Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 018 - 033OL
Klassifikation S3

Follikuläres Lymphom, Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten

Anmeldedatum:

21.12.2015

Geplante Fertigstellung:

30.11.2018

Gründe für die Themenwahl:

Das follikuläre Lymphom ist nach den diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen die häufigste bösartige Neubildung aus dem Bereich der malignen Lymphome in den Ländern der westlichen Welt. Die Inzidenz beträgt zwischen 15 und 20 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr und hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Erkrankung tritt vor allem im höheren Lebensalter auf (Durchschnittsalter bei Diagnosestellung > 60 Jahre) und ist durch ein individuell sehr heterogenes klinisches Er-scheinungsbild und eine stark variierende Prognose gekennzeichnet. Einige Patienten haben über Jahre keine oder nur minimale Symptome, die keiner Behandlung bedürfen und eine annähernd normale Lebens-erwartung haben. Andere Patienten weisen hingegen bereits bei Diagnose-stellung oder kurz darauf Symptome auf und sterben trotz einer Immuno-chemotherapie innerhalb weniger Jahre.  
Derzeit gibt es weder national noch international eine evidenz- und konsensbasierte S 3 Leitlinien zur Therapie der follikulären Lymphome. Da die vorliegenden S-1/ S-2 Leitlinien des National Comprehensive Cancer Networks, des British Committes for Standards in Haematology und der European Society for Medical Oncology nicht ausschließlich nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin erstellt wurden, ist die wissen-schaftliche Legitimation für die jeweiligen Empfehlungen nicht immer hinreichend.   
Diverse Fragestellungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Patienten mit follikulären Lymphomen werden kontrovers diskutiert und entsprechend unterschiedlich in der Patientenversorgung umgesetzt. Die S3-Leitllinie und die damit verbundene Evaluation der derzeit verfügbaren Evidenz sind essentiell für die langfristige und kontinuierliche Qualitätsoptimierung bei der Versorgung von Patienten mit einem follikulären Lymphom.

Zielorientierung der Leitlinie:

Das primäre Ziel der beantragten S3-Leitlinie ist es, die Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Patienten mit einem follikulären Lymphom (FL) zu standardisieren und zu optimieren, um sowohl bei der Ersterkrankung als auch im Rezidiv ein individuell adaptiertes, qualitäts-gesichertes Therapiekonzept zu gewährleisten.  
Für Patienten mit günstigem klinischem Verlauf sollen Akut- und Langzeit-toxizitäten wie insbesondere Sekundärneoplasien minimiert und eine vorzeitige, nicht indizierte toxische Behandlung vermieden werden. Patienten mit ungünstigeren prognostischen Merkmalen sollen frühzeitig durch verbesserte diagnostische Verfahren identifiziert und falls erforderlich intensiven Therapien zugeführt werden, um die krankheitsfreie Zeit und das Gesamtüberleben zu verbessern.

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Markus Follmann MPH, Msc

Berlin
i.A. des Leitlinienprogramms Onkologie der AWMF, DKG und DKH

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF)

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ)

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V. (DLH)

Cochrane Haematological Malignancies Group (CHMG)

Deutsche Studiengruppe für niedrigmaligne Lymphome - GLSG

Ostdeutsche Studiengruppe Hämatologie / Onkologie (OSHO)

Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Berufsverband der niedergelassenen Hämatologen und internistischen Onkologen in Deutschland e.V. (BNHO)

Kompetenz Centrum Onkologie

Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation (DAGKBT)

Leitliniensekretariat:

Dr. Michael Unterhalt

Studienzentrale Lymphome
Klinikum der Universität München
Pfingstrosenstr. 64
81377 München

Tel.: 089 4400 7 4900

e-Mail senden

Koordination:

Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann

Med. Klinik III
Klinikum der Universität München
Marchioninistr. 15
81377 München

Adressaten:

Primäre Zielgruppe der Leitlinie sind Ärzte, die Patienten mit einem follikulären Lymphom behandeln oder sie im Rahmen der Nachsorge langfristig betreuen. Hier seien Onkologen, Hämatologen, Pathologen, Strahlentherapeuten, Radiologen, Nuklearmediziner, Radioonkologen, Psychoonkologen, Allgemeinmediziner, Internisten und Pflegekräfte genannt.  
Die nach aktueller wissenschaftlicher Erkenntnis erstellte Leitlinie wird auch Einfluss auf die Planung zukünftiger randomisierter klinischer Studien haben. So werden die Leitlinienempfehlungen in den Studien der GLSG berücksichtigt und implementiert werden und gewährleisten, dass die partizipierenden deutschen Zentren der GLSG die Leitlinienempfehlungen umsetzen. Weitere Adressaten der Leitlinie sind:

  • Medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften
  • Gesundheitspolitische Entscheidungsträger
  • Krankenkassen sowie Vertragsverantwortliche von Integrierten Versorgungsverträgen
  • Qualitätssicherungseinrichtungen

Versorgungssektor:

Als Versorgungsbereich für die Leitlinie gilt sowohl der ambulante als auch der stationäre Versorgungssektor.

Patientenzielgruppe:

Zielgruppe der Leitlinie sind Patienten mit einem follikulären Lymphom, die direkt durch eine optimierte Versorgung profitieren werden, insbesondere jene Patienten, die außerhalb von klinischen Studien therapiert werden. Die Patientenleitlinie wird die Patienten bei einer partizipativen Entscheidungs-findung unterstützen. Die Leitlinie wird keine Empfehlungen zur Therapie einer Sekundär-neoplasie nach einem follikulären Lymphom geben.

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Der aktuelle medizinisch-wissenschaftliche Kenntnisstand, bestehend aus wissenschaftlicher Evidenz und klinischer Expertise, wird transparent dargestellt werden und unterstützt somit die anwendenden Ärzte durch evidenzbasierte und formal konsentierte Empfehlungen. Hierzu werden nach vorab definierter Methodik und unter Berücksichtigung klinischer Aspekte das jeweilige diagnostische oder therapeutische Verfahren bewertet, gegensätzliche Standpunkte offen dargelegt und nach einer Nutzen-Risikoabwägung das derzeitig optimale Vorgehen definiert. Dieses Konzept sichert eine hochqualifizierte, interdisziplinäre und flächen-deckende Versorgung von Patienten mit einem follikulären Lymphom. Gemäß den Kriterien der evidenzbasierten Medizin werden folgende Quellen als besonders relevant für die Leitlinienerstellung eingestuft: Ergebnisse aus Sekundär-quellen aufbereiteter Evidenz (S3-Leitlinien, systematische Übersichtsarbeiten, Meta-Analysen, HTA-Berichte) und aus Primärpublikationen in Form von randomisierten klinischen Studien. Demgegenüber werden Daten aus nicht-randomisierten Studien (z.B. Beobachtungsstudien, Kohortenstudien) nur bei Bedarf berücksichtigt. Die exakten Einschlusskriterien werden bei der Formulierung der jeweiligen Schlüsselfragen konkretisiert. Weitere Kernelemente der Methodik sind:

  • Konsensuskonferenz(en) und nominale Gruppenprozesse, ggf. Delphi-Abstimmungen
  • Bei der Empfehlungsgradierung innerhalb dieser Leitlinie wird das GRADE-System angewendet (Guyatt GH et al. 2008).
  • Die Bewertung der Evidenz erfolgt nach einem formalisierten Verfahren durch die CHMG entsprechend den üblichen Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Neben dem Studiendesign wird auch die Qualität der Studiendurchführung, Auswertung und Berichterstattung beurteilt, analog zu den Publikationsrichtlinien PRISMA, REMARK und CONSORT (McShane LM et al. 2006; Moher D et al. 2009; Campbell MK et al. 2012). Die Resultate der Bewertung werden als Evidenztabellen zusammenfassend dargestellt und bieten die Diskussionsgrundlage zur internen Validität der Studienergebnisse im Hinblick auf die zu beantwortende Frage
  • Extraktion der eingeschlossenen Studien in Evidenztabellen
  • Öffentliches Konsultationsverfahren

Ergänzende Informationen:

Folgende AWMF-Fachgesellschaften werden zur Beteiligung an der Erstellung der Leitlinie aufgefordert:

  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
  • Deutsche Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren (DGE-BV)
  • Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
  • Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS)Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN)
  • Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
  • Deutsche Gesellschaft für Pathologie DGP)Deutsche Gesellschaft für Radio-Onkologie (DEGRO)
  • Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
  • Deutsche Röntgengesellschaft (DRG)
  • Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. (PEG)
  • Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
  • Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e. V. (DGKL)

Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG):

  • Psycho-Onkologie (PSO)Internistische Onkologie (AIO)
  • Radiologische Onkologie (ARO)
  • Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin (ASORS)
  • Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege (KOK)

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM)

Förderung durch das Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe; weitere Informationen auch über das OL-Office (leitlinienprogramm[@]krebsgesellschaft.de)