Mittlere Impact-Faktoren

Probleme in der Bewertung der wissenschaftlichen Publikationsleistung
Die Bewertung von Publikationsleistungen anhand der Impactfaktoren derjenigen Zeitschriften, in denen die Forschungsergebnisse eines Wissenschaftlers, einer Forschungseinheit oder einer gesamten Fakultät publiziert wurden, wird seit ihrer Einführung kritisiert. Zentrale Kritikpunkte sind beispielsweise im Rechtsgutachten von Jansen (2007) zusammengefasst. Eine aktuelle Darstellung findet sich auch bei Adler et al. (2009). Impactfaktoren wurden generell nicht zur Bewertung der Forschungsleistung individueller Wissenschaftler konzipiert, sind nur innerhalb einzelner Fächer mit einheitlichen Publikationskulturen verwertbar (so werden z.B. Buchveröffentlichungen nicht erfasst, die in vielen Wissenschaftsdisziplinen - teilweise auch innerhalb der Medizin - eine wesentliche Rolle spielen), lassen sich durch gezielte Publikationsstrategien und -moden manipulieren und dürfen daher nicht unkritisch im Rahmen von Berufungsverfahren oder leistungsorientierter Mittelvergabe eingesetzt werden.

Die AWMF hat in den Jahren 2000-2001 ein Modell erarbeitet, das einige der Probleme des Impactfaktors aufgreift und die Folgen ihrer Anwendung abmildern soll. Dieses Modell wurde bzw. wird in Deutschland teilweise von den medizinischen Fakultäten angewandt. Die grundsätzliche Kritik an der herausgehobenen Rolle des Impactfaktors bei der Forschungsbewertung bleibt dennoch bestehen. Wissenschaftsrat und DFG nutzen daher in jüngster Zeit auch (wieder) verstärkt qualitative Kriterien zur Beurteilung von Publikationen. Das Bonner Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) überprüft mit Unterstützung des BMBF im Rahmen eines Kompetenzzentrums Bibliometrie und eines Projekts zur steuernden Wirkung der existierenden Leistungsanreize im Rahmen der leistungsorientierten Mittelvergabe in der Medizin (GOMed) die intendierten und nicht intendierten Effekte der bisherigen Forschungsevaluation und -steuerung.

Vor diesem Hintergrund befasst sich auch die AWMF derzeit mit einer grundlegenden Überarbeitung ihrer damaligen Empfehlungen. Die derzeitigen Empfehlungen zur modifizierten Anwendung des Impactfaktors sind daher als vorläufige Übergangslösung bis zur Verabschiedung der aktualisierten Empfehlungen und nicht als Anerkennung des Impactfaktors als geeignetes Bewertungsinstrument einzelner Forscher oder wissenschaftlicher Einrichtungen zu verstehen.

Adler R, Ewing J, Taylor P. Citation Statistics. A Report from the International Mathematical Union (IMU) in Cooperation with the International Council of Industrial and Applied Mathematics (ICIAM) and the Institute of Mathematical Statistics (IMS). Statistical Science 2009, 24, 1-14

 

Aus lizenzrechtlichen Gründen publizieren wir ab 2011 keine Listen der mIF mehr, da diese Werte vom ISI selbst bereit gehalten werden. Hier finden Sie jetzt einen Wegweiser zu den medianen Impactfaktoren beim ISI.

SCI-2010SCI-2009SCI-2008SCI-2007
SCI-2006SCI-2005SCI-2004SCI-2003
SCI-2002SCI-2001SCI-2000SCI-1999
SCI-1998SCI-1997