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Arbeitsgemeinschaft der
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Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
Working Group 'Hospital & Practice Hygiene' of AWMF

Empfehlungen zur Hygiene in Klinik und Praxis


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 029/006   Entwicklungsstufe:   S1 

Hygienische Anforderungen an Hausreinigung und Flächendesinfektion

  1. Einleitung
  2. Hausreinigung und Flächendesinfektion des unbelebten Umfeldes im Krankenhaus und anderen medizinischen Bereichen dienen sowohl der Sauberkeit als auch der Infektionsverhütung. Zu medizinischen Bereichen zählt auch der häusliche Bereich, wenn dort Patienten ambulant-medizinisch versorgt werden.

    Zur Definition verschiedener Begriffe wie Reinigung und Desinfektion etc. wird auf das im Anhang befindliche Glossar verwiesen.

    Eine Beschränkung von Reinigung und/oder Desinfektion nur auf sichtbar verunreinigte Bereiche ist nicht ausreichend und muss durch eine routinemäßig durchzuführende Strategie von Reinigung und/oder Desinfektion ergänzt werden. Daneben muss immer eine gezielte Desinfektionsmaßnahme dann durchgeführt werden, wenn das unbelebte Umfeld mit Blut, Faeces, Eiter, anderen Körperflüssigkeiten sichtbar verunreinigt ist (gezielte Desinfektion).

    Aus Gründen des Patienten- und Personalschutzes sowie der Qualitätssicherung muss eine ordnungsgemäße, hygienisch einwandfreie Durchführung der Reinigung und indikationsgerechten Flächendesinfektionsmaßnahmen als Teil eines Multibarrierensystems zur Prävention und Kontrolle von nosokomialen Infektionen und der Verhütung der Ausbreitung Antibiotika-resistenter Mikroorganismen stets gewährleistet sein.

    Wegen der zunehmenden Konzentration infektionsgefährdeter und infektionsgefährdender Patienten im Krankenhaus und der speziell im Krankenhaus stattfindenden Selektion Antibiotika-resistenter Mikroorganismen gehört die Sicherstellung einer gesicherten Hausreinigung und Flächendesinfektion zu der nicht delegierbaren ärztlichen Verantwortung des leitenden Arztes.

  3. Grundsätzliche Anforderungen an Reinigungs- und Desinfektionsverfahren
  4. Aufgrund der aufgeführten kritischen Punkte bei der Nutzung von Tuchspendersystemen, sollte vor dem Einsatz geklärt werden, für welchen Bereich welches System geeignet scheint. Diesbezüglich gibt es vom VAH die klare Empfehlung in Bereichen mit besonderen Infektionsrisiken (z. B. Intensivtherapie, Hämatoonkologie, Neonatologie, Verbrennungsstationen), auf aufbereitbare Spendersysteme zu verzichten (Mitteilung der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH: Zur Verwendung von Tuchspendersystemen in Bereichen mit besonderem Infektionsrisiko. HygMed 2014;39:358-359).

    Neben den Desinfektionsmittel-Tuchbehältnissen, die aus einem wiederaufbereitbaren Kunststoffeimer und Kunststoffdeckel bestehen, gibt es Systeme, bei denen in den Kunststoffeimer eine Tüte, die das getränkte Desinfektionsmitteltuch enthält, gegeben wird. Diese Tüten können dann samt Deckel nach Verwendung des letzten Tuchs verworfen werden, so dass die Desinfektionsmitteltücher überhaupt nicht mit den aufzubereitenden Kunststoff-oberflächen von Eimer oder Deckel in Kontakt kommen. Diese Systeme sollten bei der Beschaffung bevorzugt werden, da bei ihrem Einsatz von einer größeren Sicherheit auszugehen ist.

  5. Betrieblich-organisatorische Anforderungen
  6. Baulich-funktionelle Anforderungen
  7. Spezielle Anforderungen an Reinigung und Desinfektion in Abhängigkeit unterschiedlicher Risikobereiche
  8. Die Indikation zur Reinigung bzw. Desinfektion wird durch die Wahrscheinlichkeit des direkten Kontaktes oder die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Kontamination mit Krankheitserregern sowie der Infektionsdisposition der behandelten Patienten. Eine Einteilung nach Risikobereichen ist daher sinnvoll.

  9. Kontrolle und Qualitätssicherung
  10. Hygienische Kontrollen von Desinfektions- und Reinigungsverfahren und von Verfahren zur Aufbereitung der Reinigungsutensilien sind regelmäßigen Kontrollen zu unterziehen, wobei Reinigungs- und Desinfektionsutensilien und -lösungen in die Überprüfungen einzubeziehen sind.
    Durch hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen kann die Wirksamkeit von Reinigungs- und Desinfektionsverfahren sowie die mögliche Ausbringung von fakultativ-pathogenen Mikroorganismen kontrolliert werden.

  11. Häusliches Umfeld
  12. Im häuslichen Umfeld, in dem Patienten mit erhöhter Infektionsgefährdung behandelt werden (unmittelbar postoperative Versorgung, Patienten mit invasiven Systemen, Harnwegskatheter, intravasale Katheter) oder Patienten als Ausscheider von Infektionserregern einschließlich Antibiotika-resistenter Mikroorganismen versorgt werden, gelten grundsätzlich die gleichen Anforderungen an die Hausreinigung und Desinfektion.

    Das sogenannte "gezielte Hygienekonzept" (targeted hygiene) kann zur Identifizierung von Situationen und Bereichen dienen (www.ifh-homehygiene.org/infection-prevention-and-control-home-healthcare, externer Link).


Glossar


Literatur

Weiterführende Literatur

Siehe zu diesem Thema auch Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, herausgegeben vom Robert Koch-Institut, Berlin (http://www.rki.de externer Link)


Verfahren zur Konsensbildung:

Interdisziplinärer Experten-Konsens im
Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
www.hygiene-klinik-praxis.de/mitglieder.htm

Sekretariat:
Bernd Gruber
Vereinig. d. Hygiene-Fachkräfte e.V.
Marienhospital, Osnabrück
eMail: Gruber

Erstellungsdatum:

06/1998

Letzte Überprüfung:

09/2015

Nächste Überprüfung geplant:

09/2020 oder bei Bedarf früher



Aktuelle Fassung von: 09/2015
© Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF
Autorisiert für elektronische Publikation: AWMF online
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