AWMF-Regelwerk Leitlinien: Zusammensetzung der Leitliniengruppe - Beteiligung von Interessengruppen

Die fachliche, inhaltliche Angemessenheit einer Leitlinie wird durch die Leitliniengruppe (Entwicklergruppe) erzeugt, die sinnvollerweise erfahrene Anwender und Patienten repräsentiert. Durch eine ausgewogene Zusammenstellung der Leitliniengruppe werden gute Voraussetzungen für die umfassende Identifizierung möglicher Praxisprobleme und die kritische Bewertung sämtlicher relevanter Evidenz geschaffen. Dadurch sollen auch mögliche Verzerrungen durch den Einfluss von Partikularinteressen vermieden werden. Es gibt keine Mindestanzahl an zu beteiligenden Fachgesellschaften / Berufsverbänden / Organisationen. Dies hängt vom Thema, der Zielorientierung der Leitlinie sowie der Anwender- und Patientenzielgruppe der Leitlinie ab. Die Auswahl der Mitglieder sollte professionelle und wissenschaftliche Expertise im Themenbereich der Leitlinie repräsentieren. Zusätzlich wird empfohlen, Personen mit Erfahrung in der methodischen Vorgehensweise der Leitlinienentwicklung und Evidenzbasierter Medizin frühzeitig einzubinden. Je vollständiger die Leitliniengruppe (Entwicklergruppe) ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Akzeptanz und Anwendung der Leitlinie steigt.

AWMF-Regel für das Leitlinienregister:

Eine Leitliniengruppe (Entwicklergruppe) sollte für den Adressatenkreis repräsentativ sein. Vertreter der Anwenderzielgruppe (Berufsgruppen, die die Empfehlungen umsetzen sollen) und der Patientenzielgruppe (Personen, für die die Leitlinie entwickelt wird und gelten soll) sollen frühzeitig in die Leitlinienentwicklung eingebunden werden.

Diese Regel ist obligat für die Klassifikation einer Leitlinie als S2k (Klassifikation S2e und S2k) oder S3 (Klassifikation S3).

Bezug zum DELBI-Instrument:

Domäne 1: Geltungsbereich und Zweck

Kriterium 3: Benennung der Patientenzielgruppe

Domäne 2: Beteiligung von Interessengruppen

Kriterium 4: Benennung der Anwenderzielgruppe (Adressaten)

Kriterium 5: Beteiligung von Vertretern der Anwenderzielgruppe

Kriterium 6: Beteiligung von Vertretern der Patientenzielgruppe

Hilfen und Tipps:

In der Regel informiert der Initiator / Koordinator des Leitlinienprojektes die relevanten Fachgesellschaften über das geplante Projekt und lädt diese zur Mitarbeit ein. Jede Fachgesellschaft sollte für sich ein Standardprozedere zur Nominierung von Mandatsträgern festlegen.

 

DOC-Datei zum download

Musterbrief  "Benennung von Mandatsträgern" (Anhang 1, Download als DOC-Datei)

Der Mandatsträger vertritt mit seiner fachlichen Expertise die Fachgesellschaft / Organisation. Erfahrungen mit der Erstellung und Umsetzung von Leitlinien sind wünschenswert.

Bei der Zusammensetzung der Leitliniengruppe stellen sich immer 3 Fragen:

  • Wen beziehe ich ein?
  • Wer ist von den Empfehlungen betroffen?
  • Wer kann wie zum Gelingen des Projektes beitragen (klinische, persönliche, methodische Perspektiven und Erfahrungen)?

Weiterführende Literatur

  • AGREE II – aktuelle Fassung unter www.agreetrust.org (Domain 1. Scope and Purpose, Domain 2. Stakeholder Involvement).
  • DELBI – aktuelle Fassung unter www.delbi.de (Domäne 1: Geltungsbereich und Zweck; Domäne 2: Beteiligung von Interessengruppen).
  • Hutchings A, Raine R. (2006) A systematic review of factors affecting the judgments produced by formal consensus development methods in health care. J Health Serv Res Policy. 11(3):172-9.
  • IOM (Institut of Medicine) (2011) Clinical Practice Guidelines We Can Trust. Washington, DC: The Nationale Academies Press. www.iom.edu (Chapter 2. Background and Key Stakeholders in Guidelines Development and Use).
  • Kopp IB, Selbmann HK, Koller M (2007) [Consensus development in evidence-based guidelines: from myths to rational strategies]. Z Arztl Fortbild Qualitatssich. 101(2):89-95.
  • Qaseem A, Forland F, Macbeth F, Ollenschläger G, Phillips S, van der Wees P; for the Board of Trustees of the Guidelines International Network (2012) Guidelines International Network: Toward International Standards for Clinical Practice Guidelines. Ann Intern Med. 156(7):525-531.

Weiter zu: Projektablaufplan

Zurück