Stellungnahme zu den Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für eine leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) an den Medizinischen Fakultäten in Deutschland

Seit einigen Jahren werden an deutschen Hochschulen Verfahren zur leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM) erprobt. Dabei werden u.a. sog. Impactfaktoren angewandt, die die Reputation von wissenschaftlichen Fachzeitschriften messen, in denen Forschungsergebnisse veröffentlicht werden.
Die AWMF befasst sich seit über 10 Jahren mit den damit zusammenhängenden theoretischen und methodischen Fragen und begrüßt in diesem Zusammenhang die Initiative der DFG zur Gewährleistung einer einheitlichen Bewertung wissenschaftlicher Leistungen an Medizinischen Fakultäten.
Allerdings müssen wir feststellen, dass die Verwendung ungewichteter Impactfaktoren für eine vergleichende Bewertung der Publikationsleistungen in den verschiedenen medizinischen Fächern nicht geeignet ist. Der Grund liegt darin, dass die den Fächern zur Verfügung stehenden Zeitschriften große Unterschiede in den durchschnittlichen Impactfaktoren ausweisen. So haben Fachzeitschriften der medizinischen Grundlagenfächer im Durchschnitt höhere Impactwerte, als diejenigen, die den klinischen und psychosozialen Fächern in der Medizin zur Verfügung stehen. Deshalb hat die AWMF ein Verfahren entwickelt zur fachbezogenen Gewichtung von Impactfaktoren, das inzwischen an einigen Medizinischen Fakultäten erfolgreich angewandt wird.

Bei den anstehenden Entscheidungen zur Vereinheitlichung der vergleichenden Bewertung wissenschaftlicher Publikationsleistungen sollte man deshalb entweder auf einen Vergleich verschiedenartiger Fächer innerhalb von Medizinischen Fakultäten verzichten oder das von der AWMF entwickelte Verfahren zur Anwendung fachspezifisch gewichteter Mittelimpactfaktoren anwenden.
Eine Sachstandsanalyse der Bibliometriekommission der AWMF hat ergeben, dass die leistungsorientierte Mittelvergabe bisher an den Medizinischen Fakultäten in sehr unterschiedlicher Weise praktiziert wird. Bisher liegen keine Evaluationsergebnisse über die (erwünschten) Wirkungen und (unerwünschten) Nebenwirkungen von LOM-Verfahren vor. Die AWMF sieht hier einen dringenden Handlungsbedarf.

Zusammenfassend begrüßt die AWMF alle Initiativen zur Gewährleistung einer einheitlichen Erfassung wissenschaftlicher Leistungen an den Medizinischen Fakultäten unter der Voraussetzung, dass diese den verschiedenartigen Bedingungen der medizinischen Fächer gerecht wird und mit geeigneten Verfahren eine Evaluation der Wirkungen und Nebenwirkungen durchgeführt wird. Hierbei kann die AWMF mit ihrer Bibliometriekommission Unterstützungsleistungen anbieten.


E. Brähler, J.v. Troschke, K.-F. Kaltenborn
für die AWMF-Bibliometriekommission

Mai 2005