Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 038 - 020
Klassifikation S3

Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen

Anmeldedatum:

05.10.2016

Geplante Fertigstellung:

30.06.2018

Gründe für die Themenwahl:

Zielgruppe sind Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, deren Prävalenz auf ca. 1-2% der Gesamtbevölkerung geschätzt wird; in Deutschland betrifft dies schätzungsweise 500.000 bis 1 Mio. Menschen. Diese Patientengruppe ist hauptsächlich durch die Auswirkungen einer schweren und längerfristigen psychischen Erkrankung gekennzeichnet. Die Betroffenen tragen nicht nur schwer an der Symptomlast, sondern erfahren deutliche Einschränkungen in ihren psychosozialen Funktionen; oft ist die Teilhabe an Ausbildung, Arbeit, Wohnen, Familie und Freizeit eingeschränkt; die soziale Teilhabe entsprechend gering. In der Leitlinie werden Behandlungs- und Versorgungsansätze aufgegriffen, die unter psychosozialen Ansätzen subsumiert werden, neben den somatischen und psychotherapeutischen Ansätzen eine weitere wichtige Behandlungssäule darstellen und insbesondere darauf abzielen, die Fähigkeiten der Betroffenen zu stärken aber auch die Umgebungsbedingungen so zu gestalten, dass ein weitestgehend unabhängiges Leben in der Gemeinde und gleichberechtigte Teilhabe der Betroffenen möglich werden.

Zielorientierung der Leitlinie:

Die Aktualisierung der S3-Leitlinie sieht die Aufbereitung der aktuellen Evidenz zu vielen der in der ersten Version der Leitlinie berücksichtigen Themen vor sowie eine Erweiterung des Spektrums. Viele der psychosozialen Interventionen stehen mittlerweile auf einer breiten Evidenzbasis, die es vor dem Hintergrund des deutschen Behandlungs- und Versorgungssystems systematisch aufzubereiten gilt.

Die soziale Exklusion schwer psychisch Kranker ist nach wie vor sehr groß. Die in der UN-Behindertenrechtskonvention formulierten Rechte noch nicht für jedermann umgesetzt. Genau hier setzen psychosoziale Interventionen, wie die der beruflichen Rehabilitation oder zum unterstützen Wohnen an. Psychosoziale Interventionen umfassen z.B. auch Strategien zur Stärkung des Einzelnen im Umgang mit der Erkrankung, zur Aktivierung der Ressourcen und zur Weiterentwicklung von Fähigkeiten für eine selbständige und eigenverantwortliche Lebensführung (z.B. Selbstmanagement, Psychoedukation, Empowerment, Recovery).

Es ist bekannt, dass schwere psychische Erkrankungen auch mit einem deutlich erhöhten Risiko an somatischer Komorbidität und Mortalität einhergehen. Auch hier setzen psychosoziale Therapie in Form von Sport- und Bewegungsinterventionen sowie einen gesunden Lebensstil fördernden Interventionen an; letztere sollen im Rahmen des Updates neu aufgenommen werden.

Das Interesse an und die Notwendigkeit der Implementierung psychosozialer Interventionen in den Behandlungsalltag sind groß. Hierzu trägt die S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen bereits jetzt schon bei. Es gilt die Möglichkeiten einer modernen und evidenzbasierten Versorgung schwer psychisch Kranker weiter zu verbessern; auch dazu soll das Update weiter beitragen.Die Leitlinie gibt den aktuell konsentierten Standard bei psychosozialen Interventionen wieder. Durch die Empfehlungen dieser Leitlinie soll die Qualität der Behandlung und Versorgung der unten genannten Personengruppe verbessert und nicht durch Evidenz begründete Varianz in der Versorgung verringert werden. Die Anwendung wirksamer und hilfreicher Verfahren soll gestärkt werden. Gleichzeitig werden bei einzelnen Verfahrenund Hinweisen auf fehlende Wirksamkeit abgeschwächte Empfehlungen gegeben. Ziel istdie Steigerung der Lebensqualität und die Ermöglichung eines so weit wie möglichselbstbestimmten Lebens der Betroffenen mit größtmöglicher Teilhabe amgesellschaftlichen Leben.

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Uta Gühne

Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)
Philipp-Rosenthal-Str. 55
04103 Leipzig

e-Mail senden

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Biologische Psychiatrie e. V. (DGBP)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Arbeitskreis der Chefärztinnen und Chefärzte von Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern in Deutschland, ACKPA

AOK Bayern

Aktion Psychisch Kranke (APK)

Bundesarbeitsgemeinschaft Beruflicher Trainingszentren (BAG BTZ)

Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde e.V., BAG GPV

Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien

Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation psychisch kranker Menschen (BAG RPK)

Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung (BAG UB) e.V.

Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG:WfbM)

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. (BApK)/Familien-Selbsthilfe Psychiatrie

Bundesinitiative ambulante psychiatrische Pflege (bapp)

Bundesdirektorenkonferenz Psychiatrischer Krankenhäuser BDK

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP)

Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie e.V., BFLK

Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE e.V.)

Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)

Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)

Berufsverband deutscher Psychiater (BVDP)

Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. (bvvp)

Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH)

Deutsche Gesellschaft für Psychoedukation e.V.

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention

Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP)

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)

Deutsch-Türkische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosoziale Gesundheit e.V. (DTGPP)

Deutscher Verband der Ergotherapeuten (DVE) e.V.

Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS)

Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD), Fachgruppe Psychiatrie

Berufsverband der Soziotherapeuten e.V.

Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V.

Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke - BAG BBW

Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT)

Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke e.V. (BFW)

Bundesverband Pflegemanagement e.V.

Berufsverband für Künstlerische Therapien g.e.V.

Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen (BAG IF)

EX-IN Deutschland e.V. (EX-IN)

Landesverband Psychiatrie Erfahrener Rheinland-Pfalz e.V. (LVPE RLP)

Leitliniensekretariat:

Prof. Dr. Steffi G. Riedel-Heller

Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)
Philipp-Rosenthal-Str. 55
04103 Leipzig

Tel.: 0341 - 97 15 408

e-Mail senden

Koordination:

Prof. Dr. Thomas Becker
Prof. Dr. Steffi G. Riedel-Heller

 

Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller

Leipzig

 

Dr. Dr. Stefan Weinmann

Berlin

Adressaten:

Die vorliegende Leitlinie soll als Entscheidungsgrundlage bzw. Handlungshilfe für folgenden Personenkreis dienen:

- erwachsene Menschen mit einer schweren psychischen Erkrankung und derenAngehörige

- professionell psychiatrisch Tätige (wie Psychiater, ärztliche Psychotherapeuten und Allgemeinärzte, Psychologische Psychotherapeuten, Diplom-Psychologen,Ergotherapeuten, Sozialarbeiter, Krankenpflegepersonal, Personal in anderen psychiatrischen Einrichtungen, gesetzliche Betreuer und andere, die im Hilfesystem tätig sind),

- andere Personen und Entscheidungsträger im Gesundheits- und Sozialsystem,die Unterstützungsleistungen für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen anbieten oder organisieren.

Versorgungssektor:

Die in der Leitlinie behandelten Interventionen finden in den verschiedensten Versorgungssektor/en, -abschnitten und -ebenen Anwendung:

- ambulant/stationär/teilstationär

- Therapie, Rehabilitation, kommunale soziale Versorgung

- primärärztliche/spezialisierte Versorgung unter Beteiligung aller an der Behandlung undVersorgung beteiligter Berufsgruppen (s. Adressaten)

Patientenzielgruppe:

Die Personengruppe der Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen ist v.a. durch die Auswirkungen ihrer schweren und anhaltenden psychischen Erkrankung gekennzeichnet, die sich durch deutliche Einschränkungen in verschiedenen Funktions- und Lebensbereichen zeigen und aufgrund der komplexen Behandlungsbedarfe oft mit einer intensiven Inanspruchnahme medizinischer und psychosozialer Hilfen verbunden sind. Für die Versorgungsplanung psychiatrisch-psychotherapeutischer und psychosozialer Hilfen nehmen sie eine Sonderstellung ein. Historisch gesehen sind diejenigen psychisch Kranken gemeint, die vor der Psychiatrieenquete über viele Jahre in psychiatrischen Anstalten lebten und heute gemeindenah versorgt werden.

Zielgruppe dieser Leitlinie sind demnach Menschen mit jeder psychiatrischen Diagnosen,welche über längere Zeit, d. h. über mindestens zwei Jahre, Krankheitssymptome aufweisen bzw. in Behandlung sind, die mit erheblichen Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens und das soziale Funktionsniveau einhergehen sowie häufig mit einer intensiven Inanspruchnahme des Behandlungs- und psychosozialen Hilfesystems verbunden sind.

Für die vorliegende Leitlinien wird nach folgenden Erkrankungen im Sinne medizinischer Diagnosen recherchiert:

- Schizophrenie und andere schwere psychische Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis (ICD-10: F20–F22, F25)

- Schwere affektive Störungen: Manien (ICD-10: F30), bipolar-affektive Störungen (ICD-10: F 31), schwere und rezidivierend-depressive Erkrankungen (ICD-10:F32.2–F32.3 und F33)

- Schwere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10: F60–F61)

- Schwere Angststörungen (ICD-10: F41)

- Schwere Zwangsstörungen (ICD-10: F42)

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Das methodische Vorgehen richtet sich nach den Erfordernissen einer Leitlinie auf S3-Niveau.

Entsprechend der durch die AWMF festgesetzten Erfordernisse für die Erstellung von S3-Leitlinien wird die Leitliniengruppe aus einer Projektgruppe, einer Expertengruppe und einer Konsensusgruppe zusammengesetzt sein. Die Moderation der Konsensuskonferenzen wird Frau Professor Dr. Ina Kopp (AWMF) übernehmen. Eine entsprechende Erklärung zu möglichen Interessenkonflikten wird systematischeingeholt.

Literaturrecherche:

- Zusammenstellung klinisch relevanter Fragestellungen/Schlüsselfragen

- Systematische Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken (MEDLINE, Cochrane-Datenbanken: Cochrane Controlled Trials Register (CCTR), Database of Abstracts ofEffectiveness (DARE), Embase, PsycINFO, alle großen Leitlinien- und HTA-Datenbankenwie die der NGC (National Guideline Clearinghouse, INAHTA, ÄZQ, SIGN), fürausgewählte Themen zusätzliche relevante Datenbanken (z.B. OTSEEKER.com,OTDBASE.org, CINAHL.com)

- Zusätzlich zu den Datenbanken wird in den Literaturverzeichnissen der identifiziertenStudien und Reviews und in ausgewählten Fachbüchern nach relevanten Publikationengesucht (Handsuche).

- Weiterhin werden die Mitglieder der Konsensus- und Expertengruppe um die Zusendungrelevanter Literatur zu den Themen gebeten.

- Für die Suche werden für jedes Thema sensitive Suchstrategien festgelegt, die aufCochrane-Suchstrategien aufbauten. Es werden zunächst systematische Reviews undMetaanalysen berücksichtigt und in einem zweiten Schritt später erschienene Arbeiten,insbesondere randomisierte kontrollierte Studien, betrachtet.

- Die Qualität der eingeschlossenen Studien wird mithilfe des Risk of Bias Tool derCochrane Collaboration bewertet und entsprechend dokumentiert.

Konsensustechniken:


Wir streben in Abhängigkeit der Themen verschiedene Möglichkeiten zur strukturiertenKonsensfindung an: Nominaler Gruppenprozess, strukturierte Konsensuskonferenz,Delphi-Technik. 

Ergänzende Informationen:

Informationen zum Leitlinienprojekt finden sich auf der Internetseite der DGPPN