Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 011 - 021
Klassifikation S3

Einsatz der extrakorporalen Zirkulation (ECLS / ECMO) bei Herz- und Kreislaufversagen

Anmeldedatum:

23.07.2015

Geplante Fertigstellung:

30.06.2018

Gründe für die Themenwahl:

Seit einigen Jahren zeichnet sich ein zunehmender Einsatz von extrakorporalen Herz-Kreislauf- und Lungenunterstützungssystemen (ECLS / ECMO) ab. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland mehr als 2500 ECLS/ECMO-Systeme implantiert. Unter „extracorporeal life support“ (ECLS) – in der Literatur teilweise auch als veno-arterielle (va) ECMO bezeichnet – wird eine venoarterielle pumpengetriebene Herz-Kreislauf-Unterstützungstherapie verstanden, die nicht nur den Blut-Gasaustausch gewährleistet, sondern auch die kardiale Pumpfunktion bzw. Arbeit des Herzens bei Patienten partiell übernehmen oder komplett unterstützen kann.  

Als „Extrakorporale Membran-Oxygenierung“ (ECMO) wird eine venovenös (vv) pumpengetriebene Lungenunterstützungstherapie mit einem Oxygenator bezeichnet. Diese zeichnet sich durch Oxygenierung sowie Decarboxylierung des venösen Blutes aus und wird z.B. zur Therapie von medikamentös nicht-beherrschbarem, hpyoxämischem Lungenversagen eingesetzt.  

Die seit vielen Jahren in der Therapie des Lungenversagens eingesetzte vv-ECMO erfolgt bisher lediglich auf begrenzter Evidenz und es  existieren nur wenige Positionspapiere einzelner Fachgesellschaften jedoch keine interdisziplinären, evidenzbasierten Empfehlungen zu Indikationen, Kontraindikationen und Limitationen. Zudem werden va-ECLS nach entsprechenden technologischen Entwicklungen erst seit einigen Jahren zeitweilig auch außerhalb herzchirurgischer Operationssäle eingesetzt.

Heutzutage verfügbare ECMO-/ECLS-Systeme sind im Vergleich zu früheren Entwicklungen durch Miniaturisierung transportabel, auch perkutan implantierbar und effektiv zur Herz-Kreislauf- und Lungenunterstützung geeignet. Dennoch bedarf es auch weiterhin einer kontinuierlichen klinischen und wissenschaftlichen Begleitung dieser technologischen Entwicklungen und Innovationen, da es sich auch weiterhin um invasive Verfahren mit Anwendung der extrakorporalen Zirkulation handelt. Auf Grund der Komplexität der Therapie bedarf es besonderer Expertise, um die Vielzahl potentiell negativer Folgen für Patienten  zu vermeiden. Ferner erfordert der Einsatz grundsätzlich die Kenntnisse und Fertigkeiten diverser Fachgebiete und die daraus resultierende obligate Teambildung. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, evidenzbasierte Empfehlungen zum Management von Patienten unter ECLS/ECMO-Therapie und auch zu personellen und infrastrukturellen Mindestanforderungen zum Einsatz der ECMO/ECLS-Therapien zu geben. 

Zielorientierung der Leitlinie:

Ziel der vorliegenden Leitlinie ist es, wissenschaftlich fundierte, evidenzbasierte Empfehlungen zum Einsatz der extrakorporalen Zirkulation (ECLS / ECMO) bei Herz-Kreislauf- und/oder Lungenversagen zu geben. Besonderer Wert wird auch auf organisatorische und juristische Aspekte gelegt, jedoch werden diese nicht primärer Gegenstand der Leitlinie. Die Leitlinie nimmt u.a. Stellung zu folgenden Fragen:

  • Welche Indikationen gibt es für die extrakorporale Unterstützung (ECLS / ECMO) bei akutem Herz-Kreislauf- und/oder Lungenversagen?
  • Welche relativen und absoluten Kontraindikationen für den ECLS/ECMO-Einsatz existieren?
  • Über welchen Zeitraum kann/sollte eine ECLS/ECMO -Therapie durchgeführt werden?
  • Welche Antikoagulation unter ECLS/ECMO-Therapie ist zu empfehlen?
  • Welche Verfahren sind geeignet zur Entwöhnung von der ECLS/ECMO?
  • Welches Monitoring ist erforderlich unter ECLS/ECMO-Therapie?
  • Welche personen- und institutionsbezogenen Anforderungen bzgl. Expertise / Prozessen / Infrastruktur zur ECLS/ECMO-Therapie sind erforderlich?

Anmelder bei der AWMF (Person):

Dr. Andreas Beckmann

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)Visitenkarte

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)Visitenkarte

Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin e.V. (GNPI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie e.V. (DGPK)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin - Gesellschaft für operative, endovaskuläre und präventive Gefäßmedizin e.V. (DGG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT)Visitenkarte

Beteiligung weiterer Fachgesellschaften/Organisationen:

Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik e.V., DGfK

Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e. V., DGF

Schweizerische Gesellschaft für Herz- und thorakale Gefässchirurgie (SGHC)

Österreichische Gesellschaft für Thorax- und Herzchirurgie (ÖGTHC)

Deutsche Herzstiftung e.V.

Leitliniensekretariat:

Dr. Andreas Beckmann

Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstr. 58/59
10117 Berlin

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Koordination:

Prof. Dr. Udo Boeken

 

Prof. Dr. Stephan Ensminger

Stellv. Koordinator

Adressaten:

Ärzte sowie andere Berufsgruppen, die an der Versorgung von Patienten mit akutem Herz- und/oder Lungenversagen beteiligt sind (v.a. Intensiv-/Notfallmediziner, Internisten, Pneumologen, Kardiologen, Anästhesisten, Chirurgen, Kardiotechniker, Gesundheits- und Krankenpfleger)

Versorgungssektor:

Die Leitlinie bezieht sich auf die stationäre Krankenhausversorgung von Patienten mit Herz-Kreislauf- und/oder Lungenversagen (v.a. die Fachgebiete Herzchirurgie Kardiologie, Kinderkardiologie, Pneumologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Unfallchirurgie); regelmäßig notfall- oder intensivmedizinische Therapie

Patientenzielgruppe:

Patienten mit akutem Herz- Kreislauf / kardial bedingten Lungenversagen

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

Systematische Literaturrecherche, Auswahl und Bewertung der Literatur durch mindestens zwei unabhängige Experten, Strukturierte Konsensfindung (Nominaler Gruppenprozess) unter Moderation durch die AWMF

Ergänzende Informationen:

In Absprache mit Verantwortlichen der Steuergruppe (Hr. Dr. Fichtner/ Hr. Prof. Kaisers) der Leitlinie „Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz, Registrierungsnummer: 001-021 (http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/001-021.html“)wurde Folgendes für die hiermit beantragte Leitlinieerstellung konsentiert:

- Im Kapitel zur vv-ECMO wird explizit auf die Leitlinie mit der Registrierungsnummer: 001-021 hingewiesen.

- Im Kapitel ECLS (va-ECMO) wird voraussichtlich kein expliziter Hinweis erfolgen, da diese Therapie in der LL Reg.Nr.: 001-021 nur marginal thematisiert ist und im dessen Gesamtkoplex einen seltenen Sonderfall darstellt (Notwendigkeit zur va-ECMO bei therapierefraktärem Lungenversagen).

Zusammengefasst fokussiert die beantragte LL auf  das Herz-Kreislauf-Versagen hingegen die LL Reg.Nr.: 001-021 auf ein therapierefraktäres Lungenversagen.