AWMF-Regelwerk Leitlinien: Formulierung von klinisch relevanten Fragestellungen

Die Formulierung von klinisch relevanten Fragestellungen zu einem frühen Zeitpunkt ist für die Planung von Literaturrecherchen unerlässlich und macht die Leitlinie durch Beschränkung auf einen sinnvollen inhaltlich bearbeitbaren Rahmen attraktiv. Dabei ist im Hinblick auf die Zielorientierung der Leitlinie zu entscheiden, welche Fragen bzw. Empfehlungen im Mittelpunkt stehen sollen (stehen werden). Gleichzeitig ist festzulegen, nach welcher methodischen Strategie die Fragestellungen beantwortet werden sollen. Dazu kommen in Frage:

  • Strukturierte Konsensfindung (s. Stufenklassifikation (Kriterien S2k und S3), Strukturierte Konsensfindung):
    Graduierung der Empfehlung: Expertenkonsens (keine zusätzliche Angabe von Evidenz- oder Empfehlungsgrad)

  • Nutzung/Adaptation bereits vorhandener Leitlinien (s. Stufenklassifikation (Kriterien S2e und S3),  Systematische Evidenzbasierung).
    Inhalt und Graduierung der Evidenz werden unverändert übernommen! Abweichung vom Empfehlungsgrad nur mit entsprechendem Hinweis und Begründung im Hintergrundtext

  • Systematische Literaturrecherche  (s. Stufenklassifikation (Kriterien S2e und S3),  Systematische Evidenzbasierung).
    Systematische Recherche, Auswahl, Bewertung, Zusammenfassung in Evidenztabellen

Insbesondere bei der Planung einer eigenen systematischen Literaturrecherche ist es sinnvoll, die klinisch relevanten Fragestellungen weiter zu präzisieren, um die tatsächlich relevante Literatur durch eine sinnvolle Auswahl und Verknüpfung von Suchbegriffen aufzufinden. Die Präzisierung dient auch der Vorbereitung der Bewertung der Literatur in Hinblick auf die Formulierung von Empfehlungen.

AWMF-Regel für das Leitlinienregister:

Keine

Bezug zum DELBI-Instrument:

Domäne 1: Geltungsbereich und Zweck

Kriterium 2: Erhebung und Darlegung von klinisch relevanten Fragestellungen

Hilfen und Tipps:

Es ist sinnvoll, die klinisch relevanten Fragestellungen im Rahmen eines ersten Konsensustreffens der gesamten Leitliniengruppe zu diskutieren und festzulegen, um den Arbeitsrahmen für die Leitliniengruppe einzugrenzen. Nicht jede Fragstellung kann und muss auf eigenen systematischen Literaturrecherchen begründet werden. Gründe für die Priorisierung der Bearbeitungsstrategie sollten im ersten Treffen besprochen und dokumentiert werden.

Als hilfreich für die Präzisierung von Fragestellungen hat sich das PICO Schema erwiesen:

Bei der Entscheidung, welche Endpunkte (Outcomes) betrachtet werden sollen, sollte darauf geachtet werden, nur für den Patienten relevante Endpunkte oder validierte Surrogatparameter zu verwenden. Über die Relevanz der in Betracht kommenden Endpunkte sollte frühzeitig, idealerweise im Rahmen des ersten Treffens der Leitliniengruppe ein Konsens erzielt werden (s. Konstituierende Treffen).

Beispiel einer klinisch relevanten Fragestellung:

Wie ist der Stellenwert der pharmakotherapeutischen Sekundärprävention nach akutem Schlaganfall?

Beispiel für die Ableitung einer suchtauglichen Fragestellung:

Ist bei Patienten nach akutem ischämischem Insult der Einsatz von Clopidogrel wirksamer verglichen mit ASS hinsichtlich der Vermeidung künftiger Schlaganfälle?

Weiterführende Literatur

  • AGREE II – aktuelle Fassung unter www.agreetrust.org (Domain 1. Scope and Purpose).
  • DELBI – aktuelle Fassung unter www.delbi.de (Domäne 1: Geltungsbereich und Zweck).
  • Guyatt GH, Oxman AD, Kunz R, Atkins D, Brozek J, Vist G, Alderson P, Glasziou P, Falck-Ytter Y, Schünemann HJ (2011) GRADE guidelines: 2. Framing the question and deciding on important outcomes. J Clin Epidemol 64(4):395-400.

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