Leitlinien-Detailansicht

Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms

Registernummer 032 - 038OL
Klassifikation S3

Stand: 01.11.2016 , gültig bis 30.09.2021

Verfügbare Dokumente

Kurzfassung der Leitlinie "Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms"
Langfassung der Leitlinie "Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms"
Leitlinienreport
Evidenzbericht

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU)
Visitenkarte
Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)
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  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms"
    Langfassung der Leitlinie "Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms"
    Leitlinienreport
    Evidenzbericht

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU)
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    Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Empfehlungen der interdisziplinären Leitlinie richten sich an Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen, Pflegekräfte sowie Berufsgruppen, die mit der ambulanten und/oder stationären Versorgung, Behandlung und Rehabilitation von Patienten und deren Angehörigen betraut sind.

    Patienten, mit dem Verdacht einer Erkrankung wie auch Patienten, die an einem Harnblasenkarzinom erkrankt sind sowie jeweils deren Angehörige sollen mit Hilfe dieser Leitlinie im Verlauf der Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge Unterstützung finden.

    Ferner richtet sich die Leitlinie an medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften, Interessensvertretungen von Patienten, Kostenträger, gesundheitspolitische Entscheidungsträger und Einrichtungen, Qualitätssicherungseinrichtungen (z.B. Tumorregister) sowie die an die interessierte Öffentlichkeit zur Information über die Versorgung und Behandlung von Patienten mit einem Harnblasenkarzinom.

    Insbesondere wendet sich die Leitline an folgende Personnengruppen:

    - Ärztinnen und Ärzte der hausärztlichen Versorgung

    - Niedergelassene und klinisch tätige Urologen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen, Palliativmediziner

    - Nichtärztliches medizinisches Personal (Medizinisch-technische Assistenten, Radiologisch-technische Assistenten, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten und Stomatherapeuten, Medizinische Dokumentare) in der ambulanten und stationären Versorgung sowie Rehabilitations- und Palliativeinrichtungen; Altenpflegekräfte in geriatrischen Einrichtungen, da diese Erkrankung mit den entsprechenden Harnableitungen häufig in hohem Alter auftritt.

    - Organisationen der Patientenberatung

    - Selbsthilfegruppen

    Patientenzielgruppe

    Erwachsene Männer und Frauen

    Alle Stadien des Urothelkarzinoms der Harnblase

    Versorgungsbereich

    Versorgungssektoren: ambulant, stationär und teilstationär

    Versorgungsabschnitte: Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Prognose, Therapie und Nachsorge

    Versorgungsebenen: Ärzte-, Pflege- und Patientenebene

  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU)
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    Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
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    Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)
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    Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e. V. (DGN)
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    Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP)
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    Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
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    Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO)
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    Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW)
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    Deutsche Röntgengesellschaft (DRG)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Interdisziplinäre Arbeitsgruppe BlasenCarcinom (IABC) der DKG (mit-federführend)
    Arbeitsgemeinschaft erbliche Tumorerkrankungen (AET)
    Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie der DKG, AIO
    Arbeitsgemeinschaft Onkologische Pathologie der DKG, AOP
    Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin der DKG, APM
    Arbeitskreis onkologische Rehabilitation der DGHO e. V. (AKOR)
    Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie (PRIO) der DKG
    Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie der DKG, PSO
    Arbeitsgemeinschaft für radiologische Onkologie der DKG, ARO
    Arbeitskreis Rehabilitation urologischer und nephrologischer Erkrankungen (AKR)
    Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der DKG, ASORS
    Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie e.V. (AUO) der DKG
    Berufsverband Deutscher Pathologen
    Berufsverband Deutscher Urologen e.V.
    Berufsverband der niedergelassenen Hämatologen und internistischen Onkologen in Deutschland e.V. (BNHO)
    Deutscher Forschungsverbund Blasenkarzinom e.V.
    Deutscher Verband der Ergotherapeuten (DVE) e.V.
    Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK)
    Deutscher Verband Technischer Assistenten in der Medizin e.V. (DVTA)
    Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e.V. (FgSKW, vormals DVET)
    Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege der DKG, KOK
    Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Office Leitlinienprogramm Onkologie c/o Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
    Kuno-Fischer-Straße 8
    14057 Berlin e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Leitlininekoordinatorin: Prof. Dr. Margitta Retz (IABC)
    Leitlinienkoordinator: Prof. Dr. Jürgen Gschwend (DGU)
    Zentrale Leitlinienkoordination/Leitliniensekretär: Dr. Philipp Maisch
    Leitliniensekretariat: Heidrun Rexer, MeckEvidence
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes ca. 28.000 Menschen jährlich neu an einem Harnblasentumor [1].

    Bei einem mittleren Erkrankungsalter von 73 bzw. 77 Jahren ist es vor dem Hintergrund der sich in Deutschland abzeichnenden Bevölkerungsdemographie offensichtlich, dass in absehbarer Zeit mit einer deutlichen Zunahme der Neuerkrankungen zu rechnen ist [1]. Das Harnblasenkarzinom ist damit der zweithäufigste Tumor im Fachgebiet der Urologie.

    Trotz neu entwickelter diagnostischer und operativer Verfahren imponiert das Urothelkarzinom nach wie vor durch seine Aggressivität in Bezug auf die Rezidiv- und Progressionshäufigkeit. Oberflächliche Harnblasentumore rezidivieren in Abhängigkeit vom Tumorstadium und Differenzierungsgrad in ca. 70 % nach ausschließlicher transurethraler Resektion und bis zu 25% der Patienten erleiden einen Progress im Sinne eines höheren Tumorstadiums [2].

    Ein weiteres klinisches Dilemma findet sich in der Patientengruppe mit einem muskelinvasiven Blasenkarzinom. Nach den vorliegenden Langzeitergebnissen entwickeln bis zu 30 % aller Patienten mit einem lokal begrenzten Blasentumor innerhalb von 5 Jahren nach radikaler Zystektomie eine systemische Tumorprogression [3]. Die mediane Gesamtüberlebenszeit des unbehandelten metastasierten Urothelkarzinoms beträgt weniger als 6 Monate. Eine zusätzliche systemische cisplatinhaltige Polychemotherapie kann die mediane Gesamtüberlebenszeit zwar auf 13 Monate verlängern, allerdings bleibt der palliative Charakter der Chemotherapie bestehen [4].

    Mittlerweile gehört das Harnblasenkarzinom zu den teuersten Tumorentitäten in den USA und verursacht jährliche direkte Kosten von über 3,7 Mrd. US$ (2009 AUA News 14(4):1-3). Im Verhältnis dazu ist das Blasenkarzinom in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und der klinischen Studienlandschaft stark unterrepräsentiert [5]. Dem Dilemma des Blasenkarzinom kann nur durch Impulse aus den Aktivitäten verschiedener Fachdisziplinen entgegengewirkt werden.

    Im Februar 2011 wurde erstmalig unter dem Dach der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. die „Interdisziplinäre Arbeitsgruppe BlasenCarcinom“ (IABC) ins Leben gerufen. Die IABC setzt sich aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaften Urologische Onkologie (AUO), Internistische Onkologie (AIO), Radiologische Onkologie (ARO), Onkologische Pathologie (AOP) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und dem Deutschen Forschungsverbund Blasenkarzinom (DFBK) zusammen. Primäres Ziel der IABC ist die interdisziplinäre Förderung und Weiterentwicklung von Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. Insbesondere sollen bei klinischen Studien frühzeitig auch zielorientierte wissenschaftliche Projekte integriert werden.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Im deutschprachigen Raum werden größtenteils Expertenempfehlungen ausgesprochen, da momentan weder eine deuschte S1- noch S2-Leitline zur Verfügung steht.

    Als konsens- und evidenzbasiertes Instrument ist es Ziel dieser interdisziplinären Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose Therapie und Nachsorge der verschiedenen Stadien des Harnblasenkarzinoms, die Versorgungsstruktur zu verbessern und damit die Morbiditäts- und Mortalitätsrate von Patienten zu senken.

    Die Versorgungsstrukturen sollen dabei flächendeckend und multi- bzw. interdisziplinär, mit entsprechender Qualitätssicherung und unter Berücksichtigung der psychosozialen Bedürfnisse der Betroffenen verbessert werden.

    Auf Grund von wissenschaftlichen Daten und dem Konsens von Experten sollen Ärzten wie auch Patienten Informationen zu Verfügung gestellt werden, die sie in der Wahl der Früherkennungsmaßnahmen unterstützen. Patienten, Ärzte und medizinisches Fachpersonal sollen durch die Leitlinie über wissenschaftlich begründete und aktuelle Verfahren in der Diagnostik und Therapie informiert werden. Für die Rehabilitation gibt die Leitlinie Empfehlungen zu aktuellen Verfahren ab. Die S3-Leitlinie bildet damit eine wissenschaftliche Grundlage, um Patienten - möglichst evidenzbasiert - eine individuell zugeschnittene, qualitativ hochwertige Diagnostik und Therapie anbieten zu können. Dies gilt für das nicht-muskelinvasive-, das lokal begrenzte muskelinvasive Harnblasenkarzinom sowie für die metastasierten Stadien. Insbesondere müssen in Abhängigkeit von der Histologie und dem Tumorstadium einheitliche Standards in der Versorgung und Behandlung entwickelt werden.

    Ein spezifischer Schwerpunkt liegt auf einer standardisiertern Diagnostik und Therapie beim lokal fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom sowie bei Tumorerkrankungen mit einer Fernmetastasierung. Ein besonderer Fokus liegt insbesondere in der Tumornachsorge und Rehabilitation, da bisher nur sehr fragmentierte Empfehlungen im deutschsprachigen Raum vorliegen.

    Durch diese Leitlinie soll der Gruppe der Betroffenen eine adäquate Gesundheitsversorgung, aber auch individuelle Therapiekonzepte nach dem neusten Stand der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werde.

    Mit dem Ziel, die Morbiditäts- wie auch die Mortalitätsrate zu senken, geht die Erhöhung der Lebensqualität der Patienten mit Verdacht auf ein Harnblasenkarzinom wie auch der Diagnose eines Harnblasenkarzinoms einher.

    Ein weiteres Ziel dieser Leitlinie ist die Erfassung der derzeitigen medizinischen Versorgung in Deutschland. Es sollen Lücken in der Versorung sowie fehlende Daten zu Fragestellungen identifiziert werden und Anreize zur Verbesserung in der Versorgung, der Grundlagenforschund sowie der Durchführung von Studien geschaffen werden.