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Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften

 
Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
Working Group "Hygiene in Hospital & Practice" of AWMF

 

Leitlinien zur Hygiene in Klinik und Praxis


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 029/032  Entwicklungsstufe:   1 

Hygieneanforderungen bei ausgewählten respiratorisch übertragbaren Infektions-Erkrankungen (aerogen und Tröpfchen)1

 


1 Diese Leitlinie befasst sich nicht mit den spezifischen Aspekten der Geburtshilfe und Neonatologie

Atemschutzmasken

Infektionspräventive Maßnahmen bei Tuberkulose [6]

Erkrankungoffene Lungentuberkuloseextrapulmonale Tuberkulose
ErregerMycobacterium tuberculosis - Komplex
InfektionswegInhalation erregerhaltiger Tröpfchen
erregerhaltiges MaterialTröpfchenkerneKörperausscheidungen wie Sekret, Eiter, Urin
Räumliche Isolierung in Zimmer mit Nasszelleja, möglichst keine Kohortenisolierung (Ausnahme: direkte Infektionskette, z.B. Mutter → Kind)nein (solange keine potenziell Aerosol-generierenden Handlungen erfolgen)
Raumlufttechnische Anlage (RLT)ja 1)nein
Mund-Nasen-SchutzPatient beim Verlassen des Zimmers bzw. bei (längerem) Aufenthalt anderer Personen im ZimmerBasishygienemaßnahme bei Aerosol-generierenden Handlungen
FFP2-Maske (bei potenziell hoher Aerosolexposition FFP3)Personal, Besucher beim Betreten des Zimmers nein
SchutzkittelKontakt zum Patienten, Aerosol-generierende TätigkeitenBasishygiene bei engem Patientenkontakt
Schutzbrillenicht erforderlich
Schutzhaubenicht erforderlich
SchutzhandschuheBasishygiene bei möglichem Kontakt zu Blut, Körperausscheidungen u.a. infektiösen Materialien oder kontaminierten Oberflächen
HändedesinfektionIndikationen entsprechend Basishygiene.
laufende FlächendesinfektionBasishygiene
tuberkulozid wirksame Mittel bei Kontamination mit erregerhaltigem Material
Schlussdesinfektiontuberkulozid wirksame Mitteln
Aufbereitung von Medizinproduktengemäß den geltenden Aufbereitungsrichtlinien [7]
Entsorgungmit erregerhaltigem Material kontaminierte Abfälle als AS 18 01 03* (infektiöse Abfälle) [8]
WäscheTransport als Infektionswäsche, desinfizierendes Waschverfahren [9;10]
GeschirrBasishygiene
Dauer der Maßnahmen3 x mikroskopisch negatives Sputum und oder Berücksichtigung klinischer, röntgenologischer und mikrobiologischer Therapieerfolg
bei MDR-Tb Abwarten der kulturellen Konversion
solange der Erreger in Körperausscheidungen nachweisbar ist
postexpositionelle Prophylaxe ggf. präventive Chemotherapie [11]nicht empfohlen
1) Türen geschlossen halten, Fensterlüftung direkt ins Freie oder RLT-Anlage (Zimmer oder Schleuse im Unterdruck, Abluftfilterung nur erforderlich, wenn Abluft in andere Innenbereiche gelangt

Infektionspräventive Maßnahmen bei Windpocken und Masern [12]

ErkrankungWindpocken (Varizellen)*Masern, Morbilli
ErregerVarizella Zoster-Virus, VZVMorbillivirus
ImpfpräventionPersonalschutz durch Impfung beachtenPersonalschutz durch Impfung beachten
InfektionswegInhalation erregerhaltiger Tröpfchen
Kontakt zu virushaltigem Bläscheninhalt oder Krusten
Inhalation erregerhaltiger Tröpfchen
Schleimhautkontakt mit erregerhaltigem Material aus Nasen-Rachen-Raum
erregerhaltiges MaterialBläscheninhalt, Bläschenkrusten
Tröpfchen
Tröpfchen
räumliche Isolierung in Zimmer mit Nasszelleja, ggf. Kohortierung
raumlufttechnische Anlage (RLT)nicht erforderlich; wenn vorhanden, Unterdruck gegenüber umgebenden Räumen und Sicherstellung, dass Abluft 100%ig nach außen abgeführt wird
Mund-Nasen-SchutzPatient beim Verlassen des Zimmers bzw. bei (längerem) Aufenthalt anderer Personen im Zimmer
FFP2-MaskePersonal und Besucher beim Betreten des Zimmers, falls kein ausreichender Immunschutz, z.B. aufgrund einer Impfung gegeben
SchutzkittelKontakt zum Patienten, Aerosol-generierende Tätigkeiten
SchutzhandschuheBasishygiene
HändedesinfektionBasishygiene,
laufende FlächendesinfektionBasishygiene
SchlussdesinfektionFlächendesinfektionsmittel mit (bakterizider und) begrenzt viruzider Wirksamkeit
Aufbereitung von Medizinproduktenstreng patientenbezogener Einsatz, Aufbereitung gemäß den geltenden Richtlinien [7]
EntsorgungBasishygiene, Abfälle AS 18 01 04 [8]
WäscheTransport als Infektionswäsche, desinfizierendes Waschverfahren [9,10]
GeschirrBasishygiene
Dauer der Maßnahmen7 Tage nach Auftreten der letzten Effloreszenzen4 Tage nach Auftreten des Exanthems
postexpositionelle ProphylaxeInkubationsimpfung entsprechend STIKO-Empfehlung [14]
* Hygienemaßnahmen bei Herpes zoster sind nicht Inhalt dieser Leitlinie

Infektionspräventive bei Influenza, MERS und SARS[12,13]

Erkrankungsaisonale Influenzazoonotische (aviäre) InfluenzaSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom, SARS und Middle East Respiratory Syndrome, MERS
ErregerInfluenza A-Viren mit verschiedenen Subtypen
Influenza B-Viren
Influenza A-Viren Subtypen A(H5N1), A(H7N9), A(H5N8), A(H5N2) und A(H7N3)SARS-Coronavisus
MERS- Coronavirus
ImpfpräventionPersonalschutz durch Impfung beachten. Bei fehlender Impfung medikamentöse Prävention mit Neuraminidasehemmern gemäß ärztlicher Indikationsstellung möglich.Soweit verfügbar Personalschutz durch Impfung beachten -
InfektionswegInhalation erregerhaltiger Tröpfchen und/oder Schleimhautkontakt zu erregerhaltigen Tröpfchen Inhalation erregerhaltiger Tröpfchen oder erregerhaltigen Staubes (enger und/oder beruflicher Kontakt) und/oder Schleimhautkontakt zu erregerhaltigem MaterialInhalation und/oder Schleimhautkontakt zu erregerhaltigen Tröpfchen
erregerhaltiges MaterialTröpfchen(Geflügel-) Exkremente, TröpfchenTröpfchen
räumliche Isolierung in Zimmer mit Nasszelleja, ggf. Kohortierung von Patienten mit gleichem Erregertypja, ggf. Kohortenisolierung
raumlufttechnische Anlage (RLT)nicht erforderlich; wenn vorhanden, Sicherstellung, dass Abluft 100%ig nach außen abgeführt wirdja 1)
Mund-Nasen-SchutzPatient beim Verlassen des Zimmers bzw. bei (längerem) Aufenthalt anderer Personen im Zimmer
AtemschutzmaskeBesucher beim Betreten des Zimmers
Personal bei Tätigkeiten am Patienten bzw. im Umkreis von 1 m zum Patienten sollten eine FFP2-Maske tragen
Personal und Besucher beim Betreten des Zimmers FFP3-Maske oder Respirator, insbesondere bei ausgeprägter Exposition
SchutzbrilleBasishygiene bei Aerosol-generierenden MaßnahmenBetreten des Zimmers
Schutzhaubenicht erforderlichBetreten des Zimmers
SchutzkittelKontakt zum Patienten, Aerosol-generierende TätigkeitenBetreten des Zimmers Zusätzlich flüssigkeitsdichte Einwegschürze bei entsprechenden pflegerischen, diagnostischen oder therapeutischen Tätigkeiten am Patienten Betreten des Zimmers
SchutzhandschuheBasishygieneBetreten des Zimmers
HändedesinfektionIndikationen entsprechend Basishygiene
Händehygiene Patientnach Schnäuzen oder Husten (mit Hand vor dem Mund statt in Ellenbeuge) Hände umgehend waschen oder desinfizierenBasishygiene
laufende FlächendesinfektionBasishygiene, Flächendesinfektionsmittel mit (bakterizider und) begrenzt viruzider Wirksamkeit
Schlussdesinfektionnach Aufhebung der Isolierung Restbestände an ungeschützt gelagertem Einmalmaterial verwerfen
Flächendesinfektionsmittel mit (bakterizider und) begrenzt viruzider Wirksamkeit
Aufbereitung von Medizinproduktenstreng patientenbezogener Einsatz, Aufbereitung gemäß den geltenden Richtlinien [7]
EntsorgungBasishygiene, Abfälle AS 18 01 04 [8]mit erregerhaltigem Material kontaminierte Abfälle als AS 18 01 03* (infektiöse Abfälle) [8]
WäscheTransport als Infektionswäsche, desinfizierendes Waschverfahren [9,10]
GeschirrBasishygiene
Dauer der Maßnahmenbis 7 Tage nach Auftreten der ersten Symptome, ggf. auch länger bei Fortbestehen der Symptomesolange der Erreger bzw. klinische Symptome nachweisbar sind
postexpositionelle Prophylaxeärztliche Entscheidung zur Chemoprophylaxe entsprechend den aktuell gültigen Empfehlungennicht empfohlen
1) Türen geschlossen halten, Fensterlüftung direkt ins Freie oder RLT-Anlage (Zimmer oder Schleuse im Unterdruck, Abluftfilterung nur erforderlich, wenn Abluft in andere Innenbereiche gelangt

Infektionspräventive Maßnahmen bei Röteln und Keuchhusten [12,14,15,16]

ErkrankungRöteln, RubellaKeuchhusten, Pertussis,
ErregerRubella-VirusBordetella pertussis
ImpfpräventionPersonalschutz durch Impfung beachtenPersonalschutz durch Impfung beachten
InfektionswegInhalation erregerhaltiger Tröpfchen,
Schleimhautkontakt mit erregerhaltigem Material aus Nasen-Rachen-Raum
(außerdem: diaplazentare Übertragung in der Schwangerschaft)
Inhalation erregerhaltiger Tröpfchen,
Schleimhautkontakt mit erregerhaltigem Material aus Nasen-Rachen-Raum
Erregerhaltiges MaterialTröpfchen
Räumliche Isolierung mit eigener Nasszelleja ggf. Kohortierung
Raumlufttechnische Anlage (RLT)Nicht erforderlich
Mund-Nasen-SchutzPatient beim Verlassen des Zimmers bzw. bei (längerem) Aufenthalt anderer Personen im Zimmer
FFP2-MaskePersonal und Besucher beim Betreten des Zimmers, auf das Tragen der FFP2-Masken kann im Einzelfall verzichtet werden, wenn bekannt ist, dass der betroffene Beschäftigte über einen ausreichenden Immunschutz, z.B. aufgrund einer Impfung, verfügt
SchutzkittelKontakt zum Patienten, Aerosol-generierende Tätigkeiten
SchutzhandschuheBasishygiene
HändedesinfektionBasishygiene
Laufende FlächendesinfektionBasishygiene, Flächendesinfektionsmittel mit bakterizider und begrenzt viruzider Wirksamkeit
SchlussdesinfektionFlächendesinfektionsmittel mit bakterizider und begrenzt viruzider Wirksamkeit
Aufbereitung von Medizinproduktenstreng patientenbezogener Einsatz, Aufbereitung gemäß den geltenden Richtlinien [7]
EntsorgungBasishygiene, Abfälle AS 18 01 04 [8]
WäscheTransport als Infektionswäsche, desinfizierendes Waschverfahren [9,10]
GeschirrBasishygiene
Dauer der MaßnahmeBis zu 7 Tage nach Auftreten der Exanthems 5-7 Tage nach Beginn einer erregerspezifischen Antibiose
Ohne Antibiose: 3 Wochen nach Beginn des Stadium mit anfallsweisen Hustenstößen (Stadium convulsivum)
postexpositionelle Prophylaxekeine erforderlich [17]ggf. präventive Chemotherapie [15, 16]

 


Literatur

  1. 2007 Guideline for Isolation Precautions: Preventing Transmission of Infectious Agents in Healthcare Setting, http://www.cdc.gov/hicpac/pdf/isolation/Isolation2007.pdf
  2. Kramer A, Assadian O, Pitten FA, Heeg P. Isolierung und Distanzierung. In: Kramer A, Assadian O, Exner M, Hübner NO, Simon A (Hrsg.) Krankenhaus- und Praxishygiene.München: Urban Fischer, 3. überarb. Auflage 2016
  3. Schulze-Röbbecke R. Standardmaßnahmen zur Prävention der Übertragung nosokomialer Infektionen - Standardhygiene, Basishygiene. Krankenhauhygiene up2date 2009;4(3):193-207
  4. DIN EN 149:2009-08 Atemschutzgeräte - Filtrierende Halbmasken zum Schutz gegen Partikeln - Anforderungen, Prüfung, Kennzeichnung, Berlin: Beuth Verlag GmbH; 2009
  5. Kriterien zur Auswahl der PSA bei Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe, Beschluss 45/2011 des ABAS vom 05.12.2011
  6. Ziegler R, Just H-M, Castell S, Diel R, Gastmeier P, Haas W, et al. Infektionsprävention bei Tuberkulose - Empfehlung des DZK: Pneumologie 2012;66(05):269-82
  7. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) und Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Bundesgesundheitsbl 2012;55:1244-310
  8. Bund/Ländergemeinschaft-Abfall: Mitteilung der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) 18 Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes. Stand Januar 2015t
  9. Verbund Angewandte Hygiene (VAH): Desinfektionsmittel-Liste des VAH, Wiesbaden: mhp-Verlag; 2015
  10. Robert Koch-Institut. Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren Stand: 31. August 2013. Bundesgesundheitsbl 2013;56:1706-28
  11. Schaberg K, Detjen A, Diel R, et al. Empfehlungen zur Therapie, Chemoprävention und Chemoprophylaxe der Tuberkulose im Erwachsenen- und Kindesalter Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) und Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) Pneumologie 2012;66(03): 133-71
  12. Robert Koch-Institut: RKI Ratgeber für Ärzte, http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/merkblaetter_node.html (28.09.2015)
  13. Robert Koch-Institut: RKI. Empfehlungen des Robert Koch-Institutes für die Hygienemaßnahmen und Infektionskontrolle bei Patienten mit Schwerem Akutem Respiratorischem Syndrom (SARS), https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Erreger_ausgewaehlt/SARS/SARS_pdf.pdf?__blob=publicationFile (28.09.2015)
  14. Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epid Bull 2015;34:327-50
  15. Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie e.V.. DGPI Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6. Aufl., Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2013
  16. Riffelmann M, Littmann M, Hellenbrand W, Hülße C, Wirsing von König C H. Pertussis - nicht nur eine Kinderkrankheit. Dtsch Arztebl 2008; 105(37): 623-8
  17. Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI): Änderung der Empfehlungen zur Impfung gegen Röteln. Epid Bull 2010;32: 322-5
  18. Josephson A, Gombert M E, Airborne Transmission of Nosocomial Varicella from Localized Zoster. J Infect Dis 1988;158(1): 238-241
Mitgeltende Unterlagen

Verfahren zur Konsensbildung:

Interdisziplinärer Experten-Konsens im
Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
Verzeichnis aller Mitglieder siehe Homepage des Arbeitskreises:
www.hygiene-klinik-praxis.de/mitglieder.htm

Sekretariat:
Bernd Gruber
Vereinig. d. Hygiene-Fachkräfte e.V.
Marienhospital, Osnabrück
e-mail: Gruber


Erstellung:

02/2004

Letzte Überarbeitung:

01/2016 (fasst bisherige LL 029/032, 029/033, 029/036 und 029/039 zusammen und ersetzt diese)

Nächste Überprüfung geplant:

01/2021 (oder früher nach Bedarf)



Textfassung vom: 01/2016
© Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
Autorisiert für elektronische Publikation: AWMF online
HTML-Code optimiert: 05.08.2016