Leitlinien-Detailansicht

Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung

Registernummer 049 - 013
Klassifikation S3

Stand: 31.08.2016 , gültig bis 31.08.2019

6.9.2016: redaktionell überarbeitete Langfassung ausgetauscht

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V. (DGPP)
Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.
Visitenkarte
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
Visitenkarte
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
Visitenkarte
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Visitenkarte
Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
Visitenkarte
Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP)
Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ)
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP)
Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS)
Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V., DGPs
Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs)
Deutsche Gesellschaft für Sprach- und Stimmheilkunde
Deutscher Berufsverband der Fachärzte für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V.
Deutscher Bundesverband der akademischen Sprachtherapeuten (dbs) e.V.
Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V
Interdisziplinäre Vereinigung der Stottertherapeuten e.V. (ivs)

Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

Prof. Dr. med. Katrin Neumann Abt. für Phoniatrie und Pädaudiologie sowie Hör- und CI-Zentrum Ruhrgebiet der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie des St. Elisabeth-Hospitals, Ruhr-Universität Bochum
Bleichstraße 16
44787 Bochum Tel.: 0234 5098-774 Fax.: 0234 5098-393 e-Mail senden

Leitlinienkoordination:

Prof. Dr. med. Katrin Neumann
  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Langfassung der Leitlinie "Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung"
    Leitlinienreport
    Evidenzbericht

    Verbindung zu themenverwandten Leitlinien

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V. (DGPP)
    Visitenkarte
  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Leitlinie soll Ärzten, insbesondere Fachärzten oder Ärzten in Weiterbildung für Phoniatrie und Pädaudiologie (Synonym: Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen), Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendmedizin, Sozialpädiatrie und Jugendmedizin, Neurologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Allgemeinmedizin, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychiatrie und Psychotherapie, weiterhin Sprachtherapeuten, Psychologen, Neuropsychologen, Schulpsychologen, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, (psychologischen) Psychotherapeuten, akademischen Sprachtherapeuten, Logopäden und weiteren Berufsgruppen, die an der Identifikation,Diagnostik und Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Redeflussstörungen beteiligt sind, als Entscheidungsgrundlage für eine adäquate Identifikation, Diagnostik und Behandlung dienen. Die Leitlinie steht auch für die Aus- und Weiterbildung der mit Redeflussstörungen befassten Fachgruppen zur Verfügung. In einer allgemein verständlich formulierten Version soll sie zudem betroffenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen selbst und/oder deren Angehörige, Selbsthilfegruppen sowie Pädagogen, Sonderpädagogen und Heilpädagogen Informationen liefern. Insbesondere die Einbindung der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V. (BVSS) in die Leitlinienerstellung stellt die Berücksichtigung der Perspektive Betroffener sicher.

    Patientenzielgruppe

    Die Leitlinie bezieht sich auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene, bei denen Stottern (gemäß ICD 10 F98.5 und gemäß DSM-5 315.35) oder Poltern (gemäß ICD 10 F98.6) vorliegt (American Psychiatric Association 2015, Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation 2010).

    Versorgungsbereich

    Die Leitlinie soll in allen Bereichen der Identifikation, Diagnostik und Behandlung von Redeflussstörungen eingesetzt werden und betrifft damit systematische Sprachstandserfassungen im Rahmen der Kindervorsorge- und Einschulungsuntersuchungen, den klinisch-therapeutischen ambulanten, stationären und teilstationären Bereich einer medizinischen, sprachtherapeutischen und psychotherapeutischen, (neuro-)psychologischen oder neurologischen Therapie, aber auch den pädagogischen Bereich i. S. einer Mitwirkung an einer frühen Detektion und Behandlung, der Aufklärung und Sensibilisierung von Bezugspersonen und der Öffentlichkeit, eines angemessenen Umganges mit den Betroffenen, der Schaffung einer gedeihlichen Lern- und Arbeitsatmosphäre für sie und der Gewährung eines Nachteilsausgleiches.
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V. (DGPP)
    Visitenkarte

    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
    Visitenkarte
    Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP)
    Visitenkarte

    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ)
    Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP)
    Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS)
    Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V., DGPs
    Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs)
    Deutsche Gesellschaft für Sprach- und Stimmheilkunde
    Deutscher Berufsverband der Fachärzte für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V.
    Deutscher Bundesverband der akademischen Sprachtherapeuten (dbs) e.V.
    Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V
    Interdisziplinäre Vereinigung der Stottertherapeuten e.V. (ivs)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Prof. Dr. med. Katrin Neumann Abt. für Phoniatrie und Pädaudiologie sowie Hör- und CI-Zentrum Ruhrgebiet der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie des St. Elisabeth-Hospitals, Ruhr-Universität Bochum
    Bleichstraße 16
    44787 Bochum Tel.: 0234 5098-774 Fax.: 0234 5098-393 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. med. Katrin Neumann
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Die Redeflussstörungen Stottern und Poltern gehören zu häufigen chronischen Erkrankungen bei Kindern, Adoleszenten und Erwachsenen. Die mittlere Prävalenz von Stottern liegt bei >1 % im Kindes- und Jugendalter (Bloodstein & Bernstein Ratner 2008, Craig et al. 2002, Craig & Tran 2005) und bei etwa 0.2% (Frauen) bis etwa 0.8 % (Männer) im Erwachsenenalter (Craig & Tran 2005). Angaben zur Prävalenz für Poltern im Kindesalter bewegen sich zwischen 1.1 % und 1.8 %. (Becker & Grundmann 1970, Reichel et al. 2014, van Zaalen et al. 2012, van Zaalen & Reichel 2014) und für seinen Anteil unter Redeflussstörungen zwischen 5 % (Daly & Burnett 1993) und 27 % (Georgieva & Miliev 1996).

    Etwa drei Viertel des Stotterns liegt bereits im Kindergartenalter vor. Die Chancen auf eine weitgehende oder komplette Remission übersteigen bei einer adäquaten Frühtherapie zumindest für Stottern die einer späteren Therapie und einer spontanen Remission deutlich (Harris et al. 2002, Jones et al. 2005, Lattermann et al. 2008, Yairi & Ambrose 2005). Persistiert Stottern über das präpubertäre Alter hinaus, verringern sich die Möglichkeiten seiner kompletten Beseitigung drastisch. Redeflussstörungen können zu erheblichen psychosozialen Belastungen führen, die die sozio-emotionale, schulische und berufliche Entfaltung Betroffener nachhaltig beeinträchtigen können.

    Die Identifikation beider Redeflussstörungen bietet eine Reihe von Schwierigkeiten, beispielsweise bei verdecktem Stottern. Ihre Diagnostik und Therapie werden gegenwärtig im deutschen Sprachraum uneinheitlich gehandhabt und häufig ohne den Einsatz standardisierter Instrumente. Daher erschien es zwingend notwendig, die Güte und Zweckmäßigkeit verschiedener Screening- und Diagnostikinstrumente vorzustellen, vor allem aber evidenzbasierte Empfehlungen für effektive Therapien des Stotterns abzugeben (für Poltern war die Evidenzlage nicht ausreichend), die den neusten wissenschaftlichen Kenntnisstand berücksichtigen. Zur Wirksamkeit von Therapien wurde ein systematischer Review erstellt.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Ziel dieser Leitlinie ist es, zunächst über das Wesen des Stotterns sowie seine genetischen Grundlagen und deren hirnmorphologische und -funktionelle Auswirkungen zu informieren. Weiterhin soll sie klare, empirisch begründete Handlungsanweisungen für eine sichere und frühe Identifikation von Stottern und seine eindeutige und objektive Diagnostik geben sowie über die Wirksamkeit einzelner Therapiemethoden informieren. Darauf basierend gibt die Leitlinie Empfehlungen für eine effektive Behandlung stotternder Menschen durch wissenschaftlich begründete, evidenzbasierte, qualitätsgesicherte Therapieverfahren. Für Poltern, für das eine deutlich schwächere Evidenzlage besteht, werden zumindest Handlungsempfehlungen für Diagnostik und Therapie gegeben, die den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand berücksichtigen.