AWMF-Projekt "Leistungsevaluation in der medizinischen Lehre"

Die Leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) orientiert sich an den meisten medizinischen Fakultäten in Deutschland vorwiegend oder sogar ausschließlich an Indikatoren der Forschungsleistung. Diese sind seit Jahren Gegenstand intensiver und auch kontroverser Diskussionen. Hierzu hat sich die AWMF bereits in der Vergangenheit ausführlich geäußert und wird dies auch zukünftig tun. Im Gegensatz zur LOM/Forschung spielt die LOM für Leistungen in der Lehre (LOM/Lehre) im Durchschnitt eine nachgeordnete Rolle. Dies führt zu einer Imbalance in den Anreizen für qualitative hochwertige Forschung und Lehre, die die Lehrleistungen strukturell benachteiligt. Die Ursachen hierfür sind multifaktoriell.

Ein wesentlicher Faktor ist das Fehlen geeigneter und anerkannter Indikatoren für die Bewertung der Lehrleistung. Weder rein subjektive studentische Evaluationen noch Bestehensquoten im Staatsexamen stellen  isoliert betrachtet hinreichend valide bzw. umfassende Indikatoren der Lehrleistungen einzelner Fachabteilungen oder ganzer Studienabschnitte dar.

Sowohl zu diesen als auch zu einer Vielzahl anderer Indikatoren existieren Erfahrungen, die teilweise auch publiziert wurden. Bisher wurden diese Erfahrungen aber nicht systematisch ausgewertet und zur Konsensbildung über allgemein akzeptierte Methoden der Leistungsevaluation in der Lehre und deren Umsetzung in einen anerkannten LOM-fähigen Algorithmus genutzt.

Die AWMF hat daher im Herbst 2010 beschlossen, ihre vorhandene Expertise in der Erstellung medizinischer Leitlinien zur Erstellung eines Leitfadens zur Leistungsevaluation der Lehre im Medizinstudium einzubringen.

Analog zum Entwicklungsprozess einer S2-Leitlinie sollen daher geeignete Methoden zur Evaluation einzelner Kurse bzw. Unterrichtsmodule sowie der einzelnen Studienabschnitte (Vorklinik, Klinik, PJ) ermittelt und konsentiert werden. Dabei soll sowohl das Studium der Humanmedizin als auch dasjenige der Zahnmedizin abgebildet werden. Eine Evaluation kompletter Curricula wird dagegen derzeit nicht angestrebt.

Das Projekt wird in mehreren zeitlich aufeinander aufbauenden Stufen ablaufen:

Phase 1: Systematische Literaturrecherche in publizierter und „grauer“ Literatur, Befragung der Studiendekanate. Sichtung vorhandener Materialien anderer einschlägiger Institutionen.
Start: April 2011; vorgesehener Abschluss Ende 2011; Vorstellung vorläufiger Ergebnisse auf der AWMF-Delegiertenkonferenz im November 2011.

Phase 2: Systematische Diskussion der Literaturbefunde und Konsentierung von Empfehlungen im Rahmen mehrerer Konsensuskonferenzen. Alle AWMF-Mitgliedsgesellschaften, insbesondere auch die Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) sind zur Beteiligung am Konsensprozess eingeladen. Eingeladen werden sollen weiterhin der Medizinische Fakultätentag, der Bundesverband der Medizinstudierenden und die Bundesärztekammer sowie ggfs. weitere relevante Organisationen.
Start: Anfang 2012; vorgesehener Abschluss: 3. Quartal 2012; Vorstellung vorläufiger Ergebnisse auf der AWMF-Delegiertenkonferenz im November 2012.

Phase 3: Konsultationsphase und Abstimmung des vorläufigen Leitfadens mit den Vorständen der beteiligten Gesellschaften.
Start: 4. Quartal 2012; vorgesehener Abschluss: Anfang 2013. Vorstellung des endgültigen Leitfadens zur AWMF-Delegiertenkonferenz im Mai 2013.

Gegenstand der Evidenzrecherche:

Die Evidenzrecherche fokussiert zunächst auf folgende Dimensionen:

  • Evaluation der Strukturqualität der Lehre
  • Evaluation der Prozessqualität der Lehre
  • Evaluation der Ergebnisqualität der Lehre
  • Umsetzung in LOM-fähigen Algorithmus
  • Steuerungseffekte von LOM/Lehre

Speziell soll die Evidenz unter folgenden Aspekten untersucht werden:

  • Gibt es weitere relevante Dimensionen der medizinischen Hochschullehre?
  • Übertragbarkeit der allgemeinen Lehrevaluation an Hochschulen auf die Medizin?
  • Modelle zur Erfassung der Lehrqualität in einzelnen Dimensionen?
  • Wie wird erfasst / metrische Eigenschaften der Instrumente?
  • Validität und Reliabilität der Verfahren?
  • Effekte curricularer Besonderheiten auf  die Generalisierbarkeit?
  • Unterschiedliche Kriterien in der Human- und Zahnmedizin nötig?
  • Steuerungskonsequenzen und -effekte der LOM/Lehre?

Alle AWMF-Mitgliedsgesellschaften sind eingeladen, die Evidenzrecherche durch Übermittlung von Publikationen, Dissertationen etc. zum Thema sowie ggfs. fach- oder fakultätenspezifischer Arbeitspapiere zu unterstützen.

 

Kontaktdaten:

Projektleitung: AWMF-Kommission für Leistungsevaluation in Forschung und Lehre;

Sprecher: Prof. Dr. med. Christoph Herrmann-Lingen (Göttingen); E-Mail: cherrma(at)gwdg.de

Projektmitarbeiterin, Schwerpunkt Evidenzrecherche:

Dipl.-Psych. Sarah Schiekirka; E-Mail: sarah.schiekirka(at)med.uni-goettingen.de.