Stellungnahme der AWMF zur Situation des wissenschaftlichen und ärztlichen Nachwuchses

Die AWMF und ihre Mitgliedsgesellschaften blicken mit äußerster Sorge auf die berufliche Situation des wissenschaftlichen und ärztlichen Nachwuchses in der Bundesrepublik Deutschland. Diese ist gekennzeichnet durch eine bürokratische Überlast (z.B Kodierung, insbes. im Hinblick auf die Einführung der DRGs), ständige unbezahlte Überstunden in erheblichem Umfang, eine chancenlose Perspektive mit der de facto weitgehend ausgeschlossenen selbständigen Niederlassungsmöglichkeit (Überversorgung) und eine zunehmende Belastung des Betriebsklimas in den Kliniken durch zunehmende Übergriffe der Verwaltungen auf den ärztlichen Beruf.

Bei dieser keineswegs vollständig geschilderten Situation verwundert es die AWMF nicht, dass nur noch ein Teil der an den Universitäten ausgebildeten Mediziner eine ärztliche Berufsausübung in Deutschland wählt. Die übrigen suchen statt dessen eine Arbeitsstelle im Ausland oder werden in berufsfremden Feldern tätig. Die gerade im Bundestag verabschiedete Dienstrechtsreform wird diese Situation speziell an den Hochschulkliniken erheblich akzentuieren. Wenn der derzeitige Trend anhält, wird die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens und der Forschung und Lehre an den Universitäten nachhaltig beeinträchtigt, sowohl in qualitativer wie in quantitativer Hinsicht.

Die AWMF fordert im Konsens mit der Bundesärztekammer und dem Marburger Bund Regierung und Gesetzgeber dringend auf, sich um den ärztlichen und wissenschaftlichen Nachwuchs ebenso zu kümmern wie sie das in anderen Berufsbereichen tun.

Delegiertenkonferenz und Präsidium der AWMF, November 2001