AWMF-Regelwerk Leitlinien: Klarheit und Gestaltung

Die Formulierung der Empfehlungen und deren Einbettung in den Kontext der gesamten Leitlinie haben eine zentrale Bedeutung für die Akzeptanz und die Anwendbarkeit der Leitlinie. Die Empfehlungen sollten eindeutig formuliert, ansprechend präsentiert und für die Anwender der Leitlinie leicht identifizierbar sein. Dazu dienen unter anderem

  • Abgleich von Semantik und Empfehlungsgrad (z.B. „soll“ für eine starke Empfehlung, „sollte“ für eine (abgeschwächte) Empfehlung)
  • Verwendung einer konditionalen Logik (wenn....dann...)
  • Angabe der Quellen, auf die eine Empfehlung unmittelbar gestützt ist
  • bei S2e- und S3-Leitlinien: Angabe von Evidenz- und Empfehlungsgrad
  • bei S2k- und S3-Leitlinien: Angabe der Stärke des Konsens innerhalb der Leitliniengruppe
  • Hervorhebung der Empfehlungen vom Hintergrundtext, z.B. durch Textkästen
  • Orientierung am Versorgungsablauf.

Eine wichtige Unterscheidung besteht zwischen Aussagen („statements“, z.B. XY ist wirksam/unwirksam) und handlungsleitenden Empfehlungen (XY soll eingesetzt/nicht eingesetzt werden) bzw. „guidance“. Die Formulierung von Handlungsempfehlungen, in die explizit eine klinische Wertung der Aussagekraft (Relevanz) und Anwendbarkeit von Studienergebnissen und die Abwägung potentiellen Nutzens und Schadens der Zielintervention eingehen, ist ein wichtiges Charakteristikum von Leitlinien und unterscheidet sie von anderen Quellen aufbereiteten Wissens wie Evidenzberichten, Systematic Reviews, oder Health Technology Assessments mit oder ohne Metaanalysen (s. Graduierung der Empfehlungen). Sie gibt dem Anwender eine notwendige Orientierung, auch hinsichtlich verbleibender Unsicherheiten vor dem Hintergrund der identifizierten Evidenz. Umgekehrt können Aussagen auch als Tatsachenbehauptungen verstanden werden, die potentiell justiziabel sind. Daher ist besonders als Grundlage für Aussagen, sofern sie benötigt werden, die Untermauerung durch Quellenangaben (Literatur) bzw. eine gut dokumentierte Evidenzsynthese unerlässlich (s. Systematische Evidenzbasierung: Einführung und Aufbereitung - Erstellung von Evidenztabellen).

AWMF-Regel für das Leitlinienregister:

Keine

Bezug zum DELBI-Instrument:

Domäne 4: Klarheit und Gestaltung

Kriterium 15: Formulierung der Empfehlungen

Kriterium 16: möglichen Alternativen für eine bestimmte Entscheidungssituation

Kriterium 17a: Identifikation von Empfehlungen

Kriterium 17b: Identifikation der Quellen der Empfehlungen

Domäne 7: Anwendbarkeit im deutschen Gesundheitssystem

Kriterium 24: Empfehlungen zu Maßnahmen in verschiedenen Versorgungsbereichen

Kriterium 25: Angaben zu notwendigen und sinnvollen Maßnahmen

Hilfen und Tipps:

Beispiel 1: Präsentation von Empfehlungen:

Beispiel 2: Präsentation von Empfehlungen:

Beispiel: Orientierung am Versorgungsablauf: Klinischer Algorithmus

Weiterführende Literatur

  • AGREE II – aktuelle Fassung unter www.agreetrust.org (Domain 3. Rigour of Development; Domain 4. Clarity of Presentation).
  • DELBI – aktuelle Fassung unter www.delbi.de (Domäne 4: Klarheit und Gestaltung; Domäne 7: Anwendbarkeit im deutschen Gesundheitssystem).
  • IOM (Institut of Medicine) (2011) Clinical Practice Guidelines We Can Trust. Washington, DC: The Nationale Academies Press. www.iom.edu (Chapter 5. Current Best Practices and Proposed Standards for Development of Trustworthy CPGs: Part II, Traversing the Process).
  • Qaseem A, Forland F, Macbeth F, Ollenschläger G, Phillips S, van der Wees P; for the Board of Trustees of the Guidelines International Network (2012) Guidelines International Network: Toward International Standards for Clinical Practice Guidelines. Ann Intern Med. 156(7):525-531.

Weiter zu: Externe Begutachtung

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