Leitlinien-Detailansicht

Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphtoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut

Registernummer 007 - 101
Klassifikation S2k

Stand: 30.11.2016 , gültig bis 30.11.2019

Gründe für die Themenwahl:

Aphthen sind schmerzende, rundliche oder ovale Erosionen und Ulzerationen der Mundschleimhaut mit einer Präsenz von einigen Tagen bis zu 2 Wochen und narbenfreier Abheilung. Rezidivierende Aphthen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mundschleimhaut, beginnen meist im 2. und 3. Lebensjahrzent und werden bei Frauen häufiger als bei Männern (?:? = 2:1), Kindern und alten Menschen diagnostiziert. Eine familiäre Häufung rezidivierender Aphthen wird bei 30 – 40% der Patienten beobachtet. In den USA führte eine Prävalenzstudie im Altersbereich von 5-17 Jahren zu dem Ergebnis, dass Mundaphthen die häufigste Läsion der Mundschleimhaut bei Kindern und Jugendlichen repräsentieren.  Die Ätiologie der rezidivierenden Aphthen ist nicht geklärt und nach gegenwärtigem Forschungsstand handelt es sich weder um eine bakterielle noch um eine virale Infektion. Die Entstehung von oropharyngealen Aphthen und aphthoiden Läsionen wird bei verschiedenen infektiösen und nichtinfektiösen Erkrankungen beobachtet. Auslösende Faktoren sind Nahrungsmittel (Nüsse, Schokolade, Tomaten, gewürzte Nahrungsmittel, Zitrusfrüchte, Feigen, Käse, Kaffee, Alkohol), mechanische Irritationen (scharfkantige Zähne, insuffizienter Zahnersatz, Druck mit zahnärztlichen Instrumenten, Bissverletzungen), die Menstruation und verschiedene Erkrankungen. Krankheiten mit langzeitig oropharyngealen oralen Aphthen sind der Morbus Behcet und der Morbus Crohn, die Colitis ulcerosa, Malabsorptionssyndrome, die glutensensitive Enteropathie, die HIV-Infektion, die zytophage histiozytäre Pannikulitis, Mangelzustände an Vitamin B12, Folsäure und Eisen sowie die zyklische Neutropenie.  Eine Korrelation zwischen Psychosomatik und benignen Aphthosen ist ebenfalls beschrieben worden. Die Dauer einer Erkrankung mit rezidivierenden Aphthen kann sich über wenige Monate bis über 40 Jahre erstrecken.  Trotz der Therapieresistenz muss in Abhängigkeit von  Dauer und Ausprägung eine möglichst effektive Behandlung mit Hilfe der  bekannten Therapieoptionen  durchgeführt werden. Schmerzlinderung, Verkürzung der Aphthendauer, Verlängerung der symptomfreien Intervalle und im besten Fall die Verhinderung neuer Aphthen sind die Therapie- und Prophylaxevorgaben.

Zielorientierung der Leitlinie:

Die Ziele dieser Leitlinie sind

- die klinische Differenzierung zwischen Aphthe, aphthoider und ulzeröser Läsion

- die Auflistung der häufigen und seltenen Differenzialdiagnosen zu den oropharyngealen Aphthen (Verwechslungsmöglichkeiten)

- die Zusammenfassung von Krankheiten, die über einen längeren Zeitraum mit oropharyngealen Aphthen in Form rezidivierender Aphthen assoziiert sind

- die Darstellung aktueller therapeutischer Regime:

A. Generelle Empfehlungen

B. Lokaltherapie bei benignen oropharyngealen Aphthosen mit den drei klinischen Varianten vom Typus minor (Mikulicz), Typus major (Sutton) und Typus herpetiformis (Cooke), bei prämenstruellen Aphthen, bei der Aphthosis von HIV-positiven Patienten und bei den rezidivierenden oralen Aphthen des Morbus Behçet

Mit der Verbreitung und Umsetzung dieser Leitlinie soll erreicht werden

- die Erkennung von Aphthen und aphthoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut

- die Abgrenzung zu Vorläuferläsionen des oropharyngealen Plattenepithelkarzinoms

- die Abgrenzung zu einem manifesten oropharyngealen Plattenepithelkarzinom

- die Vermeidung einer iatrogen bedingten Verzögerung in der Diagnosestellung einer malignen Mund- und / oder Rachenschleimhautveränderung und in der Folge einer zu spät eingeleiteten Therapie; fachärztliche spezialisierte Diagnostik und Weiterbehandlung des betroffenen Patienten bei Verdacht auf Vorliegen eines oropharyngealen Plattenepithelkarzinoms und seiner Vorstufen

- die Hebung der Versorgungsqualität von Patienten mit oropharyngealen Aphthen und aphtoiden Läsionen durch anerkannte Medikationen

Schlüsselwörter:

Schleimhautdefekt, Primäreffloreszenz, Immunpathologie

  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphtoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut"
    Langfassung der Leitlinie "Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphtoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut"
    Leitlinienreport

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)
    Visitenkarte
  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Zahnärzte und Fachzahnärzte

    Ärzte und Fachärzte insbesondere für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie oder Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde sowie z. B. Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin und Pathologie

    Patientenzielgruppe

    Patienten (Kleinkinder, Kinder, Jugendliche, Erwachsene) mit akuten oder chronisch rezidivierend auftretenden Aphthen oder aphthoiden Läsionen der Mundschleimhaut

    Versorgungsbereich

    Diese Leitlinie wird primär für den ambulanten Versorgungsbereich entwickelt. Bei Krankheiten mit aphthoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut ist allerdings auch der teilstationäre bzw. stationäre Versorgungsbereich betroffen, weil atypische Aphthen bzw. Morbus Behçet (synonym für M. Adamantiades-Behçet)-verdächtige Ulzerationen, Ulzerationen bei HIV-infizierten, bei therapeutisch immunsupprimierten oder immunkompromittierten Patienten, Patienten mit Arteriitiden unterschiedlicher Genese und einem M. Crohn oder anderen entzündlichen Darmerkrankungen mit extraintestinalen Symptomen sowie bei Patienten mit oropharyngealen Malignomen bzw. malignen Systemerkrankungen (Leukämien, Lymphome, generalisierte zytophagische Histiozytosen) auftreten können. Daher ist neben der primärärztlichen auch eine spezialisierte Versorgung erforderlich. Rezidivierende orale Aphthen sind von den Vorläuferläsionen des oralen Plattenepithelkarzinoms in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde abzugrenzen. Die Diagnostik und Differentialdiagnostik  von Aphthen und aphthoiden  Läsionen leistet einen Beitrag zur  Früherkennung einer malignen Transformation  und zur -Vermeidung einer iatrogenen Therapieverzögerung bei einer manifesten malignen Veränderung im Bereich der Mundschleimhäute.  Die Morbidität kann durch die differenzierte Diagnostik und Therapie oraler Aphthen verringert werden. Der rezidivierende Verlauf, das Erscheinungsbild (Mikulicz- und Sutton-Typ), erhöhte Temperaturen, Leistungsminderung, Augen- und Gelenksymptome gebieten eine Überprüfung der Diagnose (z.B. Morbus Behcet, rezidivierende Schübe von Herpes simplex  [labialis, oralis], Virusenantheme [„Sommergrippe“, Herpangina Zahorsky, „Hand-Fuß-Mund-Exanthem“]) und Abgrenzung gegen „symptomatische“ Aphthosen bei dysmetabolischen, ischämischen oder malabsorptiven Erkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Arteriitiden, Zinkmangel). 
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)
    Visitenkarte

    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP)
    Visitenkarte

    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Interdisziplinärer Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin, AKOPOM (mit-federführend)
    Berufsverband Deutscher Oralchirurgen, BDO
    Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, KZBV
    Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Dr. med. dent. Silke Auras, MPH Leitlinienbeauftragte der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)
    Liesegangstr. 17a
    40211 Düsseldorf Tel.: +49 152 31 79 35 44 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Jochen Jackowski Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie und Poliklinische Ambulanz
    Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
    Fakultät für Gesundheit
    Universität Witten/Herdecke
    Alfred-Herrhausen-Strasse 45
    58448 Witten Tel.: +49-2302-926-690/691

    Leitlinienkoordination:

    PD Dr. Frank Strietzel Charité – Universitätsmedizin Berlin
    Centrum 3 für Zahn-, Mund- undKieferheilkunde, Oralmedizin, zahnärztliche Röntgenologie und Chirurgie)
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Aphthen sind schmerzende, rundliche oder ovale Erosionen und Ulzerationen der Mundschleimhaut mit einer Präsenz von einigen Tagen bis zu 2 Wochen und narbenfreier Abheilung. Rezidivierende Aphthen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mundschleimhaut, beginnen meist im 2. und 3. Lebensjahrzent und werden bei Frauen häufiger als bei Männern (?:? = 2:1), Kindern und alten Menschen diagnostiziert. Eine familiäre Häufung rezidivierender Aphthen wird bei 30 – 40% der Patienten beobachtet. In den USA führte eine Prävalenzstudie im Altersbereich von 5-17 Jahren zu dem Ergebnis, dass Mundaphthen die häufigste Läsion der Mundschleimhaut bei Kindern und Jugendlichen repräsentieren.  Die Ätiologie der rezidivierenden Aphthen ist nicht geklärt und nach gegenwärtigem Forschungsstand handelt es sich weder um eine bakterielle noch um eine virale Infektion. Die Entstehung von oropharyngealen Aphthen und aphthoiden Läsionen wird bei verschiedenen infektiösen und nichtinfektiösen Erkrankungen beobachtet. Auslösende Faktoren sind Nahrungsmittel (Nüsse, Schokolade, Tomaten, gewürzte Nahrungsmittel, Zitrusfrüchte, Feigen, Käse, Kaffee, Alkohol), mechanische Irritationen (scharfkantige Zähne, insuffizienter Zahnersatz, Druck mit zahnärztlichen Instrumenten, Bissverletzungen), die Menstruation und verschiedene Erkrankungen. Krankheiten mit langzeitig oropharyngealen oralen Aphthen sind der Morbus Behcet und der Morbus Crohn, die Colitis ulcerosa, Malabsorptionssyndrome, die glutensensitive Enteropathie, die HIV-Infektion, die zytophage histiozytäre Pannikulitis, Mangelzustände an Vitamin B12, Folsäure und Eisen sowie die zyklische Neutropenie.  Eine Korrelation zwischen Psychosomatik und benignen Aphthosen ist ebenfalls beschrieben worden. Die Dauer einer Erkrankung mit rezidivierenden Aphthen kann sich über wenige Monate bis über 40 Jahre erstrecken.  Trotz der Therapieresistenz muss in Abhängigkeit von  Dauer und Ausprägung eine möglichst effektive Behandlung mit Hilfe der  bekannten Therapieoptionen  durchgeführt werden. Schmerzlinderung, Verkürzung der Aphthendauer, Verlängerung der symptomfreien Intervalle und im besten Fall die Verhinderung neuer Aphthen sind die Therapie- und Prophylaxevorgaben.

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Die Ziele dieser Leitlinie sind

    - die klinische Differenzierung zwischen Aphthe, aphthoider und ulzeröser Läsion

    - die Auflistung der häufigen und seltenen Differenzialdiagnosen zu den oropharyngealen Aphthen (Verwechslungsmöglichkeiten)

    - die Zusammenfassung von Krankheiten, die über einen längeren Zeitraum mit oropharyngealen Aphthen in Form rezidivierender Aphthen assoziiert sind

    - die Darstellung aktueller therapeutischer Regime:

    A. Generelle Empfehlungen

    B. Lokaltherapie bei benignen oropharyngealen Aphthosen mit den drei klinischen Varianten vom Typus minor (Mikulicz), Typus major (Sutton) und Typus herpetiformis (Cooke), bei prämenstruellen Aphthen, bei der Aphthosis von HIV-positiven Patienten und bei den rezidivierenden oralen Aphthen des Morbus Behçet

    Mit der Verbreitung und Umsetzung dieser Leitlinie soll erreicht werden

    - die Erkennung von Aphthen und aphthoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut

    - die Abgrenzung zu Vorläuferläsionen des oropharyngealen Plattenepithelkarzinoms

    - die Abgrenzung zu einem manifesten oropharyngealen Plattenepithelkarzinom

    - die Vermeidung einer iatrogen bedingten Verzögerung in der Diagnosestellung einer malignen Mund- und / oder Rachenschleimhautveränderung und in der Folge einer zu spät eingeleiteten Therapie; fachärztliche spezialisierte Diagnostik und Weiterbehandlung des betroffenen Patienten bei Verdacht auf Vorliegen eines oropharyngealen Plattenepithelkarzinoms und seiner Vorstufen

    - die Hebung der Versorgungsqualität von Patienten mit oropharyngealen Aphthen und aphtoiden Läsionen durch anerkannte Medikationen

    Schlüsselwörter:

    Schleimhautdefekt, Primäreffloreszenz, Immunpathologie