Leitlinien-Detailansicht

Divertikelkrankheit / Divertikulitis

Registernummer 021 - 020
Klassifikation S2k

Stand: 31.12.2013 , gültig bis 31.12.2018

Gründe für die Themenwahl:

Die Divertikulose, das asymptomatische Vorhandensein von Pseudodivertikeln des Dickdarms, sowie die Divertikelkrankheit, der Divertikulose mit klinisch signifikanten Symptomen, gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts. Die Prävalenz der Divertikulose liegt zwischen 28-45% in der Gesamtbevölkerung und über 60% bei den über 70jährigen [1-6]. Hierbei ist in den westlichen Ländern in den letzten Jahrzehnten eine weitere Zunahme der Hospitalisierungsrate wegen Komplikationen der Divertikelkrankheit zu beobachten, die nun immer häufiger auch jüngere Patienten betrifft. Es können verschiedene Komplikationen auftreten, bei denen Entscheidungskriterien notwendig sind, welcher Patient einer stationären Behandlung bedarf und welcher im Rahmen einer ambulanten Therapie verbleiben kann. Häufige Komplikationen sind das Auftreten einer Divertikulitis, die zu einer gedeckten oder offenen Perforation führen kann und die mittel- bis langfristig rezidivierende schmerzhafte Schübe, Stenosen oder Fisteln zu Folge haben kann. Weiterhin können untere gastrointestinale Blutungen auftreten durch die Eröffnung von vasa recta, bedingt durch Scherkräfte am Divertikelrand.
Trotz der immensen Bedeutung des Krankheitsbildes hat es in der medizinischen Wahrnehmung im Vergleich zu anderen Krankheitsbildern bislang ein relatives Schattendasein geführt mit nur übersichtlicher Anzahl von randomisierten Therapiestudien und nur vergleichsweise wenigen Arbeiten zur Pathogenese der Erkrankung. Erst in jüngster Zeit sind zunehmende wissenschaftliche Anstrengungen erfolgt, die althergebrachte Vorstellungen sehr kritisch hinterfragen, wie beispielsweise zur bislang häufig sehr unkontrollierten Antibiotikagabe bei der unkomplizierten Divertikulitis ohne Risikofaktoren oder zur OP-Indikation („nach dem zweiten Schub“). Weitere Entwicklungen betreffen die gezielte Diagnostik der Divertikelkrankheit, welche insbesondere die Bildgebung des perikolischen Raums beinhalten muss und bei der beispielsweise die Sonographie zunehmende Bedeutung gewonnen hat. Des Weiteren ist festzustellen, dass die bislang vorliegenden Klassifikationen der Divertikulitis, wie die im anglo-amerikanischen Raum weit verbreitete Klassifikation nach Hinchey [7] oder die im deutschsprachigen Raum verbreitete Klassifikation nach Hansen und Stock [8] nicht allen modernen Kenntnissen über Diagnose und Krankheitsverlauf gerecht werden, so dass die vorliegende Leitlinie einen Vorschlag einer weiterentwickelten Klassifikation erarbeitet hat.
Zusammenfassend war es von großer Bedeutung das aktuelle Wissen zur Divertikelkrankheit / Divertikulitis interdisziplinär zu erarbeiten und zu bewerten und nun erstmals eine Leitlinie zu entwickeln, die die gegenwärtigen Erkenntnisse zusammenfasst und Handlungsvorschläge zum Umgang mit Betroffenen gibt.

Zielorientierung der Leitlinie:

Ziel der vorliegenden ersten deutschen interdiziplinären S2k Leitlinie zur Divertikelkrankheit ist eine Zusammenfassung und Experten-Bewertung sowie die Aussprache von Empfehlung zum aktuellen Erkenntnisstands zur Anatomie, zur Pathogenese, zur Klinik, zum natürlichen Verlauf einschließlich Komplikationen, zur Epidemiologie, zur Diagnostik und Stadieneinteilung, zur konservativen Behandlung einschließlich Medikamenten und Ernährung sowie Life-style und im Weiteren zu Operationsverfahren. Außerdem sollen Empfehlungen gegeben werden zur Frage welchem Patient eine ambulante bzw. eine stationäre Behandlung empfohlen werden soll und bei welchem eine Indikationsstellung zur konservativen oder zur chirurgischen Behandlung gestellt werden soll.
Die Leitlinie soll der Fort- und Weiterbildung dienen. Letztendliches Ziel der Leitlinie zum Thema Divertikelkrankheit ist eine Verbesserung der Lebensqualität und des Erkrankungsausgangs Betroffener durch eine bessere Aufklärung und durch einen verbesserten und sorgsameren Umgang mit medikamentösen sowie operativen Therapien.

Schlüsselwörter:

Divertikulose, Divertikulitis, Divertikelkrankheit

  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Langfassung der Leitlinie "Divertikelkrankheit / Divertikulitis"
    Leitlinienreport

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)
    Visitenkarte
  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Empfehlungen der Leitlinie richten sich an
    - alle an der Diagnostik und Therapie beteiligten Ärzte von Patienten mit einer Divertikelkrankheit
    - Betroffene

    Patientenzielgruppe

    Erwachsene Patienten mit Divertikulose, Divertikelkrankheit und Divertikulitis

    Versorgungsbereich

    Die Leitlinie gilt sowohl für die ambulante als auch für die stationäre medizinische Versorgung. Sie betrifft Prävention, Diagnostik und Therapie und sowohl primärärztliche als auch spezialisierte Versorgung.
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)
    Visitenkarte

    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Röntgengesellschaft (DRG)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
    Visitenkarte

    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)
    Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung e. V. (DCCV)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    PD Dr. Petra Lynen Jansen DGVS Geschäftsstelle
    Olivaer Platz 7
    10707 Berlin Tel.: 030 / 31 98 31 5000 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Ludger Leifeld Medizinische Klinik 3
    St. Bernward Krankenhaus
    Treibestraße 9
    31141 Hildesheim e-Mail senden
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Die Divertikulose, das asymptomatische Vorhandensein von Pseudodivertikeln des Dickdarms, sowie die Divertikelkrankheit, der Divertikulose mit klinisch signifikanten Symptomen, gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts. Die Prävalenz der Divertikulose liegt zwischen 28-45% in der Gesamtbevölkerung und über 60% bei den über 70jährigen [1-6]. Hierbei ist in den westlichen Ländern in den letzten Jahrzehnten eine weitere Zunahme der Hospitalisierungsrate wegen Komplikationen der Divertikelkrankheit zu beobachten, die nun immer häufiger auch jüngere Patienten betrifft. Es können verschiedene Komplikationen auftreten, bei denen Entscheidungskriterien notwendig sind, welcher Patient einer stationären Behandlung bedarf und welcher im Rahmen einer ambulanten Therapie verbleiben kann. Häufige Komplikationen sind das Auftreten einer Divertikulitis, die zu einer gedeckten oder offenen Perforation führen kann und die mittel- bis langfristig rezidivierende schmerzhafte Schübe, Stenosen oder Fisteln zu Folge haben kann. Weiterhin können untere gastrointestinale Blutungen auftreten durch die Eröffnung von vasa recta, bedingt durch Scherkräfte am Divertikelrand.
    Trotz der immensen Bedeutung des Krankheitsbildes hat es in der medizinischen Wahrnehmung im Vergleich zu anderen Krankheitsbildern bislang ein relatives Schattendasein geführt mit nur übersichtlicher Anzahl von randomisierten Therapiestudien und nur vergleichsweise wenigen Arbeiten zur Pathogenese der Erkrankung. Erst in jüngster Zeit sind zunehmende wissenschaftliche Anstrengungen erfolgt, die althergebrachte Vorstellungen sehr kritisch hinterfragen, wie beispielsweise zur bislang häufig sehr unkontrollierten Antibiotikagabe bei der unkomplizierten Divertikulitis ohne Risikofaktoren oder zur OP-Indikation („nach dem zweiten Schub“). Weitere Entwicklungen betreffen die gezielte Diagnostik der Divertikelkrankheit, welche insbesondere die Bildgebung des perikolischen Raums beinhalten muss und bei der beispielsweise die Sonographie zunehmende Bedeutung gewonnen hat. Des Weiteren ist festzustellen, dass die bislang vorliegenden Klassifikationen der Divertikulitis, wie die im anglo-amerikanischen Raum weit verbreitete Klassifikation nach Hinchey [7] oder die im deutschsprachigen Raum verbreitete Klassifikation nach Hansen und Stock [8] nicht allen modernen Kenntnissen über Diagnose und Krankheitsverlauf gerecht werden, so dass die vorliegende Leitlinie einen Vorschlag einer weiterentwickelten Klassifikation erarbeitet hat.
    Zusammenfassend war es von großer Bedeutung das aktuelle Wissen zur Divertikelkrankheit / Divertikulitis interdisziplinär zu erarbeiten und zu bewerten und nun erstmals eine Leitlinie zu entwickeln, die die gegenwärtigen Erkenntnisse zusammenfasst und Handlungsvorschläge zum Umgang mit Betroffenen gibt.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Ziel der vorliegenden ersten deutschen interdiziplinären S2k Leitlinie zur Divertikelkrankheit ist eine Zusammenfassung und Experten-Bewertung sowie die Aussprache von Empfehlung zum aktuellen Erkenntnisstands zur Anatomie, zur Pathogenese, zur Klinik, zum natürlichen Verlauf einschließlich Komplikationen, zur Epidemiologie, zur Diagnostik und Stadieneinteilung, zur konservativen Behandlung einschließlich Medikamenten und Ernährung sowie Life-style und im Weiteren zu Operationsverfahren. Außerdem sollen Empfehlungen gegeben werden zur Frage welchem Patient eine ambulante bzw. eine stationäre Behandlung empfohlen werden soll und bei welchem eine Indikationsstellung zur konservativen oder zur chirurgischen Behandlung gestellt werden soll.
    Die Leitlinie soll der Fort- und Weiterbildung dienen. Letztendliches Ziel der Leitlinie zum Thema Divertikelkrankheit ist eine Verbesserung der Lebensqualität und des Erkrankungsausgangs Betroffener durch eine bessere Aufklärung und durch einen verbesserten und sorgsameren Umgang mit medikamentösen sowie operativen Therapien.

    Schlüsselwörter:

    Divertikulose, Divertikulitis, Divertikelkrankheit