Leitlinien-Detailansicht

Angemeldetes Leitlinienvorhaben

Registernummer 001 - 024
Klassifikation S3

Präoperative Anämie

Anmeldedatum:

16.05.2013

Geplante Fertigstellung:

31.10.2017

Gründe für die Themenwahl:

Die Themenwahl der Leitlinie begründet sich in der prognostischen Bedeutung der präoperativen Anämie als unabhängiger Risikofaktor für die Morbidität und Mortalität bei operativen Patienten. Liegt eine präoperative Anämie zusätzlich zu anderen Risikofaktoren wie pulmonaler oder kardialer Erkrankung vor, so potenziert die Anämie das Risiko für postoperative Komplikationen (z.B. Pneumonie, Thromboembolien) um ein Mehrfaches. Die damit einhergehende erhöhte perioperative Transfusionswahrscheinlichkeit von Erythrozytenkonzentraten erhöht zusätzlich das Mortaliätsrisiko bei einer perspektivisch wachsenden Knappheit der Ressource Fremdblut. Die Mehrkosten aus Anämie-bedingten Komplikationen und verlängerter Krankenhausverweildauer begründen zusätzlich die ökonomische Notwendigkeit der Leitlinienentwicklung. Demgegenüber senkt die Behandlung der präoperativen Anämie die postoperative Komplikationsrate und reduziert somit die Krankenhausliegezeit und die Kosten.

In einer retrospektiven Kohortenstudie aus dem Jahre 2011 wurden von einer internationalen Arbeitsgruppe die Daten von 227.425 Patienten aus dem prospektiv validierten Register des American College of Surgeons hinsichtlich der 30-Tages-Mortalität und Morbiditiät ausgewertet (Musallam et a.: Lancet 2011; 378: 1362-1363). In dieser großen Untersuchung ist nach Adjustierung aller Risikofaktoren sowohl die leichte als auch die schwere präoperative Anämie mit einer unabhängigen und signifikant erhöhten 30 –Tages-Mortalität und Morbidität assoziiert. Zeitgleich entwickelte das „Network for Advancement of Transfusion Alternatives (NATA)“ im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche und Validierung der Ergebnisse nach den GRADE Richtlinien eine erste Handlungsempfehlung zur Diagnostik, Bewertung und Therapie der präoperativen Anämie bei elektiven orthopädischen Eingriffen (Goodnough et al.; BJA 2011;106:13-22). Um die Diagnostik und Therapie der Präoperativen Anämie an den Schnittstellen zwischen Operation, Anästhesie und präoperativer Behandlung flächendeckend in Deutschland umzusetzen, bedarf es vorab einer interdisziplinären Analyse und Evidenz basierten Handlungsempfehlung aller an der perioperativen Behandlung beteiligten Fachgesellschaften.

Zielorientierung der Leitlinie:

Mit der Verbreitung und Umsetzung der Leitlinie Präoperative Anämie sollen folgende Ziele erreicht werden:

·    Etablierung einer leitlinienbasierten Strategie zur präoperativen Risikominimierung durch rationale Diagnostik und Therapie der präoperativen Anämie im perioperativen Alltag.

·    Klare Handlungsempfehlungen für klinisch tätige Anästhesiologen und Chirurgen

·    Sensibilisierung aller operativen Fachdisziplinen für die Notwendigkeit der interdisziplinären Diagnostik und Behandlung der präoperativen Anämie

·    Die Therapie der präoperativen Anämie kann zu notwendigen Änderungen der interdisziplinären perioperativen Organisationprozesse z.B. mit der Einführung eines Transfusionskoordinators bzw. Blutmanagementprogramme führen

·    Etablierung einer präoperativen Therapie mit Erythropoese- stimulierenden Agenzien sowie der Organisation maschineller Autotransfusion 

Anmelder bei der AWMF (Person):

Univ.-Prof. Dr. Christian von Heymann, DEAA

Stv. Direktor
Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt
operative Intensivmedizin
Charité-Universitätsmedizin Berlin
Campus Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Tel.: 0049-30-450-551002

Anmeldende Fachgesellschaft(en):

Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)Visitenkarte

Beteiligung weiterer AWMF-Gesellschaften:

Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)Visitenkarte

Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH)Visitenkarte

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)Visitenkarte

Leitliniensekretariat:

Dr. Lutz Kaufner, M.Sc.

Oberarzt
Klinik für Anästhesiologie
mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Campus Charité Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Tel.: 0049-30-450-651026

Fax.: 0049-30-450-551900

e-Mail senden

Koordination:

Dr. Lutz Kaufner, M.Sc.

Adressaten:

Ärzte aller operativen Fachdisziplinen, sowie Ärzte der Anästhesiologie bzw. alle medizinischer Fachbereiche, die an der prä- und perioperativen Behandlung der Patienten beteiligt sind (siehe beteiligte Fachgesellschaften)

Versorgungssektor:

Präoperative/operative stationär/teilstationäre Versorgung

Patientenzielgruppe:

Erwachsene Personen aller Altersgruppen, die sich in ambulanter/teilstationärer oder stationärer Vorbereitung auf eine elektive Operation (insbesondere große umfangreiche operative Eingriffe) aller operativen Fachdisziplinen befinden 

Methodik (Art der Konsensfindung / evidence-Basierung):

A) Literaturrecherche

Ausgangssituation

Keine bestehende nationale Leitlinie, international: NATA Guideline zum Management der präoperativen Anämie bei orthopädischen Patienten

Folge:

Recherche der Literatur vor und nach NATA Guideline bis einschließlich 2013 Einschluss von Patienten mit präoperativer Anämie aller operativen Fachbereiche Erarbeitung der Kapitel über spezielle Patientengruppen/operative Fachbereiche:

Präoperative Anämie vor orthopädischen Eingriffen

Präoperative Anämie außerhalb der Herz- und Thoraxchirurgie (Allgemeinchirurgie, Neurochirurgie, Gynäkologie, etc.)

Präoperative Anämie in der Herz- und Thoraxchirurgie

Auswahl der Literatur:

Schwerpunkt Datenbanken

1. Cochrane

2. PubMed

Schwerpunkt Auswahl (unter Berücksichtigung der Evidenzkriterien / Cochranekriterien für Studien)

1. Systematische Reviews

2. Metaanalysen

3. Kontrollierte Studien

4. Klassische Übersichtsarbeiten, Fallserien, Fallberichte, Kongressberichte, Lehrbücher

5. Informationsmaterialien der Pharmaindustrie zu ihren jeweiligen Produkten

- Zeitraum: Recherche ab 2000 bis 2013:

- Zurückverfolgen älterer Arbeiten mit hoher klinischer Relevanz

- Zurückverfolgen häufig zitierter Arbeiten

- Sprachen: Englisch/Deutsch

- Besondere Berücksichtigung von Arbeiten aus Deutschland, Europa und den USA

- Vorrangig klinisch orientierte Arbeiten

- Kontrolle der Literatur (Nachbenennung relevanter Arbeiten durch die Experten)

- Übersendung der Literatur entsprechend der Themenzuteilung an die jeweilige  

   Arbeitsgruppen der Leilinienkommission

- Beurteilung der Relevanz der Artikel für die LL durch 2 Experten mit notwendigem

  Konsens

- Beschaffung der ausgewählten Volltexte und Bewertung der Volltexte mittels der  

  entsprechenden SIGN-50 Checkliste

B) Bewertung und Konsensfindung

1. Auftakttreffen der Leitlinienkommission

2. Evaluation der Publikationen nach den Evidenzkriterien des Oxford Centre for Evidence- based Medicine Levels of Evidence (2009).

3. Rohentwurf einer Leitlinienempfehlung und Formulierung Kernaussagen.

4. Delphi Verfahren 1: Diskussion des Rohentwurfes und Kernaussagen innerhalb der Leitlinienkommission, sowie Integration von interner Evidenz (nicht publizierte Studien, Erfahrung von Experten, Methodenreport basiert auf dem Instrument zur methodischen Leitlinien- Bewertung).

5. Erste Konsensuskonferenz der Leitlinienkommission, Formulierung erste Version

6. Überarbeitung durch die Federführenden Autoren/Leitlinienkoordination. anschl. Versand an alle Kommissionsmitglieder zum Delphi Verfahren 2

6. Zweite Konsensuskonferenz der Leitlinienkommission, Formulierung zweite Version, ggf. Kommentierung einzelner spezieller Fragestellungen/Teilbereiche durch zusätzliche externe Experten.

7. Überarbeitung durch die Federführenden Autoren/ Leitlinienkoordination

8. Abschließende Konsensuskonferenz Leitlinienkommission, ggf. Einarbeitung der Kommentare der externen Experten, Bearbeitung kritischer Passagen Wort für Wort, Verabschiedung der Leitlinie.

9. Delphi-Verfahren 3 mit den Mitgliedern der Präsidien der beteiligten Fachgesellschaften 

Ergänzende Informationen:

 

Projektplan, Meilensteine, Leitlinien Termine über LL- Koordinator

Internationale Handlungsempfehlungen:

Network for Advancement of Transfusion Alternatives (NATA)-

Guidelines (Goodnough et al.; BJA 2011;106:13-22).


Angefragt wurde die Beteiligung folgender Fachgesellschaften:

  • Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC)
  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC)
  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
  • Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT)
  • Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)