Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 032 - 009OL
Klassifikation S3

Magenkarzinom - Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens und gastroösophagealen Übergangs

Anmeldedatum:

01.10.2016

Geplante Fertigstellung:

30.09.2018

Gründe für die Themenwahl:

Karzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs gehören weiterhin weltweit zu den häufigsten tumorbedingten Todesursachen. Das Magenkarzinom nimmt in Deutschland bei Männern den fünften und bei Frauen den sechsten Platz in der Rangliste der Krebserkrankungen ein. Zusätzlich steigt die Inzidenz der Karzinome des ösophagogastralen Übergangs und distalen Speiseröhrenkarzinome weiter kontinuierlich an  trotz zahlreicher Verbesserungen in Diagnostik und Therapie in den letzten Jahren sind Karzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs eine große Herausforderung für alle versorgenden Disziplinen. Die Prognose der Patienten ist z.B. trotz der klaren Verbesserungen in der perioperativen Therapie weiter ungünstig, mit einer 5-Jahres-Überlebensrate des Magenkarzinoms aller Stadien, von weiterhin unter 30 % für Männer und Frauen.

Gründe hierfür sind zwar, dass 50-70% der Patienten zu Erkrankungsbeginn in einem langen Intervall asymptomatisch bleiben, aber auch dass Ärzte nicht an diese Diagnose differentialdiagnostisch denken, oder bei chronischen Entzündungen, z.B. mit Helicobacter pylori eine mögliche Eradikation nicht in Erwägung ziehen. Hier zeigen erstmals Studien, dass eine Eradikation auch die Inzidenz des Magenkarzinoms senken kann. Weiterhin herrscht in vielen Praxen und Bereichen die Meinung vor, dass die Patienten mit Magenkrebs ohnehin dem Tod geweiht sind und daher keine gezielte Therapie benötigen. Die Diagnose wird daher oft erst im fortgeschrittenen und inoperablen Zustand gestellt. In den letzten 5 Jahren wurden die neoadjuvante Therapien und perioperativen Konzepte weltweit etabliert. Trotz dieser Konzepte zeigen Patienten in frühen Stadien II-III ein schlechtes 5-Jahresüberleben mit hohem Risiko für Lokalrezidive, lymphogene Mikrometastasen oder organische Fernmetastasierung. In den letzten 5-10 Jahren hat sich enormes Wissen in der medizinischen Fachwelt entwickelt, wie z.B. die zunehmend aufgeklärte Karzinogenese (mit konsekutiv zu evaluierenden Prognosemarkern, wissenschaftlich evaluierte Endoskopie-Techniken, weiter verbesserte diagnostische und histopathologische Schnittbildverfahren, neue klinisch-wissenschaftlich analysierte chirurgische, neoadjuvante und palliative Therapiekonzepte. Aufgrund der teils gegenläufigen Entwicklungen von Zentralisierungen in ländlichen Gebieten und Dezentralisierung in Ballungsräumen ist die Standardisierung und Qualitätssicherung der bereits etablierten interdisziplinären Therapiekonzepte sinnvoll. Nur durch die weitere Gründung organbezogener Tumorzentren ist der noch meist gelebte klassische Überweisungsweg vom Hausarzt zum Gastroenterologen und danach zum Chirurgen in eine fundiert kooperierendes interdisziplinäres Team umzuändern. Hieraus erklärt sich die unverkennbare Bedeutung einer Aktualisierung der nun 5 Jahre alten S3 Leitlinie.

Zielorientierung der Leitlinie:

Durch die Implementierung der Fortschritte in Diagnostik und Therapie, wie z. B. verbesserter Endoskopie, Bildgebung mittels CT und Studien zu multimodalen Therapiekonzepten soll sich die Perspektive der Patienten verbessern. Ein adäquates interdisziplinäres Vorgehen wird weiterhin als entscheidend angesehen, um die Prognoseverbesserung und möglicherweise Heilung zusätzlicher Patienten erreichen zu können. Infolge der Leitlinienerneuerung soll insbesondere die Vorsorge, Diagnostik, Therapie und Nachsorge verbessert werden Hierzu stehen mit der geplanten Aktualisierung der Leitlinien und der Qualitätsindikatoren, der Patientenleitlinie und Etablierung von „Magenkarzinom“-modulen und -zentren entscheidende Instrumente zur Verfügung, welche die Grundlagen für klare handlungsrelevante Entscheidungsprozesse liefern und im Einklang mit dem Deutschen Krebsplan dazu beitragen, eine adäquate und breite, flächendeckende Gesundheitsversorgung der breiten Bevölkerung zu ermöglichen. Therapeutische Interventionen wie EMR, SMD, Laparoskop. Operationen, HIPEC sowie Chemotherapien wie „FLOT“ oder Ramucirumab sollen durch diese Anwendung der neuen Empfehlungen und Statements entsprechend des Therapieziels, einer allgemeinen Nutzen-Risikobeurteilung und dem individuellen Risiko und Präferenzen für den Patienten besser ausgerichtet werden.

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Markus Follmann, MPH, MSc

für das OL-Programm von DKG, DKH und AWMF,
Berlin

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V.Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e. V. (DGKL)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e. V. (DGN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie der DKG, AIO

Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der DKG, ASORS

Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Onkologie der DKG, CAO

Arbeitsgemeinschaft für radiologische Onkologie der DKG, ARO

Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)

Arbeitsgemeinschaft Gastrointestinale Onkologie der DGVS

Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums

European Organisation for Research and Treatment of Cancer

Deutsche Schmerzhilfe e.V. (DSH)

Gastro-Liga Deutschland

Selbsthilfegruppe Magenkrebs Reutlingen

Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK)

Leitliniensekretariat:

Prof. Dr. Markus Möhler

I. Medizinische Klinik der Johannes Gutenberg Universität Mainz
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz

Tel.: 06131 / 17-6076

Fax.: 06131 / 17-6472

e-Mail senden

Koordination:

Prof. Dr. Markus Möhler

Adressaten:

Die Empfehlungen des Update der Leitlinie werden sich erneut an Ärztinnen und Ärzte, Biologen und nicht-ärztliche Therapeuten aller Versorgungsbereiche richten. Das Update der Leitlinie richtet sich vor allem an diejenigen, die in der direkten Prävention, Diagnostik und Therapie des Magenkarzinoms im ambulanten und stationären Sektor tätig sind. Sie soll entsprechend der Definition einer Leitlinie Entscheidungshilfen geben, jedoch keine Richtlinie sein.

Versorgungssektor:

Ambulante und stationäre Versorgung sowie Rehabilitation

Patientenzielgruppe:

Die aktuellen Empfehlungen richten sich an alle betroffenen Patienten mit Karzinomen des Magens und des gastroösophagealen Übergangs, aber auch an Angehörige und Interessenten.

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Das vorliegende Update der Leitlinie wird erneut nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur und Ergebnissen internationaler Studien erarbeitet. Neben systematischen Recherchen und Bewertungen von Primärstudien werden auch Quellen aggregierter Evidenz verwendet: Erneut werden nach systemischer Recherche und methodischer DELBI Bewertung aktuelle, evidenzbasierte Quellleitlinien identifiziert und deren Empfehlungen mit eingearbeitet werden, um weitere ausführliche Literatursuchen zu vermeiden. Hier werden explizit die Leitlinien Ösophaguskarzinom und Helicbacter pylori mit integriert.

Die Beantwortung bestimmter Fragestellungen wird außerdem an externe Institutionen vergeben. Für übrige Fragestellungen (z.B. Nachsorge) erfolgt aufgrund fehlender Daten mit hohem Evidenzlevel eine konsensusbasierte Bewertung.

Die Systematik der Literaturrecherche, -auswahl und –bewertung orientiert sich an der Methodik, die bei der Ersterstellung der Leitlinie zur Anwendung kam:

• Klassifizierung möglicher Evidenzquellen (evidenzbasierte LL? systematic reviews? HTAs? RCTs? andere Studientypen?), jeweils auf Ebene der Schlüsselfragen

• Beschreibung des systematischen Suchvorganges (Datenbanken etc.)

• Klare Auswahlkriterien (spezifische Ein- und Ausschlusskriterien)

• Bewertung der Evidenz (standardisierte Bewertungstools wie SIGN-Bewertungsbögen)

 Konsensusfindung

Auch das Verfahren zur Konsensfindung orientiert sich am Vorgehen bei der Ersterstellung der Leitlinie und basiert maßgeblich auf dem Regelwerk der AWMF zur Erstellung von Leitlinien. Nach dem Kick-Off-Treffen sind mehrere Sitzungen der 5 Arbeitsgruppen und der AG-Leiter (vorwiegend online bzw. per Telefonkonferenz) geplant, in denen konsensfähige Änderungsvorschläge erarbeitet werden sollen. Abschließend sind zwei zweitägige Konsenskonferenzen geplant. Hier können je nach Diskussions- und Abstimmungsbedarf auch Konsensprozesse in Kleingruppen (Nominaler Gruppenprozess) erfolgen.

Ergänzende Informationen:

Förderung durch das Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe; weitere Informationen auch über das OL-Office leitlinienprogramm@krebsgesellschaft.de