwendung von rezeptierten opioidhaltigen Analgetika soll reduziert werden.

    4. Die Patientensicherheit soll erhöht werden.