Leitlinien-Detailansicht

Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 1: Diagnostik

Registernummer 028 - 018
Klassifikation S3

Stand: 05.04.2016 , gültig bis 04.04.2021

10.05.2016: redaktionell überarbeitete Dokumente ausgetauscht

Verfügbare Dokumente

Langfassung der Leitlinie "Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 1: Diagnostik"
Leitlinienreport
Anhang

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
Visitenkarte
  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Langfassung der Leitlinie "Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 1: Diagnostik"
    Leitlinienreport
    Anhang

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Kenntnis und Anwendung dieser Leitlinien ist somit vor allem für folgende Berufsgruppen sinnvoll:

    1. (Fach-)Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, (Fach-)Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendärzte (insbesondere mit Schwerpunkt Neuropädiatrie), Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, (Fach-)Ärzte für Neurologie; grundsätzlich sollten (Fach-)Ärzte jeder Disziplin, die mögliche Komorbiditäten inklusive sensorischer Störungen (v.a. Hören, Sehen) bei Personen mit ASS abklären, über das Krankheitsbild bescheid wissen;

    2. weitere Personen, die in die Diagnostik und/oder Therapie für Autismus-Spektrum-Störungen einbezogen sein können, wie Personen mit psychologischer Beratungstätigkeit ohne Approbation, (Sozial-/Heil-/Sonder-)Pädagogen, Ergotherapeuten, Logopäden, Lerntherapeuten, Musiktherapeuten.

    3. indirekte Anwender und Schnittstellen, für die die Leitlinie wichtig sein kann

    a. Ärztekammer und Psychotherapeutenkammer

    b. persönlich betroffene und/oder interessierte Personen (z.B. Eltern bzw. Verwandte,Lehrer, Freunde),

    c. Sozialverwaltungen, Sozialträger, Jugendhilfeträger, Versorgungsämter,

    d. Arbeitsverwaltung und die Agentur für Arbeit,

    e. Entscheidungsträger in der Gesundheitspolitik und bei den Krankenkassen als Informationsgrundlage

    f. Gerichte und Gutachtenverfasser.

    Die Auseinandersetzung mit den Leitlinien ist selbstverständlich nicht als Qualifikation zur Durchführung von Diagnostik oder Therapie zu betrachten. Ob und wie sehr eine Person für die Diagnostik und/oder die Therapie von Patienten geeignet ist, hängt von deren fachlicher Ausbildung und bei schwierigen Fällen auch vom individuellen Erfahrungsgrad ab. Die vorliegenden Leitlinien können und wollen diesen langjährigen Prozess nicht ersetzen. Sie dienen vielmehr zur Information und bieten eine Übersicht sowie evidenzbasierte Empfehlungen an.

    Patientenzielgruppe

    Folgende Patientengruppen sind in die vorliegende Leitlinie eingeschlossen:

    1. Kinder (ab dem chronologischen Alter von einem Jahr), Jugendliche und Erwachsene mit Verdacht auf eine Autismus-Spektrum Störung (ASS) nach DSM-IV TR (autism, Asperger’s disorder, pervasive developmental disorder – not otherwise specified), DSM-5 (Autism Spectrum Disorder) oder ICD-10 (F84.0 Frühkindlicher Autismus, F84.5 Asperger Syndrom, F84.1 atypischer Autismus).

    2. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der Diagnose einer ASS sowie allen komorbidenStörungen, die bei autistischen Störungen auftreten können.

    Es sollen alle Schweregrade der Erkrankung sowie mögliche komorbide Erkrankungen beachtetwerden.

    Versorgungsbereich

    Die Leitlinien sollen Gültigkeit haben für alle Versorgungseinrichtungen, die Personen mit (Verdacht auf) Autismus-Spektrum-Störung betreuen, und umfasst damit ambulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Entwicklungsstörungen, geistiger Behinderung, speziellem Förderbedarf oder psychischen Störungen sowie Autismus-Spektrum-Störungen diagnostizieren und / oder eine Therapie für Personen mit Autismus-Spektrum-Störung anbieten.
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
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    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
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    Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
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    Deutsche Ärztliche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DÄVT)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (BAG)
    Bundesdirektorenkonferenz Psychiatrischer Krankenhäuser BDK
    Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP)
    Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie e. V.
    Aspies e.V.
    Bundesverband Autismus Deutschland e.V.
    Berufsverband deutscher Psychiater (BVDP)
    Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ)
    Wissenenschaftliche Gesellschaft Autismus Spektrum (WGAS)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Prof. Dr. Dipl.-Theol. Christine M. Freitag Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes und
    Jugendalters & Frankfurter Autismus-Therapie- und Forschungszentrum
    Universitätsklinikum Frankfurt am Main
    Deutschordenstraße 50
    60528 Frankfurt am Main
    Tel.: 069 / 6301-5408 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Dipl.-Theol. Christine M. Freitag
    Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Autismus-Spektrum Störungen (ASS) haben eine Prävalenz von ca. 1% in der Bevölkerung. Belege dieser relativ hohen Prävalenzangaben basieren überwiegend auf neueren epidemiologischen Studien, die in Europa ausschließlich aus Großbritannien stammen (Baird et al. 2006;Brugha et al. 2011). Ähnliche Ergebnisse liegen aber auch für Schweden, Kanada, Japan, Südkorea, Sri Lanka und den USA vor, wobei die Zahl zwischen 0,6 und 1% mit allerdings jeweilsbreiten Konfidenzintervallen variiert (Elsabbagh et al., 2012). Ältere Studien (vor 2000) gingen von einer niedrigeren Prävalenzrate aus. Die steigende Prävalenzrate wird vor allem mit der Erweiterung diagnostischer Kriterien begründet. Daneben ist sie sicherlich auch dem verbesserten Bekanntheitsgrad von ASS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter geschuldet. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass zahlreiche neue Screening- und Diagnoseinstrumente aber auch Therapieverfahren entwickelt und optimiert wurden. Selbstverständlich besteht weiterhin Optimierungsbedarf im Einsatz von Diagnostik und Therapie sowie vor allem die Notwendigkeitqualitativ hochwertiger Übersichtsarbeiten, die im besten Fall auch an die Versorgungsstrukturender jeweiligen Nation angepasst sind.

    In Deutschland gibt es keine aktuell gültigen Leitlinien zu Autismus-Spektrum-Störungen bei Kindern und Jugendlichen sowie bisher keine Leitlinien zu ASS im Erwachsenenalter. Differenzierte Kenntnisse zu Diagnostik und evidenzbasierter Therapie sind bei vielen Personen, die mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen mit ASS arbeiten und / oder die Familien beraten, nicht ausreichend gegeben. Zudem sind viele der aktuell im englischen Sprachraum durchgeführten Studien in Deutschland nicht hinreichend bekannt. Dies betrifft sowohl den Bereich der Diagnostik als auch den Bereich der Therapie von ASS. Um die medizinische, psychotherapeutische und rehabilitative Versorgung von Personen mit ASS zu verbessern, sind daher breit konsentierte, evidenzbasierte Leitlinien (S3) für Deutschland notwendig, die mit dieser Arbeit vorgelegt werden.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Die Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen wird in zwei Teilen publiziert – zunächst wird ein Teil erscheinen, welcher sich mit der Diagnostik von ASS beschäftigt, gefolgt von einem zweiten Teil, welcher sich auf die Therapie dieser Störungen fokussiert. Der vorliegende Methodenreport gilt zunächst für die Veröffentlichung der Diagnostik-Leitlinie und wird ggf. für die Veröffentlichung der Therapieleitlinie noch einmal modifiziert.

    In diesem ersten Themenfeld Diagnostik werden wiederum fünf Hauptziele verfolgt:

    1. Es sollen altersgruppenspezifisch die Kernsymptome vorgestellt werden, die zum Verdacht einer ASS führen können, und es werden Entscheidungsalgorithmen bezüglich der Vorstellung zur weiteren Diagnostik in entsprechend darauf spezialisierten Stellenentwickelt.

    2. Es soll altersgruppenspezifisch das diagnostische und differentialdiagnostische Vorgehenbei autistischen Störungen vorgestellt werden.

    3. Es sollen altersgruppenspezifisch standardisierte Instrumente vorgestellt werden, die entweder zum Zweck des Screenings oder zum Zweck der Diagnosestellung hilfreich sein können sowie evidenzbasierte Empfehlungen festgelegt werden.

    4. Es sollen altersgruppenspezifisch die häufigsten komorbiden Störungen aufgelistetwerden, an die im diagnostischen Prozess zusätzlich zu denken ist. Die standardisierte Diagnostik der komorbiden Störungen ist nicht Gegenstand dieser Leitlinie; dazu wird auf die entsprechenden störungsspezifischen Leitlinien verwiesen.

    5. Zusätzlich sollen zum besseren Verständnis von Prävention und auch als Hintergrund für die Beratung von Eltern, Angehörigen und Betroffenen die wichtigsten Risikofaktoren für ASS beschrieben werden.

    Die genannten Themenkomplexe Risikofaktoren, Prävention sowie Screening- und Diagnostikzielen außerdem darauf ab, die frühzeitige Erkennung von Autismus-Spektrum-Störungen stärker in den Fokus der Versorgungspraxis zu stellen und somit auch die Behandlungschancen zu erhöhen (Johnson und Myers 2007). Zusätzlich dazu sollen die Empfehlungen und Informationenbezüglich komorbider Erkrankungen dazu anleiten, diese differenziert zu erfassen und ebenfallszu behandeln.