Leitlinien-Detailansicht

Skaphoidfraktur

Registernummer 012 - 016
Klassifikation S3

Stand: 01.10.2015 , gültig bis 30.09.2020

22.12.2015: redaktionell überarbeiteter Leitlinienreport eingestellt

Verfügbare Dokumente

Langfassung der Leitlinie "Skaphoidfraktur"
Leitlinienreport
Evidenzbericht

Federführende Fachgesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)
Visitenkarte
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC)
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Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH)
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  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Langfassung der Leitlinie "Skaphoidfraktur"
    Leitlinienreport
    Evidenzbericht

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)
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    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC)
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    Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH)
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  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Die Anwender der Leitlinie sind alle Ärzte, die Patienten mit nachgewiesenen oder vermuteten Skaphoidfrakturen untersuchen und / oder behandeln. Dies sind Unfallchirurgen, Orthopäden, Handchirurgen, Chirurgen, Plastische Chirurgen und Radiologen. Indirekt betroffen sind Hersteller und Vertreiber der für die erweiterte Diagnostikerforderlichen Geräte (insbes. Computertomographen) und der beschriebenenOsteosynthesematerialien. Weitere Adressaten sind die Krankenkassen der betroffenen Patienten (gesetzliche und private Krankenkassen, Berufsgenossenschaften), die über die Finanzierung einer gezielteren und umfangreicheren Primärdiagnostik dazu beitragen,langfristige Schäden von ihren Versicherten abzuwenden.

    Patientenzielgruppe

    Die Patientenzielgruppe umfaßt alle Patienten, die eine Skaphoidfraktur erlitten haben oder bei denen der Verdacht auf das Vorliegen einer Skaphoidfraktur besteht.

    Betroffen sind vor allem junge männliche Personen, die vor oder am Beginn ihrer beruflichen Entwicklung stehen, die aber auch im privaten Umfeld und vor allem durch sportliche Aktivitäten hohe Ansprüche an die Funktion ihrer Hände und Handgelenke haben. Diese Patienten habe eine hohe Wahrscheinlichkeit, bei ausgebliebener Heilung einer Skaphoidfraktur über Jahrzehnte an Beschwerden und Funktionseinschränkungen des betroffenen Handgelenkes zu leiden.

    Eingeschlossen sind Patienten mit allen Formen von Skaphoidfrakturen entsprechend derüblichen Klassifikationen von Herbert [5] und Krimmer [6] bzw. der traditionellen Beschreibungen nach Frakturlokalisation (Böhler et al. [4]) und Frakturverlauf (Russe [8]). Ebenso eingeschlossen sind Patienten mit komplexen Verletzungen in Form Skaphoidfrakturen bei Handwurzelluxationsfrakturen. Alle nach anamnestischen und radiologischen Kriterien frischen Verletzung, die im Sinne einer frischen Skaphoidfraktur behandelt werden können, werden von der Leitlinie erfaßt. Patienten mit Pseudarthrosen des Skaphoids und ihre Behandler finden die sie betreffenden diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen in einer separaten Leitlinie „Skaphoidpseudarthrose“.

    Versorgungsbereich

    Der Versorgungsbereich umfaßt die gesamte ambulante und stationäre Diagnostik und Therapie von Patienten mit nachgewiesenen oder vermuteten Skaphoidfrakturen.

    Die primäre und sekundäre Diagnostik erfolgt bei isolierten Verletzungen meist im ambulanten Bereich, wobei die betroffenen Patienten regelhaft Unfallchirurgen, Orthopäden,Chirurgen oder Handchirurgen aufsuchen. Die sekundäre Diagnostik kann auch direkt überPlastische Chirurgen oder Radiologen erfolgen. Bei kombinierten Verletzungen, bei denenneben dem Handgelenk auch andere Körperregionen oder Organsysteme betroffen sind, kann die primäre Untersuchung auch unter den stationären Bedingungen einer Krankenhausbehandlung erfolgen. Typischerweise ist der verantwortliche Erstbehandler dann Unfallchirurg oder seltener Chirurg.

    Die Therapie wird bei isolierten Kahnbeinbrüchen zunehmend ambulant vorgenommen. Die Osteosynthese einer Skaphoidfrakturen gehört zu den Eingriffen, deren ambulante Durchführung nach §115b SGB V unter dem OPS-Kode 5-790.0a empfohlen wird. Alternativkann die operative Versorgung einer isolierten Skaphoidfraktur bei komplizierten Frakturformen, aufwändigen operativen Rekonstruktion oder komplexen Verletzungen stationär erfolgen. Liegen weitere Verletzungen vor, wird unter Berücksichtigung von derenSchwere und Therapienotwendigkeit das gesamte Behandlungskonzept festgelegt. Die Weiterbehandlung nach operativer Versorgung einer Skaphoidfraktur oder die primärkonservative Behandlung erfolgt im ambulanten Bereich durch Unfallchirurgen, Orthopäden,Chirurgen oder Plastische Chirurgen.

  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)
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    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC)
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    Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH)
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    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC)
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    Deutsche Röntgengesellschaft (DRG)
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    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
    Deutsche Gesellschaft für Muskuloskelettale Radiologie (DGMSR)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Prof. Dr. Michael Schädel-Höpfner Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie
    Lukaskrankenhaus GmbH
    Preußenstraße 84
    41464 Neuss Tel.: 02131 / 888 2300 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Michael Schädel-Höpfner Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie
    Lukaskrankenhaus GmbH
    Preußenstraße 84
    41464 Neuss

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Martin Jung Orthopädische Chirurgie München
    Steinerstraße 6
    81369 München
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Skaphoidfrakturen (Brüche des Kahnbeines der Hand) stellen die bei weitem häufigsten Handwurzelfrakturen dar. Sie machen ca. 80% aller knöchernen Verletzungen der Handwurzel aus. Betroffen sind vor allem aktive männliche Erwachsene, die als Berufstätige oder Sportler auf eine ungestörte Handgelenkfunktion angewiesen sind.

    Heilungsstörungen nach Skaphoidfrakturen in Form von Pseudarthrosen sind häufig. Sie führen regelhaft zu einer Arthrose des Handgelenkes mit schmerzhafter Funktionsstörung bis hin zu Invalidisierung. Dadurch erhalten Skaphoidfrakturen eine besonders hohesozioökonische Relevanz. Aus einer im jungen Erwachsenenalter erlittenen und in eine Arthrose des Handgelenkes gemündeten Skaphoidfraktur resultieren jahrzehntelange Leiden, andauernde konservative und wiederholte operative Behandlungen sowie lange Arbeitsunfähigkeitszeiten, Renten- und Invaliditätszahlungen.

    Die Heilungsstörungen des Skaphoids werden durch dessen besondere Anatomie undmechanische Beanspruchung als wesentliches Element des Handgelenkes begründet, sindaber zumeist durch eine frühzeitige und adäquate Diagnostik und Therapie vermeidbar.Allerdings divergieren die existierenden Diagnostik- und Therapiekonzepte erheblich,wodurch die systematische Erkennung von Skaphoidfrakturen erschwert wird und eine anevidenzbasierten Kriterien orientierte Therapie häufig ausbleibt.

    Die Wahl des Leitliniethemas wird deshalb durch dessen medizinische undsozioökonomische Relevanz gleichermaßen begründet.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Die interdisziplinäre Leitlinie Skaphoidfraktur ist ein evidenz- und konsensbasiertes Instrument, um Diagnostik und Therapie von Kahnbeinbrüchen der Hand zu verbessern. Ärzte verschiedener, mit der Diagnostik und Therapie von Skaphoidfrakturen befaßter Fachdiszplinen, und ihre betroffenen Patienten sollen durch die Leitlinie bei den notwendigen diagnostischen und therapeutischen Entscheidung unterstützt werden.

    Die Leitlinie soll angemessene und nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft begründete Verfahren zur Erkennung und Behandlung von Skaphoidfrakturen beschreiben. Dadurch sollen nachvollziehbare Handlungsempfehlungen für die verschiedenen Fraktur- und Verletzungsformen ableitbar sein, welche der individuellen Situation jedes Patienten gerecht werden.

    Primäres Ziel der Leitlinie ist es, die Rate von Pseudarthrosen nach Skaphoidfrakturen zu verringern sowie mittel- und langfristig eine schmerzhafte Funktionsstörung des Handgelenkes zu verhindern. Reduziert werden sollen dadurch Bewegungseinschränkungen, Kraftminderungen und Schmerzen sowie Folgebehandlungen in Formen von Analgetikaeinnahmen, operative Pseudarthrosensanierungen und – beieingetretener Handgelenkarthrose – sog. Rettungsoperationen (Teil- oderTotalversteifungen, Denervierungen). Besonders wichtig sind die Erhaltung derArbeitsfähigkeit und die Vermeidung einer Invalidität. Damit ist die Leitlinie sowohlpatientenindividuell präventiv als auch gesamtgesellschaftlich sozioökonomisch von hoher Bedeutung.

    Die Leitlinie zielt auf evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für die Diagnostik und Therapie von Skaphoidfrakturen unter Berücksichtigung der Patientenperspektive ab. Mittel- und langfristig sollen durch die Leitlinie die Morbidität der betroffenen Patienten gesenkt sowie deren Lebensqualität und Funktionalität erhöht werden.