Leitlinien-Detailansicht

Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz

Registernummer 001 - 021
Klassifikation S3

Stand: 20.11.2017 , gültig bis 20.11.2022

Gründe für die Themenwahl:

Die invasive Beatmung mittels positiver Beatmungsdrücke stellt eine wesentliche Therapie der Intensivmedizin dar. Wichtigste Indikation zur invasiven Beatmung ist die Sicherstellung des pulmonalen Gasaustauschs bei respiratorischem Versagen unterschiedlicher Ätiologie. Ebenfalls von Bedeutung ist die nicht pulmonal bedingte Indikation zur invasiven Beatmung im Zusammenhang mit einer Sicherung des Atemweges (z.B. bei Patienten mit quantitativen Bewusstseinsstörungen).
Eine invasive Beatmung ist allerdings auch mit einer Vielzahl von Komplikationen vergesellschaftet. Neben den direkten Folgen einer Überdruckbeatmung auf die Lunge (ventilator-induced lung injury) wurden bisher weitere Nachteile, z.B. die Unterhaltung systemischer inflammatorischer Reaktion, die Reduktion der Perfusion abdomineller Organe und die Reduktion der Schlafqualität nachgewiesen. Die konsequente Anwendung eines lungenprotektiven Beatmungskonzeptes trägt dazu bei, beatmungsassoziierte Lungenschäden zu begrenzen. Großangelegte randomisierte klinische Studien konnten bereits vor mehr als 10 Jahren nachweisen, dass eine lungenprotektive Beatmung mit einer signifikanten Reduktion der Sterblichkeit vergesellschaftet ist. Gleichzeitig scheint die Etablierung protektiver Beatmungskonzepte und weiterer nachweislich die Sterblichkeit der Patienten vermindernder begleitender Maßnahmen bei akuter respiratorischer Insuffizienz im klinischen Alltag nur langsam voranzuschreiten.
Patienten, bei denen mit einer herkömmlichen (lungenprotektiven) Beatmung kein ausreichender Gasaustausch gewährleistet werden kann, profitieren möglicherweise vom Einsatz extrakorporaler Verfahren. So kommen bei Patienten mit schwerem, akuten Lungenversagen zunehmend Lungenunterstützungssysteme zur extrakorporalen Membranoxygenierung und CO2-Elimination zum Einsatz um vital bedrohliche Hypoxie und Hyperkapnie zu behandeln. Die technische Evolution der extrakorporalen Systeme bewirkt, dass die Therapie mit Extrakorporalverfahren nicht mehr ausschließlich als „Rescue-Therapie“ bei akuter, vital bedrohlicher Hypoxämie erfolgt, sondern teilweise bereits mit dem Ziel eingesetzt wird, eine lungenprotektive Beatmungstherapie zu ermöglichen. Bisher existieren jedoch für Deutschland, Österreich und die Schweiz keine auf einer systematischen Literaturrecherche und – bewertung aufbauenden Behandlungsempfehlungen zu diesen komplexen, risikobehafteten und kostenintensiven Therapieverfahren. 

Zielorientierung der Leitlinie:

Die Leitlinie verfolgt das Ziel, evidenzbasierte Empfehlungen für die Indikation und Durchführung invasiver Beatmung sowie damit zusammenhängender begleitender Maßnahmen zu geben. Wir streben an, mit der Leitlinie zur besseren Etablierung protektiver Beatmungskonzepte im klinischen Alltag beizutragen.
Ziel dieser Leitlinie ist weiterhin, Empfehlungen zur Indikation und Durchführung von Extrakorporalverfahren bei Patienten mit akuter respiratorischer Insuffizienz auf der Basis des derzeitigen Standes der Literatur herauszuarbeiten.
Darüberhinaus soll die Leitlinie die für die Patienten besonders wichtigen Langzeitfolgen invasiver Beatmungstherapie und Arbeitsfelder für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten aufzeigen.
Die Leitlinie beschäftigt sich mit dem Einsatz der nicht-invasiven Beatmung (NIV) nur in der Frage der Abgrenzung der Indikationsstellung für unterschiedliche Patientengruppen. Zu darüber hinausgehenden Aspekten der NIV verweisen wir auf die entsprechende S3-Leitlinie (AWMF Reg.Nr. 020/004).
 Die Leitlinie beschäftigt sich nicht mit dem Einsatz extrakorporaler Herz-Kreislauf-Unterstützungsverfahren. Hierzu verweisen wir auf die entsprechende S3-Leitlinie (AWMF Reg.Nr. 011/021).

  • Basisdaten

    Verfügbare Dokumente

    Kurzfassung der Leitlinie "Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz"
    Langfassung der Leitlinie "Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz"
    Leitlinienreport
    Evidenzbericht - Teil 1
    Evidenzbericht - Teil 2
    Evidenzbericht - Teil 3
    Schlüsselempfehlungen und Qualitätsindikatoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
    Visitenkarte
  • Anwender- & Patientenzielgruppe

    Adressaten

    Adressaten dieser Leitlinie sind alle Mitglieder des Behandlungsteams auf Intensivstationen, welche invasiv beatmete Patienten bzw. Patienten mit extrakorporalen Lungenunterstützungsverfahren behandeln bzw. betreuen, also Ärzte, Pflegekräfte, Rettungsassistenten, Physiotherapeuten, Kardiotechniker und Beatmungstherapeuten.
    Weiterhin wollen wir mit der Leitlinie unseren Patienten und deren Angehörigen sowie den Mitgliedern anderer medizinischer Berufsgruppen eine vertrauenswürdige und belastbare Informationsquelle zur rationalen Anwendung invasiver Beatmung und extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz anbieten.

    Patientenzielgruppe

    Die Leitlinie wurde für die Behandlung von Patienten mit akuter respiratorischer Insuffizienz jenseits der Neugeborenenperiode erstellt (ICD-10: ARDS Erwachsene J80.-/ Lungenödem J81/ akutes hyperkapnisches Versagen im Zusammenhang mit COPD: J44.-), bei denen eine invasive Beatmung erwogen oder bereits durchgeführt wird.
    Weiterhin gilt die Leitlinie für Patienten, bei denen aufgrund einer schweren respiratorischen Insuffizienz der Einsatz eines extrakorporalen Verfahrens zur Sicherstellung des Gasaustausches erwogen oder bereits durchgeführt wird. Mit dem Schlusskapitel zur Folgeversorgung und Langzeitfolgen wendet sich die Leitlinie auch den bereits genannten Patientengruppen in der Phase nach beendeter invasiver Beatmung bzw. extrakorporaler Lungenunterstützung zu.

    Versorgungsbereich

    - Patienten auf Intensivtherapiestationen
    - Patienten, welche unter Fortführen intensivtherapeutischer Maßnahmen transportiert werden müssen
    - Präklinische Notfallpatienten
  • Herausgeber & Autoren

    Federführende Fachgesellschaft

    Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
    Visitenkarte

    Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften

    Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie e.V. (DGNC)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (DGNI)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
    Visitenkarte
    Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin e.V. (GNPI)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
    Visitenkarte
    Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie
    Visitenkarte

    Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen

    Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI)
    Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI)
    Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e. V., DGF
    Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK)
    Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik e.V., DGfK
    Deutsche Sepsis-Hilfe e.V.
    Bundesverband der Organtransplantierten e.V. (BDO)

    Ansprechpartner (LL-Sekretariat):

    Dr. med. Falk Fichtner Interdiszplinäre Operative Intensivstation (IOI)
    Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
    Universtitätsklinikum Leipzig AöR
    Liebigstraße 20
    04103 Leipzig Tel.: 0341/97-17594 /-17704 e-Mail senden

    Leitlinienkoordination:

    Dr. med. Falk Fichtner

    Leitlinienkoordination:

    Prof. Dr. Onnen Mörer

    Leitlinienkoordination:

    PD Dr. med. Sven Laudi
  • Inhalte
    Gründe für die Themenwahl:

    Die invasive Beatmung mittels positiver Beatmungsdrücke stellt eine wesentliche Therapie der Intensivmedizin dar. Wichtigste Indikation zur invasiven Beatmung ist die Sicherstellung des pulmonalen Gasaustauschs bei respiratorischem Versagen unterschiedlicher Ätiologie. Ebenfalls von Bedeutung ist die nicht pulmonal bedingte Indikation zur invasiven Beatmung im Zusammenhang mit einer Sicherung des Atemweges (z.B. bei Patienten mit quantitativen Bewusstseinsstörungen).
    Eine invasive Beatmung ist allerdings auch mit einer Vielzahl von Komplikationen vergesellschaftet. Neben den direkten Folgen einer Überdruckbeatmung auf die Lunge (ventilator-induced lung injury) wurden bisher weitere Nachteile, z.B. die Unterhaltung systemischer inflammatorischer Reaktion, die Reduktion der Perfusion abdomineller Organe und die Reduktion der Schlafqualität nachgewiesen. Die konsequente Anwendung eines lungenprotektiven Beatmungskonzeptes trägt dazu bei, beatmungsassoziierte Lungenschäden zu begrenzen. Großangelegte randomisierte klinische Studien konnten bereits vor mehr als 10 Jahren nachweisen, dass eine lungenprotektive Beatmung mit einer signifikanten Reduktion der Sterblichkeit vergesellschaftet ist. Gleichzeitig scheint die Etablierung protektiver Beatmungskonzepte und weiterer nachweislich die Sterblichkeit der Patienten vermindernder begleitender Maßnahmen bei akuter respiratorischer Insuffizienz im klinischen Alltag nur langsam voranzuschreiten.
    Patienten, bei denen mit einer herkömmlichen (lungenprotektiven) Beatmung kein ausreichender Gasaustausch gewährleistet werden kann, profitieren möglicherweise vom Einsatz extrakorporaler Verfahren. So kommen bei Patienten mit schwerem, akuten Lungenversagen zunehmend Lungenunterstützungssysteme zur extrakorporalen Membranoxygenierung und CO2-Elimination zum Einsatz um vital bedrohliche Hypoxie und Hyperkapnie zu behandeln. Die technische Evolution der extrakorporalen Systeme bewirkt, dass die Therapie mit Extrakorporalverfahren nicht mehr ausschließlich als „Rescue-Therapie“ bei akuter, vital bedrohlicher Hypoxämie erfolgt, sondern teilweise bereits mit dem Ziel eingesetzt wird, eine lungenprotektive Beatmungstherapie zu ermöglichen. Bisher existieren jedoch für Deutschland, Österreich und die Schweiz keine auf einer systematischen Literaturrecherche und – bewertung aufbauenden Behandlungsempfehlungen zu diesen komplexen, risikobehafteten und kostenintensiven Therapieverfahren. 

    Zielorientierung der Leitlinie:

    Die Leitlinie verfolgt das Ziel, evidenzbasierte Empfehlungen für die Indikation und Durchführung invasiver Beatmung sowie damit zusammenhängender begleitender Maßnahmen zu geben. Wir streben an, mit der Leitlinie zur besseren Etablierung protektiver Beatmungskonzepte im klinischen Alltag beizutragen.
    Ziel dieser Leitlinie ist weiterhin, Empfehlungen zur Indikation und Durchführung von Extrakorporalverfahren bei Patienten mit akuter respiratorischer Insuffizienz auf der Basis des derzeitigen Standes der Literatur herauszuarbeiten.
    Darüberhinaus soll die Leitlinie die für die Patienten besonders wichtigen Langzeitfolgen invasiver Beatmungstherapie und Arbeitsfelder für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten aufzeigen.
    Die Leitlinie beschäftigt sich mit dem Einsatz der nicht-invasiven Beatmung (NIV) nur in der Frage der Abgrenzung der Indikationsstellung für unterschiedliche Patientengruppen. Zu darüber hinausgehenden Aspekten der NIV verweisen wir auf die entsprechende S3-Leitlinie (AWMF Reg.Nr. 020/004).
     Die Leitlinie beschäftigt sich nicht mit dem Einsatz extrakorporaler Herz-Kreislauf-Unterstützungsverfahren. Hierzu verweisen wir auf die entsprechende S3-Leitlinie (AWMF Reg.Nr. 011/021).