AWMF-Regelwerk Leitlinien: Fortschreibung und Aktualisierung

Planung der Fortschreibung / Aktualisierung

 

Die Qualität einer Leitlinie hängt maßgeblich davon ab, ob die Empfehlungen in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Ein konkretes Datum und Aussagen zur weiteren periodischen Aktualisierung mit entsprechenden Zuständigkeiten sollen im Leitliniendokument vermerkt werden.

Der Bedarf einer Fortschreibung und Aktualisierung einer Leitlinie ergibt sich aus der Verfügbarkeit neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse einerseits und aus den Ergebnissen der Evaluierung der bisherigen Leitlinienanwendung andererseits. Letztere dient der Identifizierung von Verbesserungspotenzialen.

Ausgangspunkt ist die Bestands- und Bedarfsanalyse zur Identifizierung überarbeitungsbedürftiger Themenbereiche. Die methodischen Anforderungen ergeben sich aus dem DELBI-Instrument und den Anforderungen an Leitlinien nach dem AWMF-Regelwerk.

AWMF-Regel für das Leitlinienregister:

Nach dem Beschluss der Ständigen Kommission Leitlinien der AWMF werden zukünftig die Leitlinien, deren Gültigkeit abgelaufen ist, von der AWMF nicht mehr im Internet publiziert. Als Ablaufdatum gilt die Angabe der Fachgesellschaft(en), wann die Leitlinie turnusgemäß überprüft werden soll - falls die Fachgesellschaft(en) dazu keine Angaben gemacht hat, werden die Leitlinien spätestens 5 Jahre nach ihrer Erstellung von der AWMF als "nicht aktualisiert" eingestuft und aus dem Publikationssystem entfernt.

Bezug zum DELBI-Instrument:

Domäne 3: Methodologische Exaktheit der Leitlinien-Entwicklung

Kriterium 14: Aktualisierung der Leitlinie

Hilfen und Tipps:

Aktuelle Forschungsergebnisse können eine kurzfristige Aktualisierung einer gültigen Leitlinie notwendig machen. Darüber kann in Form eines Addendums kurzfristig über die AWMF-Homepage die Öffentlichkeit informiert werden.

Die Fortschreibung ist am einfachsten, wenn die ursprüngliche Leitlinie systematisch erstellt wurde. Literaturrecherchen und Strategien zur Beantwortung klinisch relevanter Fragestellungen lassen sich aufbewahren und ggf. wieder verwenden. Für die aktualisierte Version einer Leitlinie müssen die Recherchen dann lediglich den Zeitraum nach Herausgabe der früheren Leitlinienversion abdecken.

 

Der Umfang der Überarbeitung (vollständig, modular oder auf einzelne Fragestellungen bezogen) richtet sich nach ggf. bereits erfolgter kurzfristiger Aktualisierung, nach den Ergebnissen einer aktualisierten Leitlinien-Recherche, nach dem Ergebnis aktueller, relevanter Forschungsergebnisse aus der systematischen Literatursuche und der Einschätzung der Experten in der Leitliniengruppe.

Neben den gezielten Rückmeldungen aus der Praxis zu Erfolgen / Problemen bei der Umsetzung der Leitlinie sind Bestandsanalysen, Bedarfsanalysen und Priorisierung unerlässlich. Dafür sollten folgende Fragestellungen beantwortet werden:

  • Wer übernimmt die Verantwortung für die Überwachung und Einleitung der Aktualisierung unserer Leitlinie?
  • Was hat unsere Leitlinie bewirkt?
  • Welche Fragestellungen sind neu?
  • Gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die Veränderungen an den Empfehlungen erforderlich machen?
  • Gibt es andere Leitlinien (national, international) mit inhaltsverwandten Empfehlungen, die nach Prüfung adaptiert werden können?
  • Gibt es Fragestellungen, für die eine systematische Literatursuche und Aufbereitung der Evidenz notwendig sind?
  • Welche Ressourcen stehen der Leitliniengruppe zur Aktualisierung zur Verfügung?

Bei der Aktualisierung der Leitlinie sollten diese Fragen immer wieder neu geprüft werden.

Abb. in Anlehnung an Albert et al. 2008. Die LL „Brustkrebsfrüherkennung in Deutschland – Methodik der S3-Leitlinien-Aktualisierung“

Weiterführende Literatur

  • AGREE II – aktuelle Fassung unter www.agreetrust.org (Domain 3. Rigour of Development).
  • Albert U-S, Schulz K-D, Kopp I (2008) die Leitlinie „Brustkrebsfrüherkennung in Deutschland“– Methodik der S3-Leitlinien-Aktualisierung. Präv Gesundheitsf. DOI 10.1007/s11553-008-0123-3.
  • AQUA — Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH. Qualitätsreport 2009. www.sqg.de/sqg/upload/CONTENT/Qualitaetsberichte/2009/AQUA-Qualitaetsreport-2009.pdf
  • Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (2010) Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien. Methoden-Report. 4. Auflage. [cited: 30.07.2010]. Available from: www.versorgungsleitlinien.de/methodik/reports.
  • DELBI – aktuelle Fassung unter www.delbi.de (Domäne 3: Methodologische Exaktheit bei der Leitlinien-Entwicklung).
  • IOM (Institut of Medicine) (2011) Clinical Practice Guidelines We Can Trust. Washington, DC: The Nationale Academies Press. www.iom.edu (Chapter 5. Current Best Practices and Proposed Standards for Development of Trustworthy CPGs: Part II, Traversing the Process).
  • Müller W (2008) Nicht aktualisierte Leitlinien werden von der AWMF nicht mehr publiziert. GMS Mitt AWMF 5:Doc22.
  • Qaseem A, Forland F, Macbeth F, Ollenschläger G, Phillips S, van der Wees P; for the Board of Trustees of the Guidelines International Network (2012) Guidelines International Network: Toward International Standards for Clinical Practice Guidelines. Ann Intern Med. 156(7):525-531.

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